Sa, 18. November 2017

Lilians Uganda-Blog

27.02.2012 16:10

„Ich könnte stundenlang den Nil herunter schippern“

Genau als ich denke, ich hätte die gesamte Flora und Fauna Ugandas bereits aus dem Auto erspäht, werde ich im Murchison Nationalpark eines Besseren belehrt. Wir erreichen das Nil-Ufer. Hm, ich war noch nie am Nil. Zumindest hätte ich ihn - naiv betrachtet - ja auch eher Ägypten als Uganda zugeordnet. Aber wunderschön ist er. Wir besteigen das Boot mit zwei Kameras und gerade als wir ablegen wollen, erspähen wir am gegenüberliegenden Ufer zwei graue Dickhäuter.

Wir nähern uns. Knietief stehen die beiden im Ufergras. Sie wenden sich langsam ab. Als liefen die Minuten plötzlich in Zeitlupe, bewegen sich die wunderschönen Grauen weg von uns. Als wir es wagen, noch näher zu kommen, dreht sich einer der beiden um und bewegt sich in einem Halbkreis auf uns zu, als wolle er sagen: "Kommt ja nicht näher". Wir bewegen uns langsam den Flusslauf hinab. Und schon wieder bin ich in ein Tier verliebt.

Wir hören Geschichten von den gefährlichsten Tieren des Flusses. Ich denke an Krokodile. Nein, es handelt sich um die "Hippopotamus". Zugegeben, ich denke zuerst an was anderes als Nilpferde. Die erscheinen einem so ruhig, fast drollig. Außerdem irritiert die afrikanische Intonation immer noch meine "Übersetzungszellen": "Ibbobotaamas".

Und da sehe ich auch schon die ersten glänzenden, kleinen, grauen Inseln mit wackelnden rosa Öhrchen im Nil. Plötzlich bewegen sich die vermeintlichen Inseln. Nilpferdköpfe auf Nilpferdrücken werden neu geordnet. Es war wohl der Kopf des oben liegenden Nilpferdes zu schwer für das darunter liegende. So scheint es, wenn sich die Nilpferde Wasserfontänen in die Luft blasend "unterhalten" und die Plätze für die nächsten 15 Minuten so neu verhandeln. Sie wirken so friedlich. Unglaublich, dass sie aus dem Wasser tauchend ganze Boote samt Besatzung vernichten können. Aber beeindruckend, wie viele es gibt. Die Natur hier ist so üppig. So reich. So wunderschön.

Wirklich nicht mehr wurscht sind mir die Krokodile. Das Krokodil vom "Kasperl" mag ja klein und süß sein... Aber diese Brocken... drei bis fünf Meter lange Krokodile. Gefährlich und majestätisch wirkend. Wenn man sie erspäht hat, wie sie da regungslos mit geöffnetem Maul am Ufer verharren, wie große Baumstämme. Plötzlich von einer auf die andere Sekunde ergreift Leben den regungslosen "Baumstamm", und er gleitet durch die Sonne als blitzschnelles Raubtier. Eine der Echsen-Majestäten gleitet knapp unter unserem Boot ins Wasser. Einen Moment lang erstarre ich, als das Krokodil in unsere Richtung losschießt. Schön sind sie. Meiner Liebe zu Echsen tut auch dieses Erlebnis keinen Abbruch.

Zwischen den Krokodilen blitzen kleine azurblaue und kaminrote Flecken auf. Farbmischungen, so bunt wie sie nur die Natur zu kleinen Gefiederkunstwerken zusammensetzen kann. Einige "Kingfisher" verschiedenster Farben besiedeln das Ufer. Und dann sehen wir im rötlich-gelben Sandstein eine Art "Vogelhochhaus": in die Wand gebaute kleine Löcher, dazwischen glänzt das Gefieder einiger bunter Bewohner. Das Alterlaa oder Neuperlach der Vogelhäuser. Die einen okkupieren Bäume, wie die "Weaver Birds", die anderen Stein.

Ich bin hin und weg und könnte einfach nur stundenlang den Nil herunter und wieder herauf schippern. Es wird noch was mit der "Soko Nil". Das habe ich im Blut...

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