Mo, 20. November 2017

Ruine unter der Lupe

20.02.2012 15:20

Fukushima: Reporter besuchen Katastrophen-AKW

Auch knapp ein Jahr nach der AKW-Katastrophe in Fukushima sind weiterhin täglich 3.000 Arbeiter in der Atomruine erhöhter Strahlung ausgesetzt. Sie kühlen die Reaktoren, recyceln das verseuchte Wasser und beseitigen Trümmer auf dem Unglücksgelände. Erstmals, seit die japanische Regierung Ende 2011 offiziell eine Kaltabschaltung der zerstörten Reaktoren verkündet hatte, durften am Montag einige Reporter Teile der Anlage besichtigen.

Die Journalisten stiegen auf einem Hügel auf der Südseite des Reaktors 4 aus dem Bus und schauten sich das Gehäuse an, das bei der Katastrophe im März 2011 durch eine Wasserstoffexplosion zerstört worden war. Dort betrug die Strahlung 50 Mikrosievert pro Stunde. Das bedeutet, dass ein Mensch in 24 Stunden bereits ein Millisievert abbekommen würde - die Strahlung, der ein Normalbürger in einem ganzen Jahr ausgesetzt sein darf.

Lecks an Pumpen und Leitungen
Laut der Regierung und dem Atombetreiber Tepco sind die Reaktoren, in denen es zur Kernschmelze kam, mit der Kaltabschaltung inzwischen unter Kontrolle. Dennoch kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. So sollen in den vergangenen Wochen an 43 Stellen an Wasserpumpen und Leitungen zur Reaktorkühlung Lecks aufgetreten sein, berichtete der Nachrichtensender NHK. Die Pumpen waren nach dem Unfall auf einem Hügel aufgestellt worden, um sie gegen neue Tsunamis zu schützen.

Zudem hatte ein Thermometer im Problemreaktor 2 in jüngster Zeit eine bedrohlich steigende Temperatur angezeigt. Tepco erklärte später, dass lediglich das Thermometer kaputt sei. Trotzdem hatte der Betreiber die Wasserzufuhr zuvor deutlich erhöht. Da auch die anderen Thermometer durch die Luftfeuchtigkeit und das Meersalz Schaden nehmen könnten, soll ein verlässlicheres Überwachungssystem gebaut werden.

Bislang vier Todesfälle
Unmittelbar nach dem Unfall durften die Reparaturtrupps eine Strahlendosis von insgesamt 250 Millisievert abbekommen. Inzwischen wurde der Grenzwert für sie, mit Ausnahme einiger Angestellter von Tepco, auf 100 Millisievert gesenkt. Bislang sind an Ort und Stelle vier Arbeiter gestorben. Die Todesursachen waren unter anderem Herzinfarkt oder akute Leukämie. Laut Tepco bestehe aber kein Zusammenhang zwischen den Todesfällen und der Arbeit im AKW.

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