Fr, 15. Dezember 2017

Polit-Farbklecks

07.04.2012 20:50

Maria Fekter - Eiserne Lady oder Lady Gaga?

Die einen lieben sie, den anderen geht sie fürchterlich auf die Nerven. Das gilt bei der ÖVP, in Österreich und seit einer Woche auch für ganz Europa. Als Finanzministerin hat es Maria Fekter längst zu Kult-Status gebracht. Diese Frau verstellt sich niemals. Meistens knallhart, hin und wieder auch völlig durchgeknallt. Aber zwischendurch überraschend herzlich.

Reue ist Fekters Sache nicht. "Natürlich gibt es Momente, in denen ich mir denke, das hätte ich mir jetzt sparen können", sagt sie, "aber ich war immer schon so."

Tatsächlich ranken sich bereits um ihre Schulzeit im Gmundner Gymnasium der Kreuzschwestern einige Geschichten um die damalige Maria Theresia Mayr, der heutigen Finanzministerin Fekter. Manche Lehrer soll sie mit ihrer Aufmüpfigkeit in die Verzweiflung getrieben haben. Sie beschreibt das so: "Ich war eine aktive Schülerin und eher temperamentvoll."

"Manchmal reiße ich mich zusammen"
Gute Vorsätze halfen der konservativen Katholikin damals ebenso wenig wie in den vergangenen Minister-Jahren. "Manchmal reiße ich mich zusammen. Das funktioniert dann auch – für einen halben Tag." Eine höllische Herausforderung jedenfalls für Gregor Schütze. Als Pressesprecher und Vertrauter von Maria Fekter müssen sämtliche Warnsysteme des 28-jährigen Juristen stets auf Stand-by geschaltet sein.

Angriffe von außen sind dabei gar nicht so sehr das Problem. Die Gefahr droht eher von innen, der Finanzministerin selbst. Denn Fekter spricht gerne flotten Klartext. Ein erfrischender Zug, der die immer öfter vermisste Transparenz in das politische Tagesgeschäft bringt. Kontrollierbar ist das kaum. Diese Frau lässt sich weder stoppen noch schützen. Auch nicht von einem Pressesprecher, der Schütze heißt und seiner Chefin loyal ergeben dient.

Euro-Schutzschirm zu früh ausgeplaudert
Vergangene Woche war es bekanntlich wieder einmal passiert. Fekter plauderte beim Treffen der Finanzminister in Kopenhagen die Einigung auf den 800-Milliarden-Euro-Schutzschirm vor sämtlichen TV-Stationen aus. Denn um Fekter scharen sich die Medien immer. Die Journalisten wissen, dass da etwas zu holen sein wird. Mit ihrem Auftritt kam Fekter allerdings dem einigermaßen eitlen Euro-Gruppen-Boss Jean-Claude Juncker zuvor und damit in die Quere. Prompt hagelte es böse Kritik von "Financial Times" bis "Wall Street Journal".

Auch die Anstandswächter der heimischen Medien echauffieren sich gehörig. Eine paradoxe Aufregung. Denn da wird einerseits – völlig zu Recht – ständig das Duckmäusertum österreichischer Politiker auf der Brüsseler Bühne beklagt. Zeigt andererseits die Finanzministerin Flagge, ist es den Schlaumeiern beim ORF und diversen Tugendblättern ebenso wenig recht.

Spezielles Gespür für besondere Show-Einlagen
Fekters Hinweis auf Junckers Nierensteine hat die kleine Affäre allerdings nicht unbedingt entschärft. Wie die Ministerin überhaupt ein spezielles Gespür für besondere Show-Einlagen mit Zugabe hat. Bereits beim Breslauer Finanzministertreffen im Herbst 2011 verwickelte sie sich in einen reichlich verunglückten Juden-Sager. Fekter zeigte aber, unter stillem Beifall ihrer europäischen Amtskollegen, auch keine Scheu, dem US-Finanzminister Geithner öffentlich die Leviten zu lesen. Und mit den diversen Macho-Sprüchen aus ihrer Karriere als Innenministerin ließe sich ohnehin eine fette Schwarzbuch-Schwarte machen.

Die Kritik an den ungestümen Ausritten perlt an ihr nicht einfach ab. "Verletzungen treffen einen immer wieder neu. Ich habe keine dickere Haut bekommen, nur weil ich das schon so lange mache", gesteht die Ministerin ein. Dabei hätte die einstige Unternehmerin und Tochter aus wohlhabendem Haus den aufreibenden Job gar nicht nötig. "Dass ich wirtschaftlich unabhängig bin, habe ich immer als Stärke empfunden. Ich fürchte mich vor keinem, ich bin an keinem Gängelband."

Farbklecks am Rande der Toleranzgrenze
Ohnehin ist Maria Fekter in der Grauen-Maus-Truppe dieser Regierung ein Farbklecks. Sicher oft am Rande der Toleranzgrenze. Jedoch für die ÖVP in ihrem derzeitigen Zustand der überlebensnötige Hingucker. Fekter verspricht auch: "Ich bin keine, die davonläuft, wenn es schwierig ist."

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