Mo, 19. Februar 2018

Nach Trayvons Tod

29.03.2012 16:29

Rede mit Kapuze: US-Abgeordneter fasst Rüge aus

Ein US-Abgeordneter ist am Mittwoch gerügt worden, weil er zum Gedenken an den Ende Februar in Florida erschossenen schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin bei einer Rede eine Kapuzenjacke und eine Sonnenbrille trug. Der unbewaffnete Martin hatte selbst einen Kapuzenpullover getragen, als er getötet wurde. Mittlerweile ist ein Video aufgetaucht, das den Todesschützen schwer belastet. Dieser hatte behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben.

Zur Begründung der Parlamentsrüge hieß es, der Demokrat Bobby Rush aus Illinois verletze mit der Kapuze über dem Kopf und der Brille die Kleidungsvorschriften - sollte er diese nicht beachten, müsse er das Parlament verlassen. Rush kritisierte im Repräsentantenhaus Gewalt aus rassistischen Motiven. "Zu oft wird auf den Straßen unseres Landes solche Gewalt angewendet, die zum Tod Trayvon Martins führte", beklagte er.

TV-Star sieht Schuld bei Kapuzenpullover
Der US-Talkshow-Moderator Geraldo Rivera hatte zuvor für einen öffentlichen Aufschrei gesorgt, als er in einem Fernsehinterview meinte, das Tragen eines Kapuzenpullovers hätte ebenso zu Martins Tod beigetragen wie der Schütze George Zimmerman.

Er sei bereit, Geld darauf zu wetten, dass der 17-Jährige heute noch am Leben wäre, wenn er in der Nacht seines Todes keinen Kapuzenpullover getragen hätte, so Rivera. Die auch "Hoodies" genannten Kapuzenpullover gelten für viele US-Amerikaner als Synonym für Jugendkriminalität und Bandentum.

Rassismus-Debatte
Martin war am 26. Februar während eines Abendspaziergangs in der Stadt Sanford von dem 28-jährigen Zimmerman, einem Weißen mit hispanischen Wurzeln, erschossen worden. Der Jugendliche war unbewaffnet und befand sich auf dem Weg zur Wohnung der Verlobten seines Vaters, Zimmerman befand sich als Mitglied einer Bürgerwehr auf privater Patrouille. Der Schütze gab an, in Notwehr auf Schläge Martins reagiert zu haben.

Diese Aussage wird aber immer mehr bezweifelt - nicht zuletzt, weil nun ein Überwachungsvideo aufgetaucht ist. Auf ihm ist der Schütze zu sehen, als er am Abend des Vorfalls in Handschellen in der Garage der Polizeistation aus dem Streifenwagen steigt. Dabei sind keine Anzeichen für eine schwerere Verletzung des 28-Jährigen zu sehen. Den Faustschlag des Teenagers scheint es so also nicht gegeben zu haben.

"Stand Your Ground"-Gesetz
Die Polizei schenkte den Angaben Zimmermans jedoch Glauben, gegen ihn wurde auch keine Anklage erhoben. Dabei berief sich die Polizei auf das "Stand Your Ground"-Gesetz (Weiche nicht zurück), das den Menschen in Florida - und auch in einigen anderen US-Staaten - ein besonders weitgehendes Recht auf Selbstverteidigung einräumt. Das Justizministerium leitete inzwischen aber Ermittlungen ein. Zimmerman soll den Burschen in einem Anruf bei der Polizei kurz vor der Tat mit einem rassistischen Schimpfwort bedacht haben.

"Kopfgeld" auf Schützen ausgesetzt
Letztes Wochenende demonstrierten in zahlreichen US-Städten Tausende Amerikaner für Gerechtigkeit und gegen Rassismus. Bei den Protestaktionen unter anderem in Washington, New York, Chicago und Tampa waren viele Teilnehmer mit Kapuzen-Sweatshirts bekleidet (siehe auch Infobox). Eine schwarze Separatisten-Gruppe, die New Black Panther Party, setzte gar ein "Kopfgeld" in Höhe von 10.000 Dollar für die "Gefangennahme" Zimmermans aus.

Obama: "Mein Sohn würde aussehen wie Trayvon"
US-Präsident Barack Obama forderte eine lückenlose Aufklärung des Todes des Teenagers. Mit Blick auf die wieder aufgeflammte Debatte um unterschwelligen Rassismus in Teilen der US-Gesellschaft, forderte Obama, dass sich die USA einer "Gewissensprüfung" unterziehen müssten. "Wenn ich einen Sohn hätte, würde er aussehen wie Trayvon", sagte Obama.

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