Di, 23. Jänner 2018

Hört, hört!

15.06.2005 16:27

Was Frauen an Männern beneiden

Im Zeitalter grassierender Emanzipation und Unabhängigkeit der Frauen von den Männern mag es ungewöhnlich klingen: Frauen beneiden Männer, wie eine GEWIS-Umfrage ergeben hat. Und dabei geht es nicht einmal um so lapidare Dinge wie im Stehen pinkeln.

Jede zweite Frau wäre froh, so gelassen an Beziehungen herangehen zu können, wie Männer es ihnen vormachen. Knapp die Hälfte der Befragten (47 %) beneiden ihre männlichen Zeitgenossen "um die Fähigkeit, sich nach einer Trennung ruck, zuck neu zu binden". Auch dass Männer "nicht so viel über die Beziehung grübeln" (43 %) und "bei Konflikten nicht immer zig Meinungen einholen" (31 %) stößt bei Frauen auf große Bewunderung.  

Skurriler Neidpunkt: Acht Prozent der befragten Frauen wären gern fähig, einen Streit einfach überschlafen zu können, also ein Problem mit Sex zu lösen. Auch eines der Ergebnisse der aktuellen GEWIS-Umfrage unter 1.046 Frauen zwischen 30 und 55 Jahren im Auftrag der Frauenzeitschrift FÜR SIE.  

Frauen machen es sich schwer
Dabei machen sich Frauen das (Beziehungs-)Leben oft selbst schwer: "Sie rufen eine Freundin nach der anderen an, um die Verfehlungen ihres Partners zu erörtern. Als ob sie eine unbewusste Lust am Drama hätten", erklärt Autorin Angela von Gatterburg in der aktuellen Ausgabe von FÜR SIE. Männer dagegen kämen "schnell zum Punkt, wenn sie sich ärgern. Sie wollen Konflikte lösen, nicht um sie kreisen". Entsprechend beneiden 15 Prozent der befragten Frauen die Herren der Schöpfung um die Eigenschaft, dass sie nach Lösungen suchen, statt zu jammern. 

Gar nicht zufrieden mit sich selbst sind 19 Prozent, weil sie um jeden Preis Harmonie herstellen wollen – im Gegensatz zu den Männern. Ein Viertel der Frauen würde gerne mal etwas einfach aussitzen können, und beneiden diese Fähigkeit an den Männern.  

Frauen in Gefühlsdingen nicht überlegen?
Die 47-jährige Journalistin erschüttert mit ihrem gerade erschienenen Buch "Liebe Drama Wahnsinn" die gängige Meinung, Frauen seien Männern in Gefühlsdingen weit überlegen. Zahlreiche Interviews mit Männern, Frauen, Paaren und Wissenschaftlern haben sie zu der Erkenntnis gebracht: Frauen wollen oft zu viel, und Männer sind besser als ihr Ruf. 

Wie einen Frosch an die Wand
Denn "Frauen träumen von einem wunderbaren Prinzen - charakterfest, gut situiert, kochtalentiert, Pferd kein Hindernis", so Angela von Gatterburg. "Dann treffen sie einen ganz normalen Mann, und wie im Märchen werfen sie den Frosch an die Wand und hoffen auf seine Verwandlung. Das heißt: Sie fangen an, ihn umzuerziehen." Zwar sei es wichtig, in einer Beziehung zu sagen, was einem nicht passt, und Dinge auszuhandeln. Doch die Grenze sei da, wo einer den anderen bevormundet, weil er sich überlegen fühlt. Von Gatterburg: "Hinter ständiger Kritik verbirgt sich meist eine nagende Unzufriedenheit mit sich selbst, mit dem Leben. Viele Frauen machen den Mann für ihr Lebensglück verantwortlich, statt sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten zu befassen."

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