Sa, 26. Mai 2018

Islamisten-Terror

25.12.2011 17:50

Nigeria: Zahlreiche Tote bei Anschlägen auf Kirchen

In einem Vorort von Nigerias Hauptstadt Abuja sind am Sonntag bei einem Bombenanschlag auf eine katholische Kirche während eines Weihnachtsgottesdienstes zahlreiche Christen getötet worden. Die Behörden berichteten am Abend von zumindest 40 Todesopfern und vielen Verletzten. Kurz nach der Bluttat wurden aus zwei weiteren Städten des Landes Angriffe auf Kirchen gemeldet. Die Sekte Boko Haram, die im Norden Nigerias einen islamischen Staat errichten will, bekannte sich zu dem Terror.

Der Anschlag auf die St.-Theresa-Kirche in Madalla, einem Vorort von Abuja, erfolgte zum Ende des Weihnachtsgottesdienstes. Die Polizei vermutet, dass eine Autobombe explodierte. Ein verdächtiges Auto habe kurz vor der Explosion bei der Kirche geparkt.

Ganze Kirchengemeinde unter Schock
Ein Mann, der seine Schwester bei dem Anschlag verlor, schilderte die Ereignisse so: "Als wir aus der Kirche kamen, ging ich noch einmal zurück, weil ich eine Weihnachtskarte vergessen hatte. Kurz darauf hörte ich einen Knall. Alles, was ich sah, war Rauch und Menschen, die schrien und herumliefen. Dann sah ich die Fetzen der Kleider meiner Schwester." Die Mitglieder der nigerianischen Kirchengemeinde stehen unter Schock. Viele von ihnen eilten in die Krankenhäuser, um ihren trauernden Mitgläubigen beizustehen.

Aufgebrachte Jugendliche legten nach der Detonation Feuer und drohten damit, eine nahegelegene Polizeiwache anzugreifen. Sicherheitskräfte schossen in die Luft, um die Menschen auseinanderzutreiben. Die Gegend um die Kirche wurde abgeriegelt. Viele Christen in Abuja verließen aus Angst vor weiteren Anschlägen frühzeitig die Weihnachtsmessen in den jeweiligen Gotteshäusern.

Nach der Detonation in Madalla gab es zwei weitere Angriffe auf Kirchen in der nordöstlichen Stadt Gadaka und im zentralnigerianischen Jos. Dort wurde nach Angaben der Behörden ein Polizist getötet, als ein Sprengsatz eine Mauer der Kirche umriss. Polizeiminister Caleb Olubumi kündigte an, künftig mehr Sicherheitskräfte vor Kirchen zu postieren.

Islamisten kündigen weitere Attacken an
Zu den Anschlägen bekannte sich die islamistische Sekte Boko Haram. In einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP übernahm Boko Haram die Verantwortung für den Terror und kündigte weitere Attentate an. "Wir sind für alle Anschläge der vergangenen Tage verantwortlich", sagte ein Sprecher. "Wir werden diese Attacken in den nächsten Tagen fortsetzen." Bei der Serie von Attentaten in den Tagen vor Weihnachten wurden im Nordosten Nigerias nach Schätzungen der Polizei bis zu 100 Menschen getötet.

Im Laufe des Sonntags wurden dann noch aus weiteren nigerianischen Städten Explosionen gemeldet, die sich jedoch offenbar nicht gegen Kirchen richteten. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, verübte etwa in der nordöstlichen Stadt Damaturu ein Selbstmordattentäter einen Anschlag auf einen Konvoi der Geheimpolizei. Dabei habe es vier Tote und mehrere Verletzte gegeben.

Angespannte Lage nach schweren Gefechten
Nach tagelangen Gefechten zwischen Regierungstruppen und Boko Haram im Nordosten des Landes ist die Lage in Nigeria gespannt. Seit Donnerstag wurden Berichten zufolge mehr als 100 Menschen getötet, darunter auch 50 Sektenmitglieder. Viele Bewohner sind auf der Flucht vor den Unruhen.

In den vergangenen Monaten wurde Boko Haram für eine Reihe von Überfällen und Anschlägen auf Christen und westliche Einrichtungen in Nigeria verantwortlich gemacht. Im August hatte sich die Gruppe zu einem Selbstmordanschlag auf den UNO-Sitz in Abuja bekannt, bei dem 23 Menschen getötet und 76 verletzt worden waren. Seitdem gehen die nigerianischen Sicherheitskräfte verstärkt gegen die Islamisten vor.

Sekte will islamischen Staat errichten
Boko Haram strebt die Errichtung eines islamischen Staates im Norden Nigerias an. Der Name der Sekte bedeutet "Die westliche Lehre ist Sünde". Die Gruppe lehnt den westlichen Lebensstil ab und tyrannisiert die Bevölkerung. Bereits an Weihnachten 2010 hatte sie christliche Einrichtungen in dem westafrikanischen Land angegriffen und dabei über 80 Menschen getötet. Der nunmehrige Anschlag in Madalla wurde vom Vatikan als Ausdruck "blinden und absurden Hasses" bezeichnet. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte in Rom, die Täter wollten "noch mehr Hass säen und Verwirrung stiften".

Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle erklärte: "Auch am Weihnachtstag bleibt die Welt leider nicht von der Feigheit und dem Schrecken des Terrorismus verschont." Es bleibe die Aufgabe, sich gemeinsam mit Freunden, Partnern und Gleichgesinnten aus der ganzen Welt dem Übel von Terrorismus, Gewalt und Unterdrückung mit ganzer Kraft entgegenzustellen. Dies gelte für Afghanistan und Nigeria, aber auch für Syrien, Weißrussland und anderswo.

"Sinnlose Gewalt am Weihnachtstag"
Der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, betonte in einer Erklärung: "Wir verurteilen diese sinnlose Gewalt und diesen tragischen Verlust von Leben am Weihnachtstag." Die USA seien in Kontakt mit den Behörden des westafrikanischen Landes und hätten ihre Hilfe versprochen, damit die Verantwortlichen für diese Angriffe vor Gericht gebracht werden könnten.

In einer Mitteilung der Vereinten Nationen sprach UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon den Angehörigen der Opfer und dem nigerianischen Volk sein Beileid aus. Ban forderte erneut das Ende der religiös motivierten Gewalt in dem Land. Der Einsatz von Gewalt sei durch nichts zu rechtfertigen, hieß es in der Erklärung der Weltorganisation weiter.

Muslime im Norden, Christen im Süden
In den vergangenen Monaten wurden die Angriffe von Boko Haram in Nigeria immer rücksichtsloser, sodass Experten vermuten, die Gruppe könnte Verbindungen zu der in Nordafrika aktiven Extremistenorganisation Al-Kaida im Maghreb aufgenommen haben.

Der Ölstaat Nigeria ist mit rund 150 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Der Norden ist mehrheitlich von Muslimen bewohnt, im Süden sind die Christen in der Mehrheit.

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