Do, 22. Februar 2018

krone.at-Interview

23.03.2012 11:00

Siebenhandl: 'Victor Valdes ist auch nur 1,83 Meter groß'

Er ist mit 1,83 Metern für einen Tormann recht klein geraten - und doch einer der Dominantesten in den heimischen Strafräumen zwischen Wien und Innsbruck: Jörg Siebenhandl, Goalie des SC Wiener Neustadt. Mit krone.at spricht der Fan des Barca-Tormanns Victor Valdes über seine bisherige Traumsaison, seine Gelüste nach der spanischen oder deutschen Liga und das Vertrauen in seine Fähigkeiten als Goalie, dass, wenn seine im Moment selten treffenden Kollegen ein Tor erzielen, auch Punkte eingefahren werden können.

krone.at: Als Abstiegskandidat Nummer eins in die Saison gestartet, inzwischen relativ weit weg vom Abstiegsplatz, selber ein unumstrittener Stammspieler – wie zufrieden ist Jörg Siebenhandl mit der laufenden Spielzeit hier in Wiener Neustadt?
Jörg Siebenhandl: Wenn man von den Erwartungen der Experten vor dem Saisonstart ausgeht, dann sind wir jedenfalls sehr zufrieden. Wir haben gezeigt, dass wir absolut kein Abstiegskandidat sind. Okay, jetzt hapert's ein bisschen mit den Toren, aber im Herbst haben wir super gespielt, und jetzt im Frühjahr werden die Tore auch wieder kommen. Und mit meiner Leistung selbst bin ich auch super zufrieden, ich hätt' - ehrlich gesagt - nicht geglaubt, dass ich wirklich über eine so lange Zeit so gut spielen kann. Ich kann mich echt nicht beklagen, besser hätt's nicht sein können.

krone.at: Ein kurzer Blick zurück zum Saisonbeginn - ab wann hat es sich abgezeichnet, dass du spielen würdest? Man hätte ja annehmen können, dass Routinier Manfred Razenböck die neue Nummer eins sein würde.
Siebenhandl: Das hat sich in der Vorbereitung so ergeben, weil die anderen länger verletzt waren. Ich hab' dafür damals eine gute Vorbereitung gespielt, hab' mir wenige Fehler erlaubt. Und in der Woche vor dem Meisterschaftsbeginn hat dann der Trainer zu mir gesagt: "Der Manfred ist immer noch nicht ganz fit, du wirst die erste Partie spielen." Und der Rest ist dann eh schon oft breitgetreten worden, von wegen des Tors gegen Mattersburg, der guten Leistung gegen Rapid usw. Ja, es ist dann wirklich perfekt gelaufen.

krone.at: Mal ganz allgemein: Was glaubst du, wohin dich deine Karriere noch verschlagen könnte? Gibt's ein konkretes Ziel, das du dir gesetzt hast? Ein bestimmter Klub, eine bestimmte ausländische Liga?
Siebenhandl: Entweder die spanische Liga oder Deutschland. Ich glaub', Spanien passt vom Spiel her perfekt zu mir, weil ich gut und gern mitspiel' und die Tormänner auch nicht so groß sind. Das englische Spiel liegt mir dagegen nicht so, weil es halt schon körperbetonter zugeht. Und da ich "nur" 1,83 Meter groß bin, kommt mir der spanische Fußball mehr entgegen. Deutschland ist wiederum das Beste, das es derzeit in Europa gibt – von der Liga her, den Fans, den Medien: Da würd' nichts drübergehen.

krone.at: Iker Casillas ist mit 1,85 Metern Körpergröße Tormann bei Weltmeister Spanien und gilt als Inbegriff eines kleinen Weltklasse-Goalies.
Siebenhandl: Und der Victor Valdes ist auch nur 1,83 Meter groß, so wie ich. Also in Spanien würd's perfekt passen. (lacht)

krone.at: Wie oft musstest du dir in deiner noch jungen Karriere schon anhören, für einen echten Klassegoalie wohl zu klein zu sein?
Siebenhandl: Das war eigentlich nie so das Problem. Okay, jetzt hör' ich ab und zu: "Ja, der Siebenhandl, der ist nur 1,83 Meter groß." Denen kann ich nur raten: Schaut's euch mal die Werte an, die ich bei Flanken hab' und wie ich mich da durchsetzen kann. Also ich glaub' nicht, dass sich einer, der 1,92 Meter groß ist, bei Flanken leichter tut als ich. Das ist nur ein Klischee, dass man mit 1,83 Metern zu klein ist für den Job. Ich hoffe, dass das einmal aus den Köpfen verschwindet.

