Mo, 18. Dezember 2017

Zank um Heeresforste

09.04.2012 08:49

Allentsteig: Auch Holzindustrie gegen Darabos' Pläne

Die Pläne von Verteidigungsminister Norbert Darabos, die Forstwirtschaft am Truppenübungsplatz Allentsteig an die Bundesforste zu übergeben, sorgen nun auch für Unmut bei der Waldviertler Holzindustrie. Diese fürchtet um die Existenz von rund 30 Sägewerken mit Hunderten Mitarbeitern. Das Ministerium argumentiert, dass mit der Auslagerung Einsparungen in Höhe von drei Millionen Euro erzielt werden könnten. Ein Vertreter der Holzindustrie zweifelt das allerdings an. "Das stimmt von hinten bis vorne nicht."

Die Heeresforste erwirtschaften mit dem Holzverkauf rund drei Millionen Euro, wie ein Mitglied der Fachgruppe Holz in der Wirtschaftskammer NÖ, das nicht namentlich genannt werden wollte, sagte. Darabos' Zahlen würden bedeuten, dass "die gesamte Leistung der Heeresforste eingespart wird". Das Zahlenwerk des Ministeriums sei "nicht nachvollziehbar".

Holz künftig empfindlich teurer?
Die Sorge der betroffenen Klein- und Mittelbetriebe ist, dass sich das Holz, das sie fast ausschließlich aus der Region beziehen, empfindlich verteuern wird. Die Interessensvertretung befürworte das Bestreben einer kostengünstigen Verwaltung, dies dürfe aber nicht zu einem weiteren "Rohstoffmonopol" führen. Man fordere daher, dass die wirtschaftliche Einheit Heeresforste als solche "unabhängig bleibt", so der Unternehmer.

Die Waldviertler Sägewerke "leben vom Regionalholz". Die Bundesforste verfolgen allerdings ein Unternehmenskonzept, das dem entgegenstehe und die regionalen Betriebe benachteilige. Sie verkaufen einerseits hauptsächlich an "Schlüsselkunden" und anderseits mit einem höheren Transportkostensatz.

Region bangt um Hunderte Arbeitsplätze
Außerdem würden die Bundesforste keine abgestimmten Sortimente, sondern den kompletten Anfall verkaufen, ungeachtet dessen, ob der Kunde alles verarbeiten kann, so der Kammer-Funktionär. Damit würden sich die Kosten für regionale Unternehmer massiv erhöhen.

Die Holzbetriebe haben zudem Sorge, dass sie das für sie sehr wichtige Langholz nicht mehr bekommen werden. Die Wirtschaft warnt daher vor dem Verlust von Hunderten Arbeitsplätzen in einer wirtschaftsschwachen Region.

Bauern bereiten Klage vor
Darabos hat mit seinen Plänen nicht nur die Holzindustrie gegen sich aufgebracht, sondern auch etwa 150 Bauernfamilien (siehe Infobox), die rund um den Truppenübungsplatz 2.300 Hektar vom Heer gepachtetes Land bewirtschaften. Sie befürchten, dass sich mit der Übernahme der Forst- und landwirtschaftlichen Verwaltung durch die Bundesforste die Pacht um das Mehrfache erhöhen würde bzw. sie ihre Felder ganz verlieren könnten.

Aus Ärger über das Vorgehen des Ministers bereiten die Landwirte eine Klage auf Restitution der Gründe, die ihren Vorfahren von den Nazis bei der Errichtung des Truppenübungsplatzes weggenommen wurden, vor.

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