Sa, 16. Dezember 2017

Kommissions-Bericht

17.04.2012 13:08

Bislang acht Millionen Euro für Kirchen-Opfer

Die vor zwei Jahren von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzte "Unabhängige Opferschutzanwaltschaft" hat von Missbrauch Betroffenen bisher insgesamt acht Millionen Euro finanzielle Hilfe zuerkannt. 702 Beschlüsse habe man in zwei Jahren gefasst, zog die Vorsitzende Waltraud Klasnic (Bild rechts) am Dienstag Bilanz. Drei Viertel aller Betroffenen waren Männer. Bis Ende des Jahres wolle man den Großteil sämtlicher Meldungen abgearbeitet haben.

Insgesamt sind per Stichtag 3. April 2012 1.244 Meldungen bei der "Klasnic-Kommission" eingelangt, davon betrafen 1.129 Gewalt oder Missbrauch durch Vertreter der römisch-katholischen Kirche in Österreich. Mit 840 Meldungen waren 75,4 Prozent der Betroffenen Männer. Die meisten Fälle wurden in Oberösterreich (239), Tirol (227) und Wien (186) registriert, im Burgenland etwa waren hingegen elf Personen betroffen.

Meist Kinder ab zehn Jahren als Opfer
Insgesamt 702 Beschlüsse hat die Opferschutzanwaltschaft in zwei Jahren gefasst. Neben den 613 anerkannten bzw. abgeschlossenen Fällen gab es auch 19 Ablehnungen. In den restlichen Fällen wurden die Betroffenen etwa zu passenderen Stellen weitergeleitet. Nicht nur finanzielle Hilfestellung, welche die von der Kirche eingerichtete Stiftung Opferschutz übernimmt, wurde geleistet. Auch 23.500 Therapiestunden erkannte die Kommission zu.

Rund zwei Drittel der Opfer waren mit sexuellem Missbrauch konfrontiert. Was den Zeitraum der Taten betrifft, fallen 40 Prozent der Fälle in die 1960er-Jahre. Bei den meisten der Betroffenen (46,3 Prozent) begannen die Übergriffe im Alter von zehn bis 13 Jahren, im Volksschulalter waren es rund 31 Prozent. Im Durchschnitt waren die Opfer über eine Dauer von vier Jahren ausgeliefert. Zwei Drittel der Vorfälle ereigneten sich in Ordenseinrichtungen.

Ruf nach "Präventionsplattform"
Vorsitzende Klasnic wünscht sich eine Einrichtung, die Missbrauch in öffentlichen und privaten Einrichtungen vorbeugen soll. "Wir brauchen eine Präventionsplattform", lautete ihre Forderung am Dienstag. Gegen Kritik, man agiere unter Einfluss der Kirche, wehrte sie sich. Man lege viel Wert auf das Wort "unabhängig".

"Wir sind so etwas wie eine Anlaufstelle des Vertrauens geworden", meinte Klasnic, die zugab, dass ihr die Tragweite zu Beginn ihrer Tätigkeit nicht in diesem Ausmaß bewusst gewesen sei. "Die Mauer des Schweigens" sei durchbrochen worden.

40 verdächtige Priester angeblich noch im Amt
Kritik - vor allem von der Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt" - man befasse sich nicht mit den Tätern, entgegnete am Dienstag Caroline List, Richterin und Kommissionsmitglied: "Was wir tun, ist eine Plausibilitätsprüfung." Entscheidungen der Opferschutzanwaltschaft seien keine Urteile, da die mutmaßlichen Täter nicht angehört würden. Dass, wie die Plattform behauptete, rund 40 verdächtigte Priester nach wie vor im Amt seien, bestätigte List nicht. "Ich würde ganz dringend darum bitten, dass diese Namen bekannt gegeben werden." Nur dann könne "dementsprechend gehandelt" werden.

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