krone.at: Na dann hilf mal mit, dieses Klischee aus den Köpfen zu vertreiben: Wie besteht man da bei einem Luftduell etwa mit Stefan Maierhofer (nicht mit dem Redakteur verwandt, Anm.)?
Siebenhandl: Es geht zu 90 Prozent nur ums Timing. Ich mein', die Sprungkraft hilft einem natürlich auch weiter, aber wenn man rechtzeitig am richtigen Ort ist, dann ist alles leichter. Der Gegenspieler kann auch nur in eine gewisse Höhe springen – und mit den Händen hat man immer die Chance, den Ball zumindest über den Kopf wegzufausten. Wenn das Timing stimmt, kann man sich gegen jeden durchsetzen.

krone.at: Wo siehst du generell deine Stärken und deine Schwächen?
Siebenhandl: Ich sag' einmal, die Stärken sind auf jeden Fall, dass ich gut mitspiele, dass ich mit dem Fuß keine Probleme habe und dass ich bei den Flanken ein Supertiming habe, viele Bälle erwische und mich gegen viel Größere durchsetzen kann. Verbesserungspotenzial?…(zögert)… Grobe Schwächen habe ich, glaub' ich, keine. Wär' mir jetzt noch nicht so aufgefallen. Aber gut: Auf der Linie gibt's wohl noch Verbesserungsmöglichkeiten und fangtechnisch kann man sich immer verbessern, damit man auch die schärferen Schüsse noch fangen kann. Denn wenn man die Bälle sicher fängt und nicht einfach nur abblockt, kann schließlich nichts mehr passieren.

krone.at: Du hattest im Verlauf deiner Bundesliga-Karriere als Aktiver bisher zwei Trainer – Peter Schöttel, der dich im letzten Spiel der vergangenen Saison einmal ausprobiert hat, und nun Peter Stöger. Wie ticken diese beiden?
Siebenhandl: Naja, eigentlich geht sowieso das meiste von Günther Kreissl (der Tormanntrainer, Anm.) aus. Zu Peter Schöttel kann ich nicht viel sagen, weil ich unter ihm nur ein Spiel gemacht habe, da kann ich nicht wirklich sagen, was er genau von mir wollte. Beim Peter Stöger ist es so, dass ich immer Sicherheit von hinten ausstrahlen und Ruhe reinbringen soll – und dass ich die Mannschaft einteile.

krone.at: Du hältst in der laufenden Saison bei einer Shutout-Bilanz von 40 Prozent. Gerade angesichts der schwachen Tor-Ausbeute vorne ist das wohl nicht unwesentlich für euer kontinuierliches Punkten – belastet es von daher nicht, zu wissen, dass ein Gegentor, ein kleiner Fehler, schwerwiegender ist, als wenn z.B. dem Alexander Walke bei Salzburg ein Ball durch die Finger gleitet?
Siebenhandl: Mit der Zeit ist es schon ein bisschen anstrengend, aber so ist es halt. Bis jetzt haben wir es gut verstanden, hinten gut zu stehen. Jetzt wäre es halt mal angenehm, wenn wir mal auch nach vorne ein bisschen mehr bringen könnten. In den ersten Partien haben wir ja auch viele Chancen gehabt, da haben wir sie halt nicht reingemacht. Und jetzt haben wir zurzeit halt das Problem, dass wir auch wenige Chancen vorfinden.

krone.at: Patrick Wolf zu Sturm, Alex Grünwald zur Austria, Tomas Simkovic zur Austria, Guido Burgstaller zu Rapid – Wiener Neustadt hat sich in den vergangenen Jahren als Sprungbrett zu heimischen Großklubs entwickelt. Wird's bei dir ähnlich ausschauen?
Siebenhandl: Also... (zögert)... davon geh' ich jetzt mal aus. Aber ich kann und will nicht sagen, dass es im Sommer so weit ist oder im Winter. Was sich ergibt, ergibt sich. Ich hab' zudem hier in Wiener Neustadt noch einen Vertrag bis nächsten Sommer und keinen Stress. Es ist ja normal, dass - wenn man bei Wiener Neustadt, einem Mittelständler in Österreich, spielt - man sich noch weiterentwickeln und vielleicht mal ins Ausland schauen will.

