Sa, 16. Dezember 2017

Kontakt abgebrochen

12.04.2012 19:59

ESA-Umweltsatellit "Envisat" sendet keine Daten mehr

Nach zehn Jahren im Dienst sendet "Envisat" (Bild), Europas größter Erdbeobachtungssatellit, plötzlich keine Daten mehr zu Erde. Der Kontakt sei abgebrochen, teilte die europäische Raumfahrtorganisation ESA am Donnerstag in Paris mit. An der Behebung des Problems werde gearbeitet, einen letzten Kontakt habe es am vergangenen Sonntag gegeben, hieß es.

Der 8,2 Tonnen schwere Satellit, dessen Konzept schon vor seinem Start als nicht mehr zeitgemäß galt, war vor zehn Jahren, am 1. März 2002, an Bord einer Ariane-5-Rakete ins All gebracht worden. Da er von den Treibstoffvorräten her durchaus bis 2014 seine Bahnen ziehen könnte, war bisher ein nahtloser Übergang zu den "Sentinel"-Nachfolgesatelliten für möglich gehalten worden.

Bereits 52.000 Mal Erde umrundet
Rund 52.000 Erdumrundungen hat "Envisat" bisher absolviert - 14 am Tag. Mittels zehn verschiedener Sensoren beobachtet der auf einer polaren Umlaufbahn kreisende "Öko-Polizist" aus einer Höhe von rund 780 Kilometern Wasser, Land und die Atmosphäre. Tag und Nacht und auch durch Wolken hindurch sammelte er mit seinen Instrumenten dabei wichtige Daten etwa zu Klimawandel und Umweltverschmutzung.

"Wir können Ölverschmutzungen im Meer sehen, Überschwemmungen beobachten", weiß Flugleiter Frank Diekmann vom europäischen Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Abgase von Autos und Schiffen würden entdeckt, die Umweltbelastung in Ballungszentren, Treibhausgase und das Ozonloch gesehen. Die von "Envisat" erhobenen Daten werden Behörden und Organisationen zur Verfügung gestellt. Sie werden laut ESA-Angaben unter anderem vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP und der Weltlandwirtschaftsorganisation FAO genutzt.

Wolfgang Wagner, Professor am Institut für Fotogrammetrie und Fernerkundung an der Technischen Universität Wien, etwa erforscht unter anderem mittels "Envisat"-Daten und in Zusammenarbeit mit den Wiener Wasserwerken den Einfluss unterschiedlicher Schneelagen auf die Trinkwasservorräte der Bundeshauptstadt.

Satellit beobachtet Naturkatastrophen
Neben rein wissenschaftlichen Fragestellungen und der langfristigen Beobachtung etwa von abschmelzenden Polkappen oder Gletschern sowie der Ausbreitung von Wüsten, wurde "Envisat" auch laufend für die Beobachtung etwa von Naturkatastrophen eingesetzt. Durch die Sensoren können etwa Ölteppiche oder Eisberge verfolgt und entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden