Sa, 26. Mai 2018

RH-Bericht

28.12.2011 13:05

64 Staatsmanager verdienen mehr als Bundeskanzler

Während sich die Politik in den vergangenen Jahren Nulllohnrunden verordnet hat, war man bei den Managern staatlicher Unternehmen deutlich weniger zurückhaltend: Von 2007 bis 2010 sind die Durchschnittseinkommen der Vorstandsmitglieder um 19,6 Prozent gestiegen, jene ihrer Mitarbeiter nur um 10,4 Prozent. Das geht aus dem aktuellen Einkommensbericht des Rechnungshofs hervor. Insgesamt verdienten im Vorjahr bis zu 64 Geschäftsführer in 23 Staatsunternehmen mehr als der Bundeskanzler, also über 285.600 Euro.

Spitzenreiter bei den Vorstandsgehältern ist der Stromkonzern Verbund. Dort verdienten die vier Vorstände 2010 durchschnittlich 721.800 Euro. Allerdings ist in diesen Zahlen auch der SP-nahe Ex-Vorstand Christian Kern enthalten, der im Juni 2010 neuer ÖBB-Chef wurde und damit im Verbund von der Payroll rutschte. Wäre Kern beim Verbund geblieben, dann wäre die durchschnittliche Vorstandsgage (auf Jahres-Vollzeitäquivalente hochgerechnet) noch etwas höher gelegen - nämlich bei 841.800 Euro.

Post mit durchschnittlich 669.500 Euro auf Rang zwei
Auf Rang zwei hinter dem Verbund folgt die Post, deren fünf Vorstandsmitglieder im Durchschnitt 669.500 Euro verdienten. Dahinter folgt die ÖIAG, deren Ex-Chef Peter Michaelis (er wurde mit 1. Juli 2011 durch den VP-nahen Industriellenfunktionär Markus Beyrer ersetzt) im Vorjahr noch 669.100 Euro bezog. Schon auf Platz vier folgt die Verbund-Wasserkrafttochter Austrian Hydro Power (AHP) mit durchschnittlich 605.500 Euro für die zwei Vorstände. Die ÖBB landen mit durchschnittlich 250.500 Euro für fünf Vorstände auf Platz acht, noch hinter ihrer Tochter Rail Cargo (390.100 Euro für drei Vorstände).

Gagenparadies Energiesektor
Ein besonderes Gagenparadies ist damit der staatliche Energiesektor. Der Rechnungshof listet allein sieben Unternehmen des Verbund-Konzerns auf, in denen insgesamt 16 Top-Manager auf Bezüge über dem Kanzler-Gehalt kommen. Neben der Konzernmutter und den Töchtern Verbund Hydro Power und Verbund International (Rang 6) sind das noch die Verbund Trading (Rang 10), Verbund Sales (Rang 14), Austrian Power Grid (Rang 15) und Verbund Thermal Power (Rang 22). Dazu kommen noch die Landesenergieversorger von Kärnten (KELAG, Rang 16) und die Salzburg AG (Rang 19).

Gleich vier "Golden Handshakes" bei Kärtner Hypo
Besonders schnell gedreht hat sich das Abfertigungskarusell bei der notverstaatlichten Kärntner Hypo Alpe Adria Bank International, der Nummer fünf in der Liste. Hier wurden 2010 gleich vier Geschäftsführer abgesetzt - mit "Golden Handshakes" zwischen 350.000 und 2,4 Millionen Euro. In der Rechnungshof-Aufstellung 2010 scheint die Bank folglich mit neun Vorstandsmitgliedern auf, von denen jeder auf durchschnittlich 338.200 Euro Jahresgage kommt. Rechnet man die Gehälter auf Jahres-Vollzeitäquivalente hoch, dann wären das Bezüge von 579.800 Euro pro Vorstandsmitglied.

ORF-Manager verdienen knapp weniger als Bundeskanzler
Die Geschäftsführer des ORF verdienten im Vorjahr durchschnittlich 282.600 Euro und damit knapp weniger als der Bundeskanzler. Für 2010 meldete der ORF übrigens 15,8 Geschäftsführer an den Rechnungshof. Dies offenbar deshalb, weil Infodirektor Elmar Oberhauser kurz vor Jahresende abgewählt und nicht nachbesetzt worden war. Mittlerweile wurde die Geschäftsführung auf 14 Mitglieder verkleinert.

Zusätzlich nennt der Rechnungshofbericht noch eigenständige Geschäftsführer bei Tochterunternehmen des ORF, darunter einen bei ORF-Enterprise mit einem Gehalt von 249.500 Euro, einen bei ORF-Mediaservice mit 111.400 Euro Jahresbrutto und zwei bei der Gebühren Info Service (GIS) mit durchschnittlich 169.600 Euro.

Nur 15 Prozent Frauenanteil
Insgesamt standen im Vorjahr übrigens 396 Unternehmen und ausgegliederte Einrichtungen mit insgesamt 556 Vorstandsmitgliedern und 166.490 Mitarbeitern im Einflussbereich des Bundes. Der Frauenanteil in den Geschäftsführungen ist in den vergangenen Jahren zwar gestiegen (von 11,2 Prozent 2007 auf 15 Prozent im Vorjahr), liegt aber immer noch deutlich niedriger als im öffentlichen Dienst, wo der Anteil der Sektionschefinnen zuletzt rund 21 Prozent ausmachte. Bei den 1.424 Aufsichtsratsmitgliedern lag der Frauenanteil bei 21,5 Prozent (nach 13,9 Prozent 2007).

Der Rechnungshofbericht umfasst jedoch nicht alle Staatsunternehmen, sondern nur jene Firmen, an denen der Staat zumindest die Hälfte der Anteile hält und an denen auch der Bund beteiligt ist. Nicht enthalten sind damit etwa die OMV mit einem Staatsanteil von 31,5 Prozent und die Telekom Austria mit 28,42 Prozent.

522,34 Millionen Euro für Zusatzpensionen
Ebenfalls aufgelistet wird vom Rechnungshof, wie viel Geld die Staatsfirmen für Zusatzpensionen aufwenden. Demnach machten die Zahlungen im Vorjahr 522,34 Millionen Euro aus. Davon profitiert haben 25.409 Personen - durchschnittlich waren es also 20.557 Euro pro Person.

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