Sa, 18. November 2017

Strikter Sparkurs

12.04.2012 13:40

Jetzt offiziell: Sony kündigt Abbau von 10.000 Stellen an

Jetzt ist es offiziell: Im Zuge einer umfangreichen Umstrukturierung will Sony im laufenden Geschäftsjahr rund 10.000 Arbeitsplätze streichen. Das kündigte Unternehmenschef Kazuo Hirai am Donnerstag bei der Vorstellung seiner neuen Strategie an. Der Stellenabbau betreffe die gesamte Gruppe und schließe Mitarbeiter in Geschäftsbereichen ein, die verkauft werden sollen.

Walkman, CD, PlayStation: Der Name Sony stand einst für Innovation und coole Geräte. Es soll sogar der Musikgeschmack eines Sony-Chefs gewesen sein, der entschied, dass eine Musik-CD rund 80 Minuten läuft. Jetzt, mit einem Rekordverlust von umgerechnet knapp fünf Milliarden Euro und dem Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen, wirkt der einst gefürchtete Eroberer eher wie ein taumelnder Riese. Der neue Sony-Chef Hirai will aus Fehlern der Vergangenheit lernen und den zerstreuten Konzern endlich zu einer schlagkräftigen Einheit ballen. "Sony wird sich ändern", gab sich Hirai am Donnerstag dynamisch. Er kennt immerhin die Probleme - ob er sie auch lösen kann, bleibt abzuwarten. Die jüngste Geschichte macht jedenfalls nicht gerade Mut.

Strategische Fehler und interne Grabenkämpfe
Als die digitale Revolution anbrach, schien Sony alles zu haben, um die neue Welt zu beherrschen: Eine starke Position im Geschäft mit Unterhaltungselektronik wie Fernseher, eine loyale Kundschaft für seine Walkman-Marke, eigene Inhalte aus einem Musikkonzern und einem Hollywood-Studio plus PlayStation-Spielkonsolen und Mobiltelefone. Doch strategische Fehler und interne Grabenkämpfe ließen diesen scheinbaren Vorteil verpuffen. Die Elektronik-Sparte erlag der Versuchung, immer weiter die eingespielte Produktion von Röhrenfernsehern voranzutreiben, während die Konkurrenz in zukunftsträchtige Flachbildschirme investierte. Die Musik-Manager setzten drakonische Kopierschutz-Beschränkungen durch, die Verbraucher von Sonys Playern abschreckten.

Mit eigenen Formaten gescheitert
Immer wieder wollte der Konzern wie einst bei der CD eigene Formate durchsetzen. Das gelang zuletzt gerade einmal in einer Allianz mit anderen Herstellern bei der Blu-ray Disc, die im Kampf um die Nachfolge der DVD das Konkurrenzformat HD DVD ausbootete. Der Versuch, bei Musikformaten mit dem ATRAC-System einen Gegenpol zur allgegenwärtigen MP3 aufzubauen, schlug aber fehl. Ebenso scheiterten die MiniDisc als Nachfolger der Musikkassette, die kleine UMD-Scheibe als Medienträger für die tragbare Konsole PSP oder der Memory Stick als Alternative zu Flash-Speicherkarten. Diese Ambitionen, groß als Taktgeber bei Formaten abzuräumen, verschlangen nicht nur viel Geld. Sie machten viele Sony-Geräte auch inkompatibel mit der restlichen Technik in den Verbraucher-Haushalten.

Von Mitbewerbern überholt
Während die verschiedenen Sony-Bereiche viel mit sich selbst beschäftigt waren, eroberten neue Wettbewerber den Markt. Allen voran Apple, der im Gegensatz zu Sony nichts zu verlieren hatte. Erst mit dem iPod und iTunes, dann mit iPhone und iPad rollten die Kalifornier eine Branche nach der anderen auf. Jetzt verdichten sich Hinweise, dass Apple als nächstes mit einem eigenen Fernsehgerät auch ins Kerngeschäft von Sony vorpreschen will. Dort ist bereits der früher belächelte südkoreanische Konkurrent Samsung zu Hause, der einst wie Sony sein wollte und den Japanern heute Neidfalten auf die Stirn treiben dürfte. Samsung schaffte mit viel harter Arbeit und Innovation, was Sony nicht gelang: Gleichermaßen bei TV-Geräten und Smartphones erfolgreich zu sein.

Sony hält an Fernsehsparte fest
Sony-Chef Hirai kündigte am Donnerstag vor Medien an, das seit Jahren defizitäre Geschäft mit Fernsehern sanieren zu wollen. Durch eine Senkung der Fixkosten um 60 Prozent und eine Kürzung der Betriebskosten um 30 Prozent soll das TV-Geschäft im Geschäftsjahr 2013/2014 wieder Gewinne abwerfen. Damit hält der gebeutelte Konzern entgegen Analystenhoffnungen an seinem verlustträchtigen Geschäft mit Fernsehern fest, das unter der harten Konkurrenz vor allem koreanischer Rivalen wie Samsung und LG leidet. Die Neuausrichtung werde den Konzern im laufenden Geschäftsjahr umgerechnet 700 Millionen Euro kosten, heißt es.

Ehrgeiziges Ziel: Weltmarktführer bei Mobiltelefonen
Zudem will sich der schwankende Riese verstärkt auf Geschäftsfelder abseits der klassischen Unterhaltungselektronik ausrichten. Mit Medizintechnik wollen die Japaner bis 2014/15 knapp eine halbe Milliarde Euro einnehmen. Dafür wollen sie auch auf Einkaufstour gehen. Sony suche nach Übernahmemöglichkeiten auf dem Gebiet. Daneben wolle man das Geschäft in rasant wachsenden Ländern wie Indien und Mexiko weiter vorantreiben und zu guter Letzt noch Weltmarktführer bei Mobiltelefonen werden, so das ehrgeizige Ziel.

Salzburger Sony-Werke nicht von Abbau betroffen
Die zwei Werke von Sony DADC Austria im salzburgischen Anif und Thalgau sollen vom radikalen Stellenabbau übrigens nicht tangiert sein, wie Unternehmenssprecherin Christina Schobesberger am Donnerstag mitteilte (siehe Infobox).

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