So, 17. Dezember 2017

Die Mischung macht's

05.04.2012 11:47

Karaoke und Zombies in "Yakuza Dead Souls"

Sie haben Bandenkriege, Mordanschläge, Entführungen und Verrat überlebt. Nun stehen die mehr oder minder ehrenwerten Herrschaften aus Segas "Yakuza"-Reihe ihrer bislang größten Herausforderung gegenüber: Karaoke und Untoten.

Neben "Grand Theft Auto" war Segas "Yakuza"-Serie in Europa bisher lediglich eine Randnotiz. Der fernöstliche Einschlag, garniert mit den vielen Dialogen und einer komplexen Geschichte inklusive mehrerer Handlungsstränge, entsprach offenbar nicht ganz dem hiesigen Geschmack. In Japan wurden die Geschichten um den Ex-Yakuza Kazuma Kiryu hingegen zum Bestseller. Der fehlenden Publikumsgunst hierzulande wollen die Entwickler nun offenbar mit einem besonderen Kniff den Kampf ansagen. Und was läge da wohl näher, als das bisherige Spielkonzept um ein ein paar schlurfende, röchelnde und nach frischem Menschenfleisch lechzende Zombies anzureichern? Eben.

Am Anfang der gewagten Kombination aus Yakuza und Untoten steht eine Entführung, die Kazuma Kiryu zur Rückkehr in die Stadt Kamurocho zwingt. Dort herrscht bereits der Ausnahmezustand: Immer mehr Einwohner verwandeln sich in mordlüsterne Monster. Alle Versuche der Ground Self-Defense Force, der Lage wieder Herr zu werden, scheiterten - und so müssen die vier Hauptcharaktere, in deren Rolle man abwechselnd schlüpft, die Aufräumarbeiten übernehmen.

Als Erster darf Shun Akiyama ran. Von den Geschehnissen überrascht, trifft er unvermutet auf die ersten Zombies. Diese zunächst noch zaghaften Begegnungen dienen der Einführung, um sich mit den Eigenheiten der Steuerung vertraut zu machen. Denn im Gegensatz zu den Vorgängern stehen nicht zünftige Prügeleien, sondern der exzessive Gebrauch von Schusswaffen im Vordergrund. Herumliegende Gegenstände dürfen zwar nach wie vor den Zombies genüsslich übergezogen werden, die Auswirkungen halten sich jedoch zumeist in Grenzen.

Auch das Schießen verfehlt mitunter im wahrsten Sinne des Wortes seine Wirkung, wurde die Steuerung für das Zielen doch leider nicht optimal umgesetzt. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich zwar daran, wirklich glücklich wird damit jedoch auch später nicht. Hinzu kommt eine nicht immer tadellos funktionierende Kameraführung, was zu einer fehlenden Übersicht und letzten Endes zu Frust führt.

Trifft man im Getümmel aber doch, zerplatzen die Köpfe der Untoten wie reife Melonen und das virtuelle Blut fließt in bester Splatter-Manier gleich literweise in Rinnsalen den Boden entlang. Mit jedem niedergestreckten Zombie steigt zudem der Erfahrungslevel, wodurch die Charaktere nach und nach zusätzliche Fähigkeiten erlangen und ihre Ausrüstung mit Gegenständen komplettieren, die die Untoten zurückgelassen haben.

Obwohl die Quarantäne-Zone zwar stetig wächst, umfasst sie nicht die ganze Stadt. Außerhalb der betroffenen Gebiete läuft das Leben scheinbar unvermindert weiter: Wer es gemächlich mag, geht in einem der Restaurants schick Essen, versucht sich im Glücksspiel oder an einem der anderen Minispiele, etwa Bowling. In diesem Aspekt ähnelt "Yakuza Dead Souls" stark seinen Vorgängern, und genau wie dort läuft man auch hier schnell Gefahr, das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren und sich eine Zeit lang einfach nur zu amüsieren. Dem Haupthandlungsstrang zu folgen, ist schließlich nur eine von vielen Optionen.

Grafisch hat sich im Vergleich zu "Yakuza 4" leider kaum etwas getan. Das ist insofern bitter, da der Vorgänger zum damaligen Zeitpunkt schon sehr angegraut wirkte. Übrig bleibt eine solide Darstellung, die aber bei Weitem nicht an das Niveau anderer vergleichbarer Titel heranreicht. Auch der Story gelingt es nicht, die gewohnte Tiefe zu entfalten. Für all jene, denen eher daran gelegen ist, auf Zombiejagd zu gehen, anstatt in die Feinheiten der Yakuza-Clans und ihrer Intrigen einzutauchen, ist dies jedoch nicht unbedingt ein Nachteil.

Fazit: "Yakuza: Dead Souls" weckt Erwartungen, die es schlussendlich nicht ganz erfüllen kann. Die gewagte Vermengung von Zombie-Shooter und den typischen Yakuza-Spielelementen scheitert primär an der nicht gelungenen Umsetzung der Steuerung. Die Story und die bekannte, lebendige Yakuza-Umgebung sorgen zwar nach wie vor für vergnügliche Stunden, getrübt werden diese jedoch von der nicht mehr zeitgemäßen Optik. Alles in allem wirkt "Yakuza: Dead Souls" wie ein etwas bizarrer Versuch, aus einer vorhandenen Spiel-Engine noch ein letztes Quäntchen Ertrag herauszuholen. Der Spielspaß bleibt dabei aber leider teilweise auf der Strecke.

Plattform: PS3
Publisher: Sega
krone.at- Wertung: 7/10

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