Fr, 15. Dezember 2017

Ohne tödlich zu sein

02.04.2012 16:28

Gift des Knollenblätterpilzes stoppt Krebszellen

Wissenschaftlern im Deutschen Krebsforschungszentrum ist ein interessanter Durchbruch gelungen: Sie koppelten das Knollenblätterpilzgift Amanitin an einen Antikörper, der ein für Krebs typisches Zielmolekül erkennt. Der Antikörper wirkt als Lenkwaffe, die ihre giftige Fracht gezielt zu den Krebszellen transportiert. Der giftbeladene Antikörper ließ laut einer Aussendung bei Mäusen die gefürchteten Bauchspeicheldrüsentumoren vollständig verschwinden, ohne die Tiere zu töten.

Der dem Parasol ähnelnde Knollenblätterpilz enthält eines der tödlichsten Gifte des Pflanzenreichs, Amanitin. Die Substanz tötet ausnahmslos jede Zelle, ob gesund oder zu Krebs entartet. Im Deutschen Krebsforschungszentrum entwickelte der Immunologe Gerhard Moldenhauer gemeinsam mit dem Biochemiker Heinz Faulstich eine Methode, um mit dem gefürchteten Pilzgift Krebszellen zu vernichten, ohne den Körper zu schädigen.

Der Trick dabei sei, das Gift gezielt in den Tumorzellen abzuliefern. Das Vehikel dazu sei in diesem Fall ein Antikörper, dessen hochspezifische Greifarme am krebstypischen Zelloberflächenprotein EpCAM andocken. Das Pilzgift sei chemisch stabil an den Antikörper gekoppelt.

Bei Mäusen, denen Bauchspeicheldrüsenkrebs des Menschen eingepflanzt worden war, habe schon eine einmalige Antikörpergabe das Krebswachstum gehemmt, so das Krebsforschungszentrum. Die zweimalige Injektion des Antikörpers in höherer Dosierung habe bei 90 Prozent der Tiere den Tumor sogar ganz verschwinden lassen. Trotz der hohen Dosierung hätten die Tiere keinerlei Leber- oder sonstige Organschäden gezeigt, die auf das Gift zurückzuführen wären.

Krebstypisches Protein als Zielobjekt
EpCAM, das die Heidelberger Immunologen als Erkennungsstruktur der Tumorzellen ausgewählt haben, ist ein charakteristisches Membranprotein von Epithelzellen. Dieser Zelltyp kleidet alle inneren und äußeren Grenzflächen des Körpers aus. Die meisten bösartigen Tumoren entstehen aus solchen Epithelgeweben. Sehr viele Tumoren, etwa Bauchspeicheldrüsenkrebs, Brust- und Eierstockkrebs, Gallengangskarzinome oder Kopf/Hals-Tumoren, bilden EpCAM im Übermaß - was häufig mit einer besonders schlechten Prognose der Erkrankung einhergeht. Daher gilt EpCAM als geeignete Zielstruktur, um Tumorzellen anzugreifen.

"Behandlungen mit ungekoppelten Antikörpern gegen EpCAM wurden bereits klinisch erprobt. Sie sollten den Krebs allein mit den Waffen des Immunsystems attackieren, haben sich aber als klinisch unwirksam erwiesen", erklärte Gerhard Moldenhauer. "Unser Amanitin-gekoppelter Antikörper hat dagegen ein weitaus höheres Potenzial, Krebszellen zu vernichten."

Gift wirkt im Inneren der Zelle
An jeden Antikörper sind etwa vier bis acht Giftmoleküle gekoppelt. Amanitin gilt als besonders geeignet. Es ist so klein, dass es von den Immunzellen nicht als fremd erkannt wird, andererseits aber auch robust genug, um es gut chemisch koppeln zu können. Moldenhauer: "Die Krebszelle muss das Zielmolekül mitsamt dem angedockten Antikörper regelmäßig ins Zellinnere holen, denn nur dort kann das Gift wirken. Im Zellinneren muss sich das Gift vom Antikörper lösen, sonst ist es nicht wirksam."

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Für den Newsletter anmelden