So, 20. Mai 2018

Bei Weihnachtsmesse

25.12.2011 09:23

Patriarch kritisiert Umgang mit UN-Antrag Palästinas

Im Heiligen Land haben Tausende Gläubige am Samstag die Geburt Christi gefeiert. Am Samstagnachmittag erreichte die traditionelle Weihnachtsprozession aus Jerusalem die kleine Stadt Bethlehem im Westjordanland, am späten Abend wurde dort die traditionelle Mitternachtsmesse begangen. Dabei kritisierte der lateinische Patriarch Fouad Twal, der ranghöchste Vertreter des Vatikans im Heiligen Land, die Reaktion des Nahost-Quartetts auf den UN-Aufnahmeantrag Palästinas.

"Die Palästinenser haben sich vor Kurzem mit der Hoffnung an die Vereinten Nationen gewandt, eine Lösung des Konflikts zu finden, um mit ihren Nachbarn in Frieden und Sicherheit zu leben. Sie sind aufgefordert worden, sich wieder auf einen gescheiterten Friedensprozess einzulassen. Dieser Prozess hat einen bitteren Beigeschmack gebrochener Versprechen und von Misstrauen", sagte der ranghöchste Vertreter des Vatikans im Heiligen Land am frühen Sonntagmorgen in der Katharinenkirche in Bethlehem.

Unter den Gästen war auch der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas, der den Antrag auf UN-Vollmitgliedschaft am 23. September in New York gestellt hatte. Die USA und andere westliche Länder wie Deutschland lehnen eine UN-Vollmitgliedschaft der Palästinenser ab, bevor sie keinen Friedensvertrag mit Israel ausgehandelt haben. Das Nahost-Quartett aus USA, Russland, Vereinten Nationen und Europäischer Union hatte beide Seiten zu einem Friedensschluss spätestens im kommenden Jahr aufgerufen.

Die Palästinenser wollen jedoch nicht verhandeln, solange Israel seine Siedlungspolitik fortsetzt und die Grenzen von 1967 nicht als Ausgangspunkt für Gespräche anerkennt. "Wir erheben unsere Stimme zu Gott und rufen ihn in unserer Bedürftigkeit an. Wir bitten um Frieden und nichts als Frieden", sagte Twal.

Feierlicher Empfang für Weihnachtsprozession
Am Samstagnachmittag war die traditionelle Weihnachtsprozession aus Jerusalem in der kleinen Stadt im Westjordanland eingezogen (Bild 2). Vor allem palästinensische Christen, aber auch Besucher aus aller Welt, bereiteten den Teilnehmern der Prozession, die von Twal angeführt wurden, einen feierlichen Empfang auf dem zentralen Krippenplatz. Die Kolonne aus etwa 30 Autos passierte auf dem Weg auch ein großes Tor in der israelischen Sperranlage zum Westjordanland, die normalerweise dem Militär vorbehalten ist.

Schon lange vor der Ankunft der Prozession hatten sich auf dem Krippenplatz zahlreiche Besucher versammelt. Pfadfinder marschierten zu lauter Dudelsack- und Trommelmusik über den Platz vor der Geburtskirche. Sie stammt aus dem 6. Jahrhundert und ist damit eines der ältesten christlichen Bauwerke. Sie wurde über der Grotte errichtet, in der Jesus geboren worden sein soll. Die Grotte befindet sich unter dem Hauptaltar der Kirche.

Einwohner des Westjordanlands leiden unter der Besatzung
Die Hotels in dem kleinen Städtchen im südlichen Westjordanland, das großteils von einer Mauer umgeben ist, sind voll ausgebucht. Bethlehem hofft bis zum Jahresende auf eine Rekordzahl von bis zu zwei Millionen Besuchern. Die wirtschaftliche Lage in Bethlehem hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, die Einwohner leiden jedoch weiter unter der Besatzung Israels und fordern immer ungeduldiger einen eigenen Staat.

Israel hat für die Weihnachtszeit mehrere Tausend Reisegenehmigungen für Palästinenser aus dem Westjordanland ausgestellt. 550 christliche Palästinenser im Gazastreifen erhielten von Israel zudem Passierscheine für eine Reise ins Westjordanland. Insgesamt leben im Gazastreifen mit seiner Bevölkerung von gut 1,5 Millionen Menschen noch etwa 3.000 Christen.

Auch in Nazareth im Norden Israels kamen am Samstag Tausende von Christen zur jährlichen Weihnachtsprozession und zum anschließenden Gottesdienst in der Verkündigungskirche. Dort soll der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria die bevorstehende Geburt Jesu Christi verkündet haben.

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