Sa, 16. Dezember 2017

Begnadigungsgesuch

06.04.2012 13:36

Neues Foto von Charles Manson veröffentlicht

Die US-Justiz hat ein neues Foto des seit mehr als 40 Jahren inhaftierten Sektenführers Charles Manson veröffentlicht. Das am Donnerstag von den Strafbehörden in Kalifornien herausgegebene Bild zeigt den 77-Jährige mit grauen Haaren und Vollbart. Das Foto wurde den Angaben zufolge bereits im Juni 2011 aufgenommen.

Der Anführer der berüchtigten "Manson Family" hatte 1969 seine Anhänger dazu angestiftet, sieben Menschen zu ermorden, darunter die hochschwangere Frau von Regisseur Roman Polanski, Sharon Tate. Die Bande wurde zunächst zum Tode verurteilt, Manson selbst wurde Verabredung zum Mord vorgeworfen. Nach Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien wurde die Strafe in lebenslänglich umgewandelt.

Am kommenden Mittwoch steht für Manson eine Anhörung zu einer möglichen Begnadigung an - eine Freilassung wurde bereits elf Mal abgelehnt. Der 77-Jährige hat angekündigt, nicht an der Anhörung teilzunehmen. "Er fühlt sich als Gefangener des politischen Systems", wird der zuständige Staatsanwalt Patrick Sequeria in US-Medien zitiert. Eine zwölfte Ablehnung ist so gut wie sicher.

Opfer grausam verstümmelt
Charles Manson wird als Nummer B33920 im kalifornischen Corcoran-Gefängnis geführt. Er war 36 Jahre alt, als am 29. März 1971 das Todesurteil gegen ihn und seine treuesten Anhänger für die Ermordung von Tate und sechs weiterer Menschen erging. Der Sektenführer hatte vier seiner Anhänger - drei Frauen und ein Mann - mit Bajonetten, Pistolen und Messern bewaffnet in die Villa von Tate geschickt. Grausam verstümmelt wurde die Leiche der 26-Jährigen am nächsten Morgen gefunden. Dutzende Male war auf sie und das ungeborene Baby eingestochen worden.

Auch der Starfriseur Jay Sebring und zwei weitere Freunde wurden ermordet. Im Garten lag die Leiche eines 18-Jährigen, der zufällig vorbeigekommen war. An die Wand schmierten die Mörder mit dem Blut der Schauspielerin das Wort "Pigs" (Schweine). Einen Tag später schlugen sie erneut zu und wüteten im Haus des Supermarktketten-Besitzers Leno LaBianca und seiner Frau Rosemary, die brutal ermordet wurden.

Am 15. Juni 1970 wurde der Prozess gegen Manson und seine "Girls" Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten eröffnet. Es war eines der teuersten und längsten Verfahren in der US-Kriminalgeschichte. 225 Tage wurden die Geschworenen von der Außenwelt abgeschirmt. Gebannt verfolgte die ganze Welt, mit welch dämonischer Macht ein Mann eine Gruppe weißer Bürgerkinder in kaltblütige Mörder verwandeln konnte.

Frühere Manson-Anhängerin als Kronzeugin
Über neun Monate zog sich der Prozess hin. Die wichtigste Rolle spielte die Kronzeugin und frühere Manson-Anhängerin Linda Kasabian, die in der Mordnacht Schmiere stand und die Bande chauffierte. Im Gegenzug für eine Bewährungsstrafe sagte sie gegen die Angeklagten aus. Manson selbst behauptete, nie getötet und niemanden dazu angestiftet zu haben. Tatsächlich war er bei den Bluttaten nicht dabei, doch Staatsanwalt Vincent Bugliosi stellte ihn als satanisches Monster und Drahtzieher dar, dem die Frauen wie "hirnlose Roboter" folgten.

Am Tag der Urteilsverlesung rasierten sich die angeklagten Frauen die Köpfe kahl. Keine beschuldigte den Anführer. Sie hielten loyal zu Manson, den sie als "Jesus Christus" verehrten. Manson-Kumpan David Watson, der in beiden Mordnächten zugeschlagen hatte, kam in Texas vor Gericht. Auch er wurde zum Tode verurteilt. Allen blieb jedoch die Hinrichtung erspart, die Urteile wurden in lebenslange Haft umgewandelt.

Susan Atkins stellte 13 Gnadengesuche, bevor sie 2009 im Alter von 61 Jahren im Gefängnis an Krebs starb. Patricia Krenwinkel (63) erhielt im Jänner 2011 ihre 13. Absage. Ihre Taten von damals würden sie jeden Tag verfolgen, sagte die grauhaarige Frau vor dem Begnadigungsausschuss. Leslie Van Houten (61) bat im Juli 2010 zum 19. Mal vergeblich um Gnade.

Manson wollte Rassenkrieg anzetteln
Manson, der durch die Morde einen Rassenkrieg zwischen Schwarzen und Weißen anstiften wollte, um am Ende selbst als Anführer aufzutrumpfen, zeigte nie Reue. In einem Fernsehinterview im Jahr 1987 bedauerte er, nicht Hunderte Menschen getötet zu haben. Zum Schutz von Erde und Natur müsste die Bevölkerung dezimiert werden. Manson lamentierte über Umweltverschmutzung, schmelzendes Polareis und den "sozialen Verfall".

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