So, 22. April 2018

Missbrauch möglich

02.06.2005 21:08

Nasenspray schafft (übertriebenes) Vertrauen

Das richtige Nasenspray und wir vertrauen bedenkenlos beinahe jedem unser Geld an! Das ist kurz und etwas überspitzt das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Zürich. Die Wissenschaftler sind der Biologie des Vertrauens auf die Spur gekommen...

Demnach spielt das Hormon Oxytocin eine wesentliche Rolle für das prosoziale Verhalten und trägt wesentlich zur Vertrauensbildung bei. Probanden, denen das Hormon nasal verabreicht wurde, hatten ein signifikant größeres Vertrauen in andere Menschen als jene, denen ein Placebo verabreicht wurde. Nachdem Versuchspersonen an der Mixtur mit dem körpereigenen Hormon Oxytocin geschnüffelt hatten, waren sie eher dazu geneigt, Geld an einen Treuhänder zu übergeben. 

In der spielerischen Testsituation übergaben die Probanden dem Treuhänder mehr Geld, wenn sie Oxytocin verabreicht bekommen hatten. Das lässt auf gesteigertes Vertrauen schließen. In der gleichen Situation am Computer unterschied sich das Verhalten nicht von der Placebo-Gruppe, es wurde also nicht einfach die Risikobereitschaft erhöht. 

In den falschen Händen könnte das Nasenspray, das die Forscher entwickelt haben,  Missbrauch Tür und Tor öffnen. Positiv eingesetzt könnte es aber auch Menschen mit Bindungsschwierigkeiten, die etwa an Autismus oder sozialer Phobie helfen. Soziale Phobien, das sind Ängste in sozialen Situationen und die Vermeidung von Kontakten, zählen zu den häufigsten psychischen Störungen. 

"Mit unserer Studie haben wir die ersten Bausteine der biologischen Basis von Vertrauen entdeckt", erklärte einer der Wissenschaftler. Die Ergebnisse der Schweizer Forscher stimmen mit Untersuchungen aus der Tierwelt überein, denn bei Säugetieren besitzt das Oxytocin eine Schlüsselposition für die Paarbindung, die mütterliche Fürsorge, das Sexualverhalten sowie die soziale Bindungsfähigkeit. Das Hormon vermindert zudem Ängstlichkeit und die neuroendokrine Antwort auf sozialen Stress. Männliche Präriewühlmäuse, die zahlreiche Oxytocinrezeptoren im Gehirn besitzen, sind monogam und kümmern sich um ihren Nachwuchs. Die mit ihnen nahe verwandte Bergwühlmaus hingegen, die kaum Oxytocinrezeptoren besitzt, ist polygam und die Männchen zeigen keine elterliche Fürsorge. (pte)

 

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