Mo, 18. Dezember 2017

Wirbel um Sakralbau

23.01.2012 13:49

ÖVP-FPÖ-Koalition in NÖ scheitert an Stupa-Errichtung

Eine bereits seit längerer Zeit schwelende Debatte über den Bau eines buddhistischen Stupa (Bild) in Gföhl im niederösterreichischen Bezirk Krems hat seit Montag kommunalpolitische Folgen. Die ÖVP-FPÖ-Koalition ist geplatzt - die Freiheitlichen gaben ihren Ausstieg bekannt.

Die Gemeinde und das Waldviertel bräuchten einen Stupa "so notwendig, wie Rom einen Kebabstand auf dem Petersplatz", wurde Gottfried Waldhäusl, FPÖ-Klubobmann im Landtag, in einer Aussendung zitiert.

Zu dem Projekt findet am 12. Februar eine Volksbefragung statt. Die Gföhler Bevölkerung soll dabei entscheiden, ob das betreffende Grundstück für die Errichtung des Sakralbaus umgewidmet werden soll. Dazu übten die Freiheitlichen am Montag ebenfalls Kritik. Es könne nicht sein, dass die Volksbefragung nur ab einer Wahlbeteiligung von 50 Prozent für den Gemeinderat bindend werde. Das Ergebnis müsse entscheidend sein, nicht die Zahl der abgegebenen Stimmen, so Stadtrat Siegfried König.

Größtes Weltfriedensdenkmal Europas
In Gföhl soll mit dem Sakralbau das laut Homepage der Stadtgemeinde größte Weltfriedensdenkmal Europas entstehen. Südlich der Bundesstraße 37 ist neben dem 30 Meter hohen Stupa mit einem Durchmesser von 25 Metern ein rund 600 Quadratmeter großes Gebäude mit Gemeinschaftsräumen, Wohnstudios für die Ordensmönche und -nonnen sowie Meditationsräumen geplant. Eine Wiener Stiftung will das Vorhaben realisieren. Der Gföhler Bürgermeister Karl Simlinger von der ÖVP tritt für das Projekt ein.

Dieses sorgt jedenfalls seit Wochen für Diskussionsstoff. Einerseits haben namhafte kirchliche Persönlichkeiten eine "sachliche und respektvolle Diskussion" eingemahnt. Es könne nicht angehen, "eine Ablehnung mit einer unsachlichen Diffamierung des Buddhismus zu verbinden", hieß es in einer öffentlichen Erklärung Mitte Dezember, unterzeichnet unter anderem vom Altenburger Abt Christian Haidinger, dem "Furche"-Herausgeber Heinz Nußbaumer und dem Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

"Wertschätzendes und friedvolles Miteinander"
Der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng äußerte hingegen Vorbehalte. Küng stellte dabei die Frage in den Raum, warum der größte Stupa Europas ausgerechnet mitten im Waldviertel errichtet werden soll. Ihm sei nicht bekannt, dass es hier "eine so große Zahl von Buddhisten gibt".

Gerhard Weißgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft, hingegen hielt fest: "Gerade in sehr schwierigen gesellschaftlichen Entwicklungen, wie wir sie im Moment durchleben, ist ein wertschätzendes und friedvolles Miteinander ein wichtiger Baustein für eine bessere Zukunft." Dieser Gedanke stehe hinter der Errichtung des Stupa.

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