Sa, 24. Februar 2018

Bei Mexiko-Besuch

25.03.2012 15:21

Scharfe Kritik von Missbrauchsopfern an Papst

Opfer von sexuellem Missbrauch in Mexiko haben schwere Vorwürfe gegen den Papst erhoben. Benedikt XVI. habe in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan die Aufklärung des Missbrauchsskandals um den inzwischen verstorbenen Gründer des Ordens der Legionäre Christi, Marcial Maciel, behindert, heißt es in einem Manifest, das die Opfer am Samstag aus Anlass des Papst-Besuches in Mexiko veröffentlichten.

Eines der Opfer, Jose Barba, beklagte in der Videobotschaft, dass die Betroffenen über Jahre nicht gehört worden seien. Außerdem wurde kritisiert, dass das Thema auch bei dem derzeitigen Besuch des Papstes nicht zur Sprache kommt. Treffen des 84-Jährigen mit Opfern pädophiler katholischer Priester wie in den USA oder Irland waren in Mexiko nicht geplant.

Dem Mexikaner Maciel (1920 - 2008) wurde seit 1997 öffentlich vorgeworfen, junge Seminaristen missbraucht zu haben. 2006 maßregelte der Vatikan den Geistlichen und verpflichtete ihn zu einem zurückgezogenen Leben in Gebet und Buße. Mit Rücksicht auf sein Alter und seinen schlechten Gesundheitszustand verzichtete die Glaubenskongregation auf ein kirchenrechtliches Strafverfahren. Später bestätigten sich Vorwürfe, dass Maciel ein Doppelleben geführt und mehrere Kinder gezeugt hatte. Im Mai 2010 attestierte der Vatikan Maciel ein "objektiv unmoralisches Verhalten". Der Orden distanzierte sich von seinem Gründer.

Vatikan weist Vorwürfe zurück
Vatikan-Sprecher Federico Lombardi hat am Sonntag die jüngsten Vorwürfe der mexikanischen Missbrauchsopfer zurückgewiesen. Weder der heutige Papst noch sein Vorgänger Johannes Paul II. hätten vor 1998 vom Doppelleben des Ordensgründers gewusst. Es sei deshalb ungerecht, Benedikt als einen Papst zu bezeichnen, der gegen Wahrheit und Transparenz sei.

Lombardi stellte klar, dass es im Vorfeld der Mexiko-Reise keine Anregungen und Planungen für ein Treffen mit möglichen Missbrauchsopfern gegeben habe. Zugleich kritisierte er eine gewisse "Doppeldeutigkeit" der Maciel-Opfer in dieser Frage: "Man sagte, dass man den Papst treffen wolle, wollte ihm aber nicht ehrlich zuhören." In Ländern, wo es früher solche Treffen gegeben habe, hätten die Bischöfe im Vorfeld darum gebeten und es hätte Vorbereitungen gegeben. Solche Begegnungen seien in einen Dialogprozess eingebettet gewesen, in den die Kirche einbezogen war und die Opfer betreute.

Treffen mit Präsident Calderon
Der Papst feierte am Samstag im zentralmexikanischen Leon zunächst eine private Messe, bevor er zu einem weiteren Treffen mit Staatschef Felipe Calderon in Guanajuato aufbrach. Dort, in der Hauptstadt des gleichnamigen Teilstaats, wurde er von Calderon und dessen Ehefrau empfangen. Wie schon am Vortag in Leon wurde der Papst auch in der von spanischer Kolonialarchitektur geprägten Stadt von Tausenden Menschen stürmisch begrüßt, die sich in den engen Straßen der alten Silberminenstadt drängten. Von den Balkonen der Häuser ließen die Menschen Lametta auf die Papstkolonne niederregnen. Am Sonntag feierte der Papst dann am Fuße einer imposanten Christus-Statue eine Messe unter freiem Himmel.

Vor Besuch Kritik an Kuba
Schon vor seinem Besuch im kommunistischen Kuba ab Montag übte Benedikt Kritik am dortigen Gesellschaftsmodell: "Es ist heute offensichtlich, dass die marxistische Ideologie, wie sie einst formuliert wurde, keine Antworten mehr auf die Fragen der Gegenwart gibt." Es gelte nun, in einem "konstruktiven Dialog" nach "neuen Modellen" zu suchen. Das Kirchenoberhaupt wird während seines dreitägigen Besuchs nicht mit kubanischen Dissidenten zusammentreffen. Im Vorfeld betonte er jedoch, die Kirche stehe immer auf der Seite von Religions- und Gewissensfreiheit und werde auch in diesem Sinne handeln.

Nach Jahren der Feindschaft hat die Regierung von Präsident Raul Castro, des Bruders von Revolutionsführers Fidel Castro, ein Interesse daran, die Kirche als Verbündeten zu gewinnen. Die Kirche hat auf Kuba zwar viel von ihrer einstigen Stärke verloren, trotzdem ist die Staatsführung auf sie angewiesen. Denn auch nach Jahren der Unterdrückung ist sie die einflussreichste gesellschaftliche Kraft neben der Regierung.

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