Do, 14. Dezember 2017

Minister kämpferisch

12.04.2012 17:04

"Wir lassen uns die Käsekrainer von der EU nicht verbieten"

Es wird ernst. Slowenien riskiert den "Käsekrainer-Krieg". Doch Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich will gemeinsam mit Wirtschaftskammer und Patentamt um die Wurst kämpfen. Der Minister pocht auf die Tradition, welche die Würstel in Österreich haben und sagt: "Wir lassen uns die Käsekrainer ganz sicher nicht verbieten!"

Den Antrag der Slowenen, der ihnen die "Krainer Wurst" als geschützte Herkunftsbezeichnung sichern soll, will Berlakovich auf jeden Fall vor der EU beanstanden. "Nachdem es ein Patentstreit ist, muss auch unser Patentamt Einspruch erheben. Aber nicht nur. Prinzipiell kann das jeder tun. Mein Ministerium stellt sich dagegen, ebenso Veterinär-Uni und Wirtschaftskammer, wo über die Bundesinnung der Lebensmittelgewerbe die Einsprüche koordiniert werden."

"Setzen alles in Bewegung"
Viel Zeit bleibt im "Kampf um die Wurst" nicht, binnen sechs Monaten fällt die Entscheidung. Berlakovich: "Wir setzen alles in Bewegung und werden triftige Argumente vorbringen, die den Slowenen die Patentansprüche vereiteln."

Besonders die lange Tradition der "Krainer" in Österreich sei entscheidend. "Außerdem wurden sie teils bei uns kreiert." Hinzu kämen natürlich auch starke wirtschaftliche Faktoren: "Da hängen zum einen unsere Bauern dran. Dann die vielen Würstelstandler. Natürlich auch die Lebensmittel-Industrie oder auch die vielen Fleischhacker. Es geht also letzten Endes auch um Arbeitsplätze." Schlimmstenfalls müssten Krainer und Käsekrainer allerdings umbenannt werden, so der Landwirtschaftsminister. "Aber daran denke ich jetzt lieber noch gar nicht."

"Jeder Konsument weiß, was gemeint ist"
Auch in der Wirtschaftskammer wehrt man sich gegen eine Umbenennung der Würstel. "Käsekrainer ist eine gut eingeführte österreichische Bezeichnung. Jeder Konsument weiß, was das ist. Da wird niemand hinters Licht geführt. Dieser Antrag Sloweniens vertritt ausschließlich egoistische Interessen", argumentiert Michael Blass, Chef des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie.

Gerald Grosz vom BZÖ stürzt der nahende "Würstel-Krieg" gar in eine Sinnkrise: "Die von Slowenien losgetretene Diskussion lässt erneut Zweifel an der EU-Tauglichkeit dieses Landes aufkommen!"

Österreichische Delikatessen im EU-Visier
Dass es nun auch der Käsekrainer an den Kragen gehen soll, überrascht wenig. Schließlich hatte die EU schon andere typisch österreichische Delikatessen im Visier. 2003 sollte ein "Marmelade"-Verbot eingeführt werden. Als Ersatz sollten "Konfitüre" und "Mus" herhalten.

Dann sollte der "Jagatee" vom rot-weiß-roten Markt genommen und durch den deutschen "Jägertee" ersetzt werden. Auch für die Fleisch-Kennzeichnung gab es Pläne: Auf den Etiketten sollte statt "Fleisch aus Österreich" "Fleisch aus der EU" stehen. Um das steirische Kernöl mussten wir 2004 zittern.

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