Do, 24. Mai 2018

Keine Hoffnung mehr

27.12.2011 13:13

Kind verschüttet: Helfer geben Suche auf Rügen auf

Drama am zweiten Weihnachtsfeiertag auf der ostdeutschen Insel Rügen: Bei einem Felssturz ist am Montagnachmittag ein junges Mädchen von herabstürzenden Schlamm- und Geröllmassen verschüttet worden. 18 Stunden später haben die Rettungskräfte die Suche nach der Zehnjährigen am Dienstagnachmittag aufgegeben.

Das Mädchen war mit seiner Mutter und seiner älteren Schwester spazieren, als die Familie bei einem Abbruch von Kreidefelsen am Kap Arkona von herabstürzenden Schlamm- und Geröllmassen erfasst wurde. Während die Mutter des Mädchens schwer und ihre 14-jährige Schwester leicht verletzt wurde, wurde die Zehnjährige unter dem Felsmaterial begraben. Nach ihr wurde knapp 18 Stunden lang fieberhaft gesucht, doch nach menschlichem Ermessen gebe es keine Hoffnung mehr, das Kind lebend zu finden, sagte der stellvertretende Landrat des Landkreises Vorpommern-Rügen, Lothar Großklaus, am Dienstagnachmittag.

Großklaus' Angaben zufolge hatten mehr als 160 Helfer seit Montag den schmalen Strandabschnitt nach der Zehnjährigen aus Brandenburg durchsucht, auf dem sich tausende Kubikmeter Felsmaterial auftürmten. Bei der Rettungsaktion kamen auch Spürhunde und ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera zum Einsatz.

Helfer bei Suchaktion selbst in Gefahr
Das von der Steilküste hinabgestürzte Material aus Kreide, Wasser und Mergel bilde eine kompakte Masse ohne Hohlräume, sagte Großklaus. Die Situation sei nicht vergleichbar mit der in einem eingestürzten Haus nach einem Erdbeben, in dem ein Überleben in luftgefüllten Kammern noch für längere Zeit möglich sei. An einer Stelle, an der in der Nacht Suchhunde angeschlagen hatten, seien die Rettungskräfte nicht fündig geworden. Bei der bis ins Wasser reichenden Suche gerieten die Helfer selbst in Gefahr, da weitere Teile der Steilküste am Kap Arkona im äußersten Norden Rügens abzubrechen drohten.

Einer Sprecherin der Polizei zufolge verletzte sich eine weitere Frau mit einem Kind bei dem Felssturz und wurde in eine Klinik eingeliefert. Eine vierköpfige Familie, die sich ebenfalls in der Nähe aufhielt, blieb hingegen unverletzt.

Immer wieder unkontrollierbare Abbrüche
Bei dem Küstenabschnitt unweit der beiden Leuchttürme von Kap Arkona handle es sich nicht um Kreidefelsen, sondern um eine normale Steilküste, sagte die Sprecherin. Auf Deutschlands größter Insel Rügen kommt es immer wieder zu unkontrollierbaren Abbrüchen der Steilküste. Der verregnete Sommer hat die Gefahr nach Angaben von Geologen vergrößert.

Im August dieses Jahres war es zum größten derartigen Vorfall seit neun Jahren gekommen, ein 100 Meter langer und 70 Meter hoher Abschnitt eines Felsens stürzte ins Meer. Spaziergänge unter dem Kliff können deshalb gefährlich sein. Die Behörden wollen den 13 Kilometer langen Küstenabschnitt mit Steilküste jedoch nicht sperren.

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