Mi, 23. Mai 2018

ORF-Interview

05.03.2012 18:18

Kampusch: "Ich muss nicht alles erzählen"

"Ich habe gesagt, was ich sagen konnte." Mit diesen Worten ist Natascha Kampusch am Montagabend in der ORF-Sendung "Thema" den Verschwörungstheorien rund um ihre Entführung entgegengetreten. Zum Einwand, sie spare viel aus, vor allem, wenn es um intime Details gehe, meinte sie gegenüber Interviewer Christoph Feurstein: "Ja, aber sehen Sie es doch so: Jeder hat ein Anrecht auf Privatsphäre. Und ich muss nicht alles erzählen."

Ein vorab ausgestrahlter Teil des Interviews hatte bereits am Sonntagabend für eine emotionale Diskussion in der ORF-Sendung "Im Zentrum" gesorgt (siehe Infobox). Im Gespräch mit Feurstein zeigte sich die junge Frau sehr betroffen über Verschwörungstheorien, die immer wieder vorgebracht werden. So erzählte sie etwa, wie schwer es für sie sei, dass bezweifelt wird, dass Wolfgang Priklopil ein Einzeltäter war. Auch Behauptungen, dass sie nie die ganze Wahrheit erzählt habe, setzten ihr zu.

Schwangerschaft: "Frage so nie gestellt"
Zu den jüngst wieder aufgetauchten Spekulationen, sie sei bereits Mutter (siehe Infobox), äußerte sich Kampusch ebenfalls. Sie sei niemals schwanger gewesen. Bezüglich der Behauptung, sie habe bei ihrer ersten Einvernahme gefragt, ob eine Schwangerschaft nachzuweisen sei, sagte sie: "Dazu muss man sagen, dass ich diese Frage so nie gestellt habe. Es stimmt aber, dass ich mich erkundigt habe, weil ich mich für das Thema Biologie und auch den menschlichen Organismus interessiere... aber das hat nichts mit mir zu tun."

Dass im Verlies Bücher zum Thema Schwangerschaft gefunden wurden, liegt Kampusch zufolge daran, dass sie von Priklopil Lesestoff bekommen habe. Dabei waren auch alte Sachen von "irgendwem" - unter anderem ein kleines Heftchen, wie man einen Säugling pflegt. Eine gefundene Haarlocke stamme nicht von einem Baby, sondern von ihr, fügte sie in dem Interview erklärend hinzu. Sie habe sich den Kopf rasieren müssen, damit man im Haus keine Haare finden konnte, wenn sie oben arbeitete.

Gerüchte um Pädophilen-Ring und Pornovideos
Auch die Gerüchte, sie würde einen Pädophilen-Ring decken, wies die junge Frau entschieden zurück: "Alle wissen, was mir passiert ist, dass ich achteinhalb Jahre gefangen war. Ich habe gesagt, was ich sagen konnte, was ich wusste. Ich würde so was nie tun. Ich würde nie verhindern, dass solche Verbrecher zur Rechenschaft gezogen werden, und würde alles daran setzen, dass das anderen Leuten nicht passiert."

Mit einem eindeutigen "Nein" beantwortete Kampusch auch die Frage nach Pornovideos, über deren Existenz sich laut Feurstein ebenfalls hartnäckig Gerüchte halten würden. "Hierbei handelt es sich natürlich nur um eine weitere Fantasie, die diese angesprochene Theorie untermauern soll - mit diesem Kinderpornoring und der SM-Szene und dem allen. Da gehört natürlich auch ein Film dazu - in der Fantasie", so Kampusch.

Liebesbeziehung mit Priklopil "völlig absurd"
Gewisse Dinge seien jedoch sehr persönlich "und haben auch nicht wirklich etwas mit diesem Verbrechen zu tun, und warum soll ich dann demütigende Sachen preisgeben", fragte Kampusch. "Völlig absurd" sei auch die Unterstellung einer Liebesbeziehung mit ihrem Peiniger. Bei der Vorstellung, dass es Menschen gebe, die solche Fantasien haben, "wird mir so richtig schlecht". Das sei demütigend und beleidigend.

Sie habe auch nie Mittäter gesehen. Mit dem Freund Priklopils, dem diese Rolle schon des Öfteren unterstellt wurde, habe sie nach der Flucht mehrmals und lange telefoniert. Das sei geschehen, weil sie unter anderem wissen wollte, was in den letzten Minuten des Entführers geschehen sei und welchen Eindruck Außenstehende von ihm hatten. Zugleich habe sie interessiert, ob er vielleicht schon länger Bescheid gewusst und nicht ausgesagt hatte. "Ich wollte, falls er irgendwie doch eine Art Mittäter gewesen wäre, vielleicht auch zur Überführung beitragen."

Die Aussage des damals zwölfjährigen Mädchens, das die Entführung beobachtet und dabei angeblich zwei Männer gesehen hatte, erklärte sich Kampusch damit, dass es sich in diesem massiven Schockzustand geirrt und etwas eingebildet habe, das gar nicht da gewesen sei. "Ich habe ja dann noch mal mit ihr gesprochen und sie wirkt immer noch sehr geschockt. Sie ist immer noch traumatisiert von dem, was damals passiert ist."

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