krone.at: Hast du die neue Popularität als Shootingstar in der Bundesliga schon auch negativ zu spüren bekommen? Wirst du von weiblichen Fans oder Groupies belagert?
Siebenhandl:
Nein, überhaupt nicht… (lacht)… Ich hab' ja auch seit vier Jahren eine Freundin, also da würd' sowieso nichts gehen. Aber sowas von überhaupt nicht. Ich mein', nach dem Match gibt's immer ein paar Foto- und Autogrammwünsche, aber das ist ja nur normal in diesem Job. Ich freue mich ja, wenn die Leute auf mich zukommen, das passt super!

krone.at: Noch kurz zum Thema Nationalteam. War's letztens für dich eine große Überraschung, dass du nicht im A-Team von Marcel Koller sein durftest, sondern "nur" im U21-Team von Werner Gregoritsch? Gab's da Irritationen?
Siebenhandl: Ich bin froh, dass ich überhaupt einberufen wurde. Es freut mich immer, wenn man in einem Nationalteam spielen darf. Aber natürlich, es war schon auch ein bisschen eine Enttäuschung da. Im U21-Team war es trotzdem ein Traum zu spielen, da sind Superbhweiz zu gewinnen war überhaupt ein super Erlebnis. Die sind immerhin mit ihrer U19 Weltmeister (2009, Anm.) und mit der U21 Vizeeuropameister (2011, Anm.) geworden. Gegen die muss man erst einmal gewinnen und das war wirklich ein schönes Erlebnis.

krone.at: Was ist das für ein Gefühl, von hinten zuschauen zu müssen und nichts für den Torerfolg der eigenen Mannschaft beitragen zu können?
Siebenhandl: Am Anfang hab' ich mir gedacht, das passiert halt. Nur jetzt, nach dem fünften, sechsten Spiel denke ich mir: Pah bitte! Jetzt schieß' einfach mal den Ball dorthin und dann bemüh' dich, hau' ihn einfach mal rein. So schwer kann's ja nicht sein. Aber ich weiß schon, dass unsere Stürmer sich schon sehr bemühen und nicht absichtlich danebenschießen. (lacht)

krone.at: Zum Thema Verwandtschaft - auch dein Bruder Udo versteht sich ganz gut aufs Torhüten, war in früheren Zeiten schon einmal Goalie in Wiener Neustadt und steht jetzt wenige Kilometer entfernt für Sollenau in der Regionalliga Ost zwischen den Pfosten. Was läuft in einer Familie schief, in der zwei Brüder Tormänner werden?
Siebenhandl: (lacht) Naja, es hat sich einfach so ergeben. Mein Bruder war immer schon Tormann und ich bin immer zwischen Tormann und Feldspieler gependelt, bis ich bemerkt habe, dass ich im Tor besser bin. Und die bei der Austria haben dann gesagt: "Wir wollen, dass du im Tor spielst." Ich hab' gesagt: Ja, passt! Mach ich gerne! Spiel ich! Und später haben wir auch in der Akademie oft gemeinsam trainiert, der Udo und ich. Ich glaube, dass wir beide unsere Stärken nicht im Feld hätten, also passt das schon so, dass wir beide im Tor stehen. Wir tauschen uns auch immer wieder aus und reden viel miteinander: Was hat in dem einen Match nicht so gut gepasst? Was war gut? Was kann ich in der nächsten Partie vielleicht ändern?

krone.at: Ist das ein Problem zwischen euch, dass der jüngere den älteren Bruder vorerst einmal überflügelt hat?
Siebenhandl: Nein, ganz sicher nicht. Wir verstehen uns immer noch super. Mein Bruder hat jetzt halt einen anderen Weg eingeschlagen, wird Lehrer und spielt nebenbei bei Sollenau. Wenn es sich noch einmal ergäbe und er aus der Bundesliga ein Angebot bekäme, würde er sicher nicht nein sagen. So freut er sich aber einfach sehr für mich.

krone.at: Elf Punkte liegt ihr im Moment vor Kapfenberg, einen vor Mattersburg und fünf hinter Innsbruck und Sturm. Wo wird Wiener Neustadt am Ende der Saison deiner Einschätzung nach stehen? Ihr geltet immerhin als erster Konkurrent von Kapfenberg.
Siebenhandl: Entweder werden wir unseren Platz halten oder wir werden noch nach vorne kommen. Nach hinten brauchen wir uns jetzt überhaupt nicht zu orientieren, das ist nur eine Sache der Medien – uns hängt noch immer nach, dass wir von Anfang an Abstiegskandidat Nummer eins waren und jetzt auch kaum Tore schießen. Aber wir spielen oft zu Null und brauchen nur ein Tor machen, dann holen wir wahrscheinlich schon die drei Punkte – so viel Selbstvertrauen können wir absolut haben, das haben wir schon oft genug bewiesen.

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