So, 17. Dezember 2017

Umstrittene Fotos

12.04.2012 14:26

Breivik-Anwälte inszenieren sich als Popstars

Die Lage ist ernst. Sehr ernst sogar. 77-facher Mord wird Anders Breivik vorgeworfen. Und es besteht kein Zweifel daran, dass er auch verurteilt wird. Seine Anwälte sehen den Prozess aber offenbar in erster Linie als Chance zur Selbstinszenierung. Jetzt posierten sie gar in Popstar-Manier für eine norwegische Bildagentur. Eine Grenzübertretung?

Cool sehen sie aus. Und doch irgendwie ernst und entschlossen. Die Farben sind gedeckt, die Designer-Anzüge sitzen, die Haare sind frech mit Gel verwuschelt. Ein schlichtes Ledersofa und eine Aktentasche dienen als Requisite (siehe nächstes Bild), alle Beteiligten sind perfekt ausgeleuchtet.

So präsentieren sich Geir Lippestad (von links), Vibeke Hein Baera, Tord Jordet und Odd Ivar Groen in einer Fotoserie der Agentur Scanpix. Die vier sind die Anwälte von Anders Breivik, dem Massenmörder von Oslo und Utöya. Ein ganzes Land hat der Rechtsextremist mit seinen Taten im Juli 2011 traumatisiert, zahlreiche Familien zerstört. Noch im April soll endlich der Prozess gegen ihn beginnen.

"Sie inszenieren sich als Helden"
Beobachter rätseln, was die Anwälte mit ihren Fotos bezwecken wollen. Geht es darum, die Öffentlichkeit zu beeinflussen oder die Gegner einzuschüchtern? Bringen sich die Rechtsvertreter bereits für ihre nächsten Karriereschritte in Position? Oder waren sie einfach nur gedankenlos?

In Norwegen regen sich jedenfalls bereits erste Proteste. Die Angehörigen der Opfer schweigen zwar noch, aber einzelne Köpfe des Landes wagen sich nach vorn. Die bekannte Anwältin Mette Larsen sieht einen "Bruch mit den norwegischen Traditionen" und auch für Kommunikations-Experte Hans Geelmuyden ist "eine Grenze überschritten worden".

In Dänemark wettert unterdessen die Zeitung "Berlingske Tidende": "Die Anwälte inszenieren sich als Helden, das ist unangemessen", und gibt zu bedenken: "Breivik hat gesagt, dass er keine Anwälte braucht, sondern PR-Leute, die ihm helfen, seine Botschaft zu verbreiten. Mit ihren Fotos haben sie schon ein Stück weit dazu beigetragen."

"Wir haben mit dem Aussehen der Bilder nichts zu tun"
Doch das Quartett wäscht seine Hände in Unschuld: "Wir sind Anwälte, keine Fotografen. Wir haben uns nach der Anfrage der Bildagentur einfach nur in das Studio gestellt, ernst geschaut und darauf gewartet, dass der Fotograf auf den Auslöser drückt", sagt Odd Ivar Groen. Dass das Ergebnis frappierend an Bandfotos oder die US-Gerichtsserie "Boston Legal" erinnert, habe ihn später selbst überrascht. Letztendlich "haben wir mit dem Aussehen der Bilder nichts zu tun. Aber wir haben ohnehin kein Problem damit, uns so den Medien zu präsentieren", fügt Lippestad hinzu.

Auch Fotograf Heiko Junge von der Agentur Scanpix kann die Aufregung nicht so recht verstehen. "Die vier sind selten gemeinsam zu sehen, deswegen wollten wir sie vor dem Prozess porträtieren." Dass das Quartett wie eine coole Band erscheint, sei in seinen Augen nicht schlimm. "Schließlich sind sie ja auch eine Gruppe, die zusammenspielt."

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