Fr, 24. November 2017

Schießerei in OÖ

22.03.2012 10:21

„Sniper“ verschanzt sich hinter Erinnerungslücken

Wenn's keine Ausrede ist, dann ist es zumindest eine gute Verteidigungsstrategie: Josef N., der Heckenschütze von Steyr, behauptete in den polizeilichen Einvernahmen, Erinnerungslücken zu haben. Er wisse nicht, was er getan habe - und auch nicht warum.

Spätestens beim Strafverfahren wird sich Josef N. mehr Mühe geben müssen, um zu erklären, warum er laut Polizei am Montag eineinhalb Stunden lang vom Balkon im dritten Stock des Mehrparteienhauses in der Steyrer Schlüsselhofstraße etwa 15 Schüsse auf Passanten und Cobra-Beamte abgegeben hat. Denn die Steyrer Staatsanwaltschaft will, wie berichtet, den 51-jährigen mutmaßlichen Heckenschützen wegen Mordversuchs anklagen.

"Wenn jemand Schüsse auf Menschen abgibt, dann nimmt er damit klarerweise billigend in Kauf, dass es Tote geben kann", erklärte Andreas Pechatschek, Erster Staatsanwalt in Steyr, die juristische Sachlage. Der Beschuldigte wurde am Mittwoch in die Justizanstalt Garsten überstellt.

51-Jährigem drohen bis zu zwanzig Jahre Haft
"Eigentlich ist ein 'Black-Out' die beste Verteidigungsstrategie", wissen Justiz-Insider. Im Idealfall für den Verdächtigen könnte er sogar mit einer bedingten Einweisung in eine Sonderanstalt davonkommen. Wie beispielsweise ein 36-jähriger Mühlviertler, der am 31. Oktober 2011 in Vöcklabruck bei einer Wahnsinnsfahrt fünf Unfälle verursacht hatte. Das Resultat: acht beschädigte Autos und zwei verletzte Polizisten. Der 36-Jährige leidet unter einer psychischen Krankheit, ist laut Gutachten "hochgradig gefährlich" - aber bleibt in Freiheit, solange er brav seine Pillen nimmt.

Darauf könnte es auch der Steyrer "Sniper" anlegen. Ansonsten drohen dem mutmaßlichen Heckenschützen nämlich zehn bis zwanzig Jahre hinter schwedischen Gardinen.

Sturmgewehr kann ohne Waffenschein besorgt werden
Geklärt ist mittlerweile zumindest, woher die "Kalaschnikow" des Verdächtigen stammt. Er hatte sie laut Kripo ganz normal als meldepflichtige Schusswaffe der Kategorie C bei einem Waffenhändler erstanden. Das Sturmgewehr kann in Österreich als Einzelschusswaffe - wie im aktuellen Fall - sogar ohne Waffenschein erstanden werden, weiß der Grieskirchner Händler und Innungsmeister Franz Ortner: "Die Kalaschnikow gibt es als Vollautomaten mit Dauerfeuerfunktion, als Halbautomaten und in der Steyrer Version, wo der Schütze jedes Mal nachrepetieren muss."

Seit das Waffengesetz drastisch verschärft wurde, schrumpft landesweit der Anteil der Waffenbesitzer jährlich um fünf bis zehn Prozent. Ortner: "Gebrauchte Waffen sind kaum mehr zu verkaufen, weil vielen die Auflagen zu aufwendig sind."

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