Mo, 11. Dezember 2017

Außer Kontrolle

18.04.2012 14:46

"Superman" im "Blair Witch"-Stil: "Chronicle"

Die Vorstellung, wie ein Vogel fliegen zu können, ist ein uralter Menschheitstraum. In der griechischen Mythologie ist Ikarus für seinen Versuch, zu hoch hinaus zu wollen, von den Göttern bestraft worden. Mit Superkräften und Selbstüberschätzung setzt sich auch der amerikanische Nachwuchsregisseur Josh Trank in seinem unkonventionellen Spielfilmdebüt "Chronicle" (Kinostart: 20. April) auseinander. Wie bereits in seinem Kurzfilm "Stabbing at Leia's 22nd Birthday" bewegt er sich darin stets auf Augenhöhe mit seinen jungen Protagonisten.

Der kreative, aber gestörte Außenseiter Andrew zelebriert sein eigentümliches Verhalten vor seinen Mitschülern. Sogar in der Pause versteckt er sich hinter seiner Kamera, mit der er sämtliche Erlebnisse dokumentiert. Auch zu Hause versucht er, seine Emotionen zu verbergen, da er weder das Leiden seiner sterbenskranken Mutter noch die Aggressionen seines arbeitslosen Vaters ertragen kann. Sein ganzes Leben ändert sich grundlegend, als er zusammen mit seinen beiden Freunden in einer Felshöhle eine bizarre Entdeckung macht, die ihnen übernatürliche Fähigkeiten verleiht.

Zunächst gelingt es dem jugendlichen Trio, mit bloßer Gedankenkraft nur kleinere Gegenstände zum Fliegen zu bringen. Schließlich können sie sich selbst in die Lüfte schwingen und sogar Autos zum Abheben bringen. Aus dem anfänglichen Spaß wird tödlicher Ernst, als der unberechenbare Außenseiter seinen Allmachtsfantasien freien Lauf lässt und seine neu errungene Macht missbraucht. Der junge Superheld mutiert zum Misanthropen, der überall eine Schneise der Verwüstung hinterlässt und nur noch von einem früheren Freund gestoppt werden kann.

In den USA wurde das Teenager-Abenteuer mit unkonventionellen Marketingmethoden beworben: Pünktlich zum Kinostart wurden drei Modellflugzeuge mit menschlich aussehenden Schablonen über den East River in New York geschickt, welche die Passanten zwischen der Brooklyn Bridge und der Freiheitsstatue in großes Erstaunen versetzten. Die Aktion machte sich bezahlt, denn der nur 12 Millionen Dollar (umgerechnet rund 9 Millionen Euro) teure Spielfilm spielte an den US-amerikanischen Kinokassen bereits über 63 Millionen Dollar (48 Millionen Euro) ein.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Die Geschichte eines Jungen, der sein Leben lang ausgegrenzt wurde, nun aber - mit dem Recht des Stärkeren - zurückschlagen kann, ist Essenz jeder Superheldenstory. Das Regiedebüt von Josh Trank baut im Stil einer "nervösen" Handkamera-Doku auf die Machart von Filmen wie "The Blair Witch Project" oder "Cloverfield" auf. Eine durchaus innovative Frischzellenkur für das mittlerweile etwas inflationäre Superheldenfilm-Genre - und das ganz ohne Latexstrampler und Flattercape, äh Superheldenkostüm.

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