Di, 12. Dezember 2017

Bessere Integration

03.04.2012 13:10

Kurz forciert Hausbesuche bei Migrantenfamilien

Ein spezielles Hausbesuchsprogramm zur Förderung der Integration, das in den letzten Jahren bereits im Wiener Bezirk Meidling erfolgreich getestet wurde, wird nun von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz ausgeweitet. An 18 zusätzlichen Standorten werden in Zukunft geschulte Helfer Migrantenfamilien mit drei- bis sechsjährigen Kindern besuchen, um vor allem Deutschkenntnisse zu vermitteln. Die bisherigen Erfolge sprechen klar für das Projekt.

Das Konzept wurde in den 1970er-Jahren in Israel entwickelt und hat mittlerweile Nachahmer etwa in den USA, Kanada, Neuseeland, Dänemark und in der Schweiz gefunden. Für das Projekt spricht dabei vor allem eine Langzeitstudie in Nürnberg: Während die Schulabbrecherquote in der deutschen Stadt bei insgesamt 20 Prozent lag, sank sie bei den durch Hausbesucher betreuten Familien auf sieben Prozent. 98 Prozent der betreuten Kinder schafften den Schuleintritt, 35 Prozent kamen sogar bis zur Matura.

Messbare Fortschritte nach vier Wochen
In Wien-Meidling besteht das Programm seit 2007 und wurde im letzten Jahr evaluiert. Mit speziellen Spiel- und Lernmaterialien besuchen Betreuer, die selbst aus der jeweiligen Community stammen, einmal wöchentlich Familien mit Kindern im Vorschulalter.

In Meidling handelte es sich dabei zum überwiegenden Teil um aus der Türkei stammende Menschen. Dabei zeigten sich schon nach wenigen Wochen messbare Fortschritte: Vier von fünf Kindern erzielten Lernerfolge. Zusätzlich begannen die Mütter, in Alltagssituationen Deutsch zu sprechen, obwohl sie sich zuvor fast ausschließlich in ihrer Muttersprache verständigt hatten.

"Der Erfolg führt über die deutsche Sprache"
Mit dem Projekt will das Staatssekretariat für Integration vor allem das Bildungsbewusstsein bei Eltern und Kindern noch vor Schuleintritt erhöhen und diesen damit erleichtern. "Es ist sicher nicht die Formel, mit der alle Integrationsprobleme gelöst werden", erklärte ein Sprecher gegenüber krone.at. Es sei aber "ein weiteres Mosaiksteinchen" auf dem Weg zu einer besseren Integration.

Dies sieht auch Staatssekretär Kurz so: "Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir das Integrationsthema nur über die Jungen gewinnen können. Über diese erreichen wir auch die Eltern. Und der Erfolg führt über die deutsche Sprache."

Projekt wird auf Österreich ausgeweitet
In Zusammenarbeit mit den Vereinen alpha nova, Mensch.Leben, Beratungsgruppe und Katholisches Bildungswerk Kärnten wird das Projekt nun auf Standorte in Niederösterreich, Salzburg, Tirol, Kärnten und Steiermark ausgeweitet. In Wien wird es in Zukunft auch Hausbesuche im 15., 16., 21. und 22. Bezirk geben. Die Kosten werden vom Staatssekretariat mit 300.000 Euro angegeben.

Lob von den Grünen, Kritik der FPÖ
Positiv kommentierten am Dienstag die Grünen das Projekt. Die "Community" als Multiplikatoren in die Integrationsarbeit einzubinden, sei einer ihrer Vorschläge schon beim ersten Treffen mit Kurz im Vorjahr gewesen, erklärte Integrationssprecherin Alev Korun. "Das scheint er inzwischen so zu sehen wie ich."

Die FPÖ hält die Hausbesuche hingegen für einen "Kurz-Schluss". "So werden 300.000 Euro wieder einmal sinnlos in Integrationsprojekte vergeudet, die keinerlei Aussicht auf Erfolg haben", so Harald Vilimsky, der darauf verwies, dass die Situation in Österreich nicht mit jener in den USA oder Israel vergleichbar sei, da sich dort der Großteil der Menschen integrieren wolle.

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