Mi, 13. Dezember 2017

"Überhastete Reform"

10.04.2012 11:39

91 Prozent der Schüler zittern vor Zentralmatura

In zwei Jahren sollen sämtliche Achtklässler an Österreichs Allgemeinbildenden Höheren Schulen am selben Tag die gleiche Matura ablegen. Die Unsicherheit der Schüler ist enorm, wie aus einer Umfrage der Bundesschülervertretung unter 1.867 Teilnehmern der 5. und 6. Klasse AHS jetzt hervorgeht. Demnach fühlen sich 85 Prozent der Befragten auf die teilzentrale, kompetenzorientierte Reifeprüfung nicht gut vorbereitet, 91 Prozent haben sogar Angst vor der Zentralmatura.

Demnach gaben nur 25 Prozent der Befragten an, dass ihre Lehrer zumindest teilweise mit Materialien und Methoden arbeiten, die sie optimal auf die neue Matura vorbereiten würden. Besonders in Mathematik - laut Lehrergewerkschaft das Hauptsorgenkind der neuen Reifeprüfung - meldeten die Schüler Defizite: Knapp die Hälfte fühlt sich "nicht genügend" oder "ungenügend" vorbereitet, in Deutsch sind es rund 39 und in Englisch etwa 36 Prozent.

Generell glaubt nur die Hälfte der Befragten, dass die Lehrer wissen, was zu tun ist. In Kommentaren gaben einzelne Befragte an, ihre Lehrer wüssten nach Informationsveranstaltungen "noch weniger als zuvor" und tätigten eher "verwirrende als informative" Aussagen.

Argumente der Schülervertretung "in Zahlen gegossen"
Seit Monaten fordern Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter aufgrund mangelnder Vorbereitung eine Verschiebung der neuen Reifeprüfung, die nach jetzigem Stand der Planung 2013/14 an AHS und 2014/15 an Berufsbildenden Höheren Schulen starten soll. Unterrichtsministerin Claudia Schmied hält jedoch am Zeitplan fest. Bundesschulsprecherin Conny Kolmann von der VP-nahen Schülerunion sieht sich nun durch die Umfrageergebnisse darin bestätigt, dass an einer Verschiebung "kein Weg vorbei" führt. "Mit der Umfrage ist es uns gelungen, unsere Argumente in Zahlen zu gießen", so Kolmann am Dienstag.

"Überhastete Reform, alte Materialien, Informationsmangel"
Die Schüler seien "die Leidtragenden dieser überhasteten Reform", ihre Vertretung fordert unter anderem eine Adaptierung von Lehrplan und Leistungsbeurteilungsverordnung, Schulversuche zusätzlich zu Feldtests in Deutsch und Mathematik sowie mehr als zwei Wochen Vorbereitungszeit vor der mündlichen Matura. Noch härter trifft es Kandidaten, die schriftlich in einem Fach negativ beurteilt werden - sie "erfahren das erst eine Woche vor der mündlichen Prüfung", wetterte Kolmann.

Statt die Zentralmatura allen Schülern aufzuzwingen, solle laut der Bundesschulsprecherin Wahlfreiheit bestehen. "Die wenigen Klassen, die sich gut vorbereitet fühlen, sollen zum ersten Termin antreten dürfen", so Kolmann. "Alte Materialien und Informationsmangel sind aber bestimmt nicht die besten Voraussetzungen, um diesen wichtigen Lebensabschnitt abzuschließen." 87 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage unterstützen demnach die Forderungen der Schülervertreter.

Schülerunion: "Es ist an der Zeit, die Notbremse zu ziehen"
Die Österreichische Schülerunion begrüßte die Umfrage der Bundesschülervertretung. "Bisher wussten wir von den Schülern, dass sie Angst vor der neuen Matura haben. Die Auswertung der Befragung belegt unsere Meinung in Zahlen", kommentierte der Bundesobmann der Schülerunion, Jim Lefebre. Unterrichtsministerin Schmied habe die Kritik der Schulpartner stets ignoriert. "Es ist an der Zeit, die Notbremse zu ziehen", ergänzte Lefebre.

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