So, 18. Februar 2018

Vuvuzuela-Getröte

08.03.2012 20:17

Wulff-Zapfenstreich durch massive Proteste gestört

Mit einem Großen Zapfenstreich hat sich der bisherige deutsche Bundespräsident Christian Wulff in den Ruhestand verabschiedet. Drei Wochen nach dem Rücktritt äußerte der 52-Jährige am Donnerstagabend "Bedauern" darüber, dass er seine Amtszeit nicht zu Ende bringen konnte. Auf die näheren Umstände ging er jedoch nicht ein. Demonstranten bliesen mit Vuvuzuelas gegen die Zeremonie an.

Der ohrenbetäubende Lärm der Demonstranten, die sich vor dem Amtssitz versammelt hatten, war auch im Garten des Präsidialamtes laut zu hören. Mit Vuvuzuelas und Trillerpfeifen bliesen einige Hundert Aktivisten gegen die ehrenhafte Verabschiedung an. Derartige Proteste hat es bei Politiker-Abschieden in Deutschland noch nie gegeben.

Auf dem Zapfenstreich - wie er zu Ehren von scheidenden Staatsoberhäuptern üblich ist - hatte Wulff bestanden. Während der Zeremonie im Garten des Präsidialamtes wirkte er sehr ernst. Auf persönlichen Wunsch des Ex-Präsidenten hatte die Bundeswehr vier Musikstücke im Programm, darunter auch die Europa-Hymne und den Klassiker "Over the Rainbow".

Keiner von Wulffs Vorgängern dabei
An der Zeremonie nahmen zwar Bundesratspräsident Horst Seehofer als amtierendes Staatsoberhaupt, Kanzlerin Angela Merkel und mehrere Minister teil. Von Wulffs vier noch lebenden Vorgängern war jedoch kein einziger dabei. Auch die Opposition fehlte praktisch komplett.

Gegen den Ex-Präsidenten ermittelt die Staatsanwaltschaft, weil er in seiner Zeit als niedersächsischer CDU-Ministerpräsident von einem befreundeten Unternehmer geldwerte Vorteile erhalten haben soll. Die Regierung des deutschen Bundeslandes Niedersachsen stellte der Staatsanwaltschaft Hannover am Donnerstag weitere Akten für die Ermittlungen gegen Wulff zur Verfügung.

Kritik an opulentem Ehrensold
Kritik gibt es auch daran, dass Wulff trotz einer Amtszeit von nicht einmal 600 Tagen zeit seines Lebens pro Jahr annähernd 200.000 Euro Ehrensold erhalten soll. Wulff ist der jüngste Ex-Präsident, den Deutschland je hatte.

Mit einiger Selbstironie sagte er in seiner im Voraus veröffentlichten Abschiedsrede: "Diesen Anlass hatte ich mir für das Jahr 2015 vorstellen können. Nun ist es anders gekommen." Seinem Nachfolger - vermutlich der DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck - wünschte er "eine glückliche Hand für Deutschland und breite Unterstützung". Erneut warb er für Toleranz. "Vielfalt, Weltoffenheit, Freiheit und sozialer Ausgleich - das macht unser Land aus und stark."

Lob für die eigene Ehefrau
Ausdrücklich bedankte sich Wulff auch bei "allen Bürgerinnen und Bürgern in unserer so aktiven Bürgergesellschaft". Seine Frau Bettina lobte er, sie habe Deutschland "auf großartige Weise überzeugend repräsentiert". Zu seiner persönlichen Zukunft sagte er nur: "Ich gehe mit dem Gefühl der Neugier und der Vorfreude auf das, was kommt."

Deutsche wollen jetzt Direktwahl
Fast 80 Prozent der Deutschen wünschen sich jetzt eine Direktwahl des Bundespräsidenten durch das Volk. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presseagentur hervor. Völlig dagegen sind nur vier Prozent. Nur 15 Prozent halten ein politisches Comeback des CDU-Politikers für möglich.

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