Do, 24. Mai 2018

Gefahr gebannt

31.03.2012 14:46

Flamme über Gasplattform ist endlich erloschen

Etappensieg im Kampf gegen das Gasleck in der Nordsee: Die Flamme über der havarierten Förderplattform "Elgin" des Energiekonzerns Total ist erloschen. Sie sei von alleine ausgegangen, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Samstag. Das Feuer wäre vor allem dann gefährlich geworden, wenn der Wind in eine andere Richtung gedreht und das ausströmende Gas zur Flamme getrieben hätte.

Erste Anzeichen für ein Erlöschen der Flamme seien bereits am Freitag bei Überwachungsflügen festgestellt worden, ergänzte der Total-Sprecher. Dies hätten am Samstag Besatzungen von Schiffen, die sich am Rande der Zwei-Meilen-Sperrzone befinden, bestätigt. Auch Aufnahmen von Total mit einer Wärmebildkamera zeigen, dass die Fackel erloschen ist.

Mit der Flamme an der Spitze der Plattform war überschüssiges Gas in den Rohrleitungssystemen und Tanks der Plattform abgefackelt worden, um den Druck aus den Rohren zu nehmen. Die Plattform war am Sonntag vergangener Woche evakuiert worden, nachdem ein Gasleck entdeckt worden war. 238 Arbeiter wurden in Sicherheit gebracht. Das Leck befindet sich nach Angaben des Unternehmens etwa 25 Meter über der Wasseroberfläche. Täglich strömen 200.000 Kubikmeter Gas aus einem 4.000 Meter unter dem Meeresgrund liegenden Reservoir. Die Menge entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von 1.000 Einfamilienhäusern.

Total will Plattform betreten, Experte rät dringend ab
Die Experten des Konzerns wollen nun darüber beraten, ob und wann die Plattform vor der schottischen Küste betreten werden kann. Eine Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen, sagte der Sprecher. Zumindest nach Einschätzung des Freiberger Forschers Mohammed Amro können wegen des Gasaustritts derzeit keine Menschen auf der Plattform arbeiten. Daran ändere auch das Verlöschen der Gasflamme nichts, sagte der Experte für Geoströmungs-, Förder- und Speichertechnik der Freiberger Bergakademie. Deshalb gelte es, den Störfall aus der Ferne in den Griff zu bekommen.

Total wusste bereits seit einem Monat vom Leck
Total hatte am vergangenen Sonntag erstmals über das Leck berichtet, rund einen Monat, nachdem die Probleme an der Bohrung den Verantwortlichen auf der Plattform selbst bekanntgeworden waren. Bereits am 25. Februar seien dort Druckschwankungen gemessen worden, sagte Management-Direktor Philippe Guys. Der Grund sei derzeit ungewiss. "Zurzeit gibt es keine Anzeichen für menschliches Versagen."

Die Arbeiter auf der Plattform hätten versucht, die Druckschwankungen mit dem Einpressen von Schlamm auszugleichen. Am 25. März schließlich sei der Schlamm wieder aus dem Kopf der Bohrung geschossen, gefolgt von Gas. "Wir haben einen plötzlichen Druckanstieg beobachtet", so Guys. Das Gas komme aus einem Reservoir in 4.000 Metern Tiefe, das eigentlich gar nicht für die Förderung vorgesehen war. Das eigentliche Förderreservoir liegt 5.500 Meter unter dem Meeresgrund.

Enormer Gasteppich auf dem Meer
Das Gesamtgewicht eines Teppichs aus Gaskondensat, das nun auf dem Meer in einer Ausdehnung von 22 Kilometern Länge und 4,5 Kilometern Breite schwimmt, gab die britische Regierung am Freitag mit 3,8 Tonnen an - etwa die Füllung eines Tanklastwagens. Gaskondensat entsteht, wenn in dem geförderten Erdgas aus der Tiefe noch weitere Kohlenwasserstoffe vorhanden sind, erklärte Jürgen Messner, Erdölgeologe an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover.

Unter den Druck- und Temperaturverhältnissen an der Meeresoberfläche sind diese Substanzen (unter anderem der Kohlenwasserstoff Pentan und ähnliche Verbindungen) flüssig. Gaskondensate sind kein Abfallprodukt, sie werden aus vielen Lagerstätten gezielt gewonnen und weiterverarbeitet.

Greenpeace überprüft Total-Angaben
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace will sich nach eigenen Angaben vor Ort ein Bild über die Schädlichkeit des ausströmenden Gases machen. Die Organisation übte Kritik an der mangelhaften Informationspolitik des Energieriesen Total. Experten würden Luftmessungen an der Unglücksstelle vornehmen, um die Belastung der Umwelt zu dokumentieren. Mit einer Infrarotkamera soll überdies versucht werden, die Austrittsstelle des Gases festzustellen, um die Angaben von Total zu überprüfen. Zusätzlich sollen Proben genommen werden. Bereits durch den alltäglichen Förderbetrieb verseuche die Öl- und Gasindustrie die Nordsee mit jährlich etwa 10.000 Tonnen Öl im Produktionswasser.

Weiters sprach sich Greenpeace dafür aus, besonders sensible Regionen der Welt von der Öl- und Gasförderung generell auszusparen. Die Tendenz der Industrie gehe dahin, immer weiter nördlich bis in die Arktis hinein zu bohren, sagte Greenpeace-Sprecher Jörg Feddern. Dies bedeute, dass die Vorhaben auch immer gefährlicher würden.

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