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08.03.2012 13:42

YouTube-Jagd auf Kinderschlächter von Uganda

Seit mehr als 25 Jahren morden brutale Rebellen in Uganda. Zehntausende Kindersoldaten litten in ihren Fängen. Nun hat sich eine US-amerikanische NGO zum Ziel gesetzt, Joseph Kony (Bild), den Anführer der "Lord's Resistance Army" per Internet-Kampagne "weltberühmt" zu machen. Nicht etwa, um ihn zu feiern, sondern um seine Festnahme zu beschleunigen und einen Präzedenzfall für die internationale Justiz zu schaffen, wird dabei betont.

Kernstück der Kampagne der "Invisible Children Inc." ist ein halbstündiger Film, der via Facebook bereits tausendfach geteilt und auf der Internetplattform YouTube mehr als 26 Millionen Mal - mit Stand von Donnerstagmittag - angesehen wurde. Grundlage des Videos ist der Leidensweg des jungen Uganders Jacob, den der Filmemacher Jason Russell vor einigen Jahren zum ersten Mal getroffen hatte.

Das Thema dominiert derzeit jedenfalls weltweit alle Social-Media-Plattformen. Das Ziel der NGO ist klar formuliert: Der Führer der "Lord's Resistance Army" (LRA) soll dank der geballten Kraft der vernetzten Welt noch in diesem Jahr gefasst werden - deshalb der Kampagnentitel "Kony 2012".

Kindersoldaten und Sexsklavinnen
Die LRA kämpft seit 1987 für einen christlichen Gottesstaat. Vor ihren Schlächtern flüchteten seit Mitte der 1980er-Jahre mehr als zwei Millionen Menschen in Ost- und Zentralafrika. Die Rebellen haben Tausende Menschen ermordet, vergewaltigt, verstümmelt oder entführt.

Besonders berüchtigt ist die Gruppe für die Zwangsrekrutierung von Kindern. Tausende männliche Kindersoldaten werden gezwungen, für die bizarre, mit afrikanischem Mystizismus verbrämte Ideologie Konys zu kämpfen. Mädchen erwartet ein ebenso grausames Schicksal: Sie werden als Sexsklavinnen für die Rebellen missbraucht.

USA entsandten im Vorjahr Militärberater
Kony, der sich selbst als "Sprecher Gottes" bezeichnet, wird seit 2005 vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht. Die USA haben die LRA zu einer Terrorgruppe erklärt, und im Oktober 2011 entsandte Präsident Barack Obama 100 Militärberater nach Uganda. Sie sollen helfen, die dortigen Streitkräfte für den Kampf gegen die Rebellen auszubilden.

Damit diese Soldaten nicht wieder abgezogen werden, bevor Kony gefasst ist, startete Invisible Children Inc. die Internetkampagne "Kony 2012". Die NGO will mit der Kampagne möglichst viele Menschen erreichen, die dann wiederum Druck auf US-Politiker ausüben können.

Kampagne als "weißes Gutmenschentum" kritisiert
Doch die Kampagne hat nicht nur Befürworter und wurde im Internet bereits teils heftig kritisiert. Zwar sei es begrüßenswert, dass das Thema so viel Aufmerksamkeit bekomme, doch die Botschaft von "Kony 2012" sei zu simpel und eine Form "weißen Gutmenschentums", kritisiert etwa ein Blogger. Andere wiederum erinnert die Kampagne stark an die Zeiten des Kolonialismus, wie im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter zu lesen ist.

Auch der Schriftsteller und gebürtige Ugander Musa Okwanga gibt in einem Blog der britischen Tageszeitung "The Independent" zu bedenken, dass die - "durchaus erfreuliche" - Kampagne die erfolgreiche Arbeit lokaler NGOs in Uganda einfach ausblende. Zudem sei ein zentraler Punkt nicht angesprochen worden, so Okwanga. Konys jahrzehntelange Verbrechen gegen die Bevölkerung des Landes könne demnach nur zusammen mit dem seit Ende der 1980er-Jahre regierenden Präsidenten Yoweri Museveni betrachtet werden. Druck auf dessen Politik müsse Bestandteil einer Lösung des Problems sein, ist der Schriftsteller überzeugt.

Weltweiter Aktionstag geplant
Für den 20. April plant "Invisible Childrens Inc." jedenfalls einen weltweiten Aktionstag, an dem die Unterstützer von der NGO produzierte Plakate und Aufkleber in ihren Städten verbreiten sollen, damit Joseph Kony endlich für alle sichtbar wird. "Nichts ist so mächtig wie eine Idee" ist zu Beginn des Films zu lesen - und genau darauf hoffen auch die Macher der Kampagne.

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