Mo, 21. Mai 2018

Mit 75 Jahren

18.12.2011 18:15

Tschechischer Ex-Präsident Vaclav Havel gestorben

Nur zwei Monate nach seinem 75. Geburtstag ist der frühere Dissident und ehemalige tschechische Staatspräsident Vaclav Havel Sonntag früh in seinem Wochenendhaus im nordtschechischen Hradecek im Schlaf gestorben. Havels Gesundheitszustand hatte sich in den vergangenen Monaten sichtbar verschlechtert. Der ehemalige starke Raucher litt seit Langem unter schweren Atemwegs-Problemen.

Mitte der 90er-Jahre erkrankte Havel an Lungenkrebs, 1996 wurden ihm ein Tumor und ein Teil des rechten Lungenflügels entfernt. Zwei Jahre später überlebte Havel einen Herzinfarkt.

Im März diesen Jahres, als er wieder krank wurde, reduzierte Havel sein Arbeitsprogramm und erholte sich die meiste Zeit in seinem Wochenendhaus auf dem Land. Der Ex-Präsident konnte heuer nicht einmal das traditionelle Juli-Filmfestival in Karlsbad besuchen. Vor einigen Wochen empfing er jedoch noch in Prag den Dalai Lama. Dabei war Havel, der sich beim Gehen auf einen Stock stützte, sichtlich müde und abgemagert.

Symbolfigur des demokratischen Aufbruchs
Der einstige Dissident zählte zu den Anführern der "Samtenen Revolution" von 1989, in deren Verlauf die kommunistische Führung der damaligen Tschechoslowakei gestürzt wurde.

Als Symbolfigur des demokratischen Aufbruchs wurde er im selben Jahr zum Präsidenten gewählt. Nach der Teilung des Landes wurde Havel 1993 Staatschef von Tschechien und blieb bis 2003 im Amt. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt betrieb Havel erfolgreich die Anbindung Tschechiens an NATO und EU. Vor und nach seiner Zeit als Präsident war er auch erfolgreicher Theaterautor.

Klaus würdigt "unerschütterlichen Kämpfer"
Der amtierende Staatspräsident Vaclav Klaus würdigte seinen Vorgänger Havel als "einen unerschütterlichen Kämpfer gegen den kommunistischen Totalitarismus" und "führende Person der Samtenen Revolution" 1989 in der damaligen Tschechoslowakei.

Bei einem Auftritt in der Prager Burg sagte Klaus, es sei Havel gewesen, der ihn im November 1989 in das oppositionelle Bürgerforum einlud, das eine entscheidende Rolle bei der Wende spielte. Die Persönlichkeit Havels, sein Name und sein Werk hätten auf bedeutende Weise dazu beigetragen, dass die Tschechische Republik schnell in die Gemeinschaft von freien und demokratischen Ländern eingegliedert worden sei, so Klaus.

Premier Necas vom Tod Havels "sehr getroffen"
Der tschechische Premier Petr Necas bezeichnete den Tod Havels als "riesigen Verlust". Er sei "menschlich sehr getroffen". Der Ex-Präsident habe ein großes Ansehen genossen und verdiene seitens des Staates die höchsten Ehren. Havel sei eine Symbolfigur dafür, "was hier 1989 passierte". Er habe sehr viel für die Tschechische Republik, für deren Übergang zur Demokratie und für deren Eingliederung in die EU-Strukturen getan, so Necas.

Westerwelle: "Trauern mit den Tschechen"
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hat den früheren tschechischen Präsidenten als "Wegbereiter der europäischen Wiedervereinigung" gewürdigt. "Ich verneige mich vor diesem großen Streiter für Demokratie und Freiheit", erklärte Westerwelle. "Wir trauern mit dem tschechischen Volk."

"Großer Europäer", "Kämpfer gegen Diktatur"
Auch Österreichs Politiker trauern um den langjährigen tschechischen Ex-Präsidenten. Bundespräsident Heinz Fischer lobte Havel als "großen Europäer, Schriftsteller und Humanisten", dessen Tod "tiefe Betroffenheit" auslöst. Er sei in Österreich "in höchstem Maße geschätzt und anerkannt worden".

Bundeskanzler Werner Faymann sprach den Angehörigen seine Anteilnahme aus und erinnerte an "eine der wesentlichen politischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit", die sich "auch von Verfolgung durch das kommunistische Regime nicht daran hindern" ließ, für Werte wie Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechte einzutreten.

Vizekanzler Michael Spindelegger verwies neben seinem politischen Talent auch auf das künstlerische Schaffen Havels: "Seine Texte waren kritisch und weltoffen. Durch diese Werke, für die er auch in Österreich ausgezeichnet wurde, bleibt uns sein Streben nach Freiheit und Demokratie erhalten."

Dank Havel sei "dem Kommunismus in Europa ein Ende gesetzt" worden, sagte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Ihm sei es gelungen, den "Weg Tschechiens in das demokratische Europa zu ebenen". BZÖ-Obmann Josef Bucher bezeichnete Havel als "Kämpfer für die Freiheit und gegen die kommunistische Diktatur". Grünen-Chefin Eva Glawischnig lobte den Ex-Präsident als "beeindruckenden Kämpfer für Demokratie und Meinungsfreiheit". Sein Kampf für Freiheit habe die "Vereinigung Europas ermöglicht".

Begräbnis voraussichtlich am Freitag
Das Begräbnis von Havel wird aller Voraussicht nach am kommenden Freitag stattfinden. Havels Witwe Dagmar wird am Montag mit Staatspräsident Klaus zusammentreffen, um den weiteren Ablauf zu besprechen. Der Termin kann sich deshalb noch ändern.

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