Fr, 15. Dezember 2017

Waffengeschäfte

06.04.2012 07:11

25 Jahre Haft für Viktor Bout, den 'Händler des Todes'

Der russische Waffenhändler Viktor Bout muss 25 Jahre in Haft. Ein US-Gericht in New York verkündete am Donnerstag die Strafe für den als "Händler des Todes" bekannten früheren Sowjetoffizier. Die Staatsanwaltschaft hatte Lebenslang gefordert. Der 45-Jährige galt als einer der meistgesuchten Waffenhändler der Welt. Er hatte unter anderem ein umfangreiches Waffenarsenal an US-feindliche Guerillas in Kolumbien verkauft.

Bout war bereits im November schuldig gesprochen worden. Der wichtigste Vorwurf war, dass er Rebellen Boden-Luft-Raketen verkaufen wollte, mit denen amerikanische Flugzeuge abgeschossen werden können. Für drei andere Delikte, darunter die Verschwörung zur Tötung von Amerikanern, bekam er jeweils 15 Jahre. Die Strafen werden allerdings nicht zusammengerechnet, sondern gleichzeitig verbüßt. "25 Jahre sind genug", sagte Richterin Shira Scheindlin bei der Verkündung des Strafmaßes. Bei dem Verfahren in New York ging es nur um die Vorwürfe im Zusammenhang mit den Ermittlungen der US-Agenten, nicht um Bouts Geschäfte insgesamt.

Bout zu Schlussplädoyer: "Das ist eine Lüge!"
Bout nahm die Strafe mit einem trotzigen Blick auf, obwohl er die niedrigst mögliche Strafe für seine Vergehen bekommen hat. Bevor er abgeführt wurde, drehte er sich noch einmal zu seiner Familie um und rief: "Ich liebe euch. Auch wenn wir untergehen. Ein Krieger gibt nicht auf!" - ein Spruch der russischen Marine aus dem Krieg gegen Japan im Jahr 1905.

Als ihm vor der Verkündung des Strafmaßes das letzte Wort erteilt wurde, sagte er: "Ich bin nicht schuldig. Ich hatte nie vor, jemanden zu töten oder Waffen zu verkaufen." Als der Staatsanwalt sein Schlussplädoyer vortrug, brüllte Bout: "Das ist eine Lüge!"

"Die Menschen waren ihm egal. Er war skrupellos"
Das sahen die Vereinten Nationen ganz anders, die ihn in UN-Resolutionen namentlich verurteilt hatten. Auch international jagte die Polizei den Mann, der Grundlage für den Hollywoodfilm "Lord of War - Händler des Todes" mit Nicolas Cage war. "Sie waren ein weltbekannter Waffenhändler, der die schlimmsten Regime der Welt versorgt hat", sagte Richterin Scheindlin bei der Urteilsbegründung.

Die blutigen Konflikte im Kongo, in Ruanda, Sierra Leone, Angola und anderen Ländern habe er mit Waffen versorgt, dank seiner Kontakte, die der frühere Sowjetoffizier in seiner Dienstzeit in Afrika hatte. Der Russe soll neben den Krisengebieten in Afrika, Südamerika, dem Nahen Osten und Asien auch in Afghanistan über Jahre Kriegsparteien mit Waffen versorgt haben, ebenso wie islamistische Terrorgruppen. Bout beherrscht angeblich sechs Fremdsprachen und verfügte über verschiedene Tarnidentitäten.

"Es ging Herrn Bout ja nicht primär darum, Menschen zu töten. Es ging ihm ums Geld. Die Menschen waren ihm einfach egal. Er war skrupellos", so die Richterin.

Agenten lockten ihn zum verhängnisvollen "letzten Deal"
Bout war 2008 in Thailand festgenommen und später an die USA ausgeliefert worden. Er hatte sich eigentlich schon zur Ruhe gesetzt. Ein Multimillionen-Deal lockte ihn aber noch einmal aus seiner Villa in der Nähe von Moskau. Seine "Kunden", angebliche kolumbianische FARC-Rebellen, waren allerdings amerikanische Bundesagenten. Die Männer saßen im Publikum, nur Meter von Bouts Frau entfernt. Bout drehte sich nach der Urteilsverkündung zu den Agenten um, zeigte mit dem Finger auf sie und rief: "Gott weiß, dass ich Recht habe. Sie müssen mit dieser Wahrheit leben. Mag Gott Ihnen verzeihen!"

Russland kritisiert Urteil, Ehefrau verbucht es als Sieg für Bout
Moskau kritisierte das Urteil als "unbegründet und parteiisch". Die US-Justiz habe einen klaren politischen Auftrag gehabt und sei voreingenommen gegen Bout gewesen, teilte das Außenministerium in Moskau am Freitag mit. Russland werde mit allen legalen Mitteln versuchen, Bout in die Heimat zu holen.

Bouts Ehefrau bezeichnete das Urteil dagegen als Sieg für ihren Mann. Es sei eine Bankrotterklärung der Anklage, dass er lediglich zur Mindeststrafe verurteilt worden sei, sagte Alla Bout.

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