So, 27. Mai 2018

Endgültiger Abzug

18.12.2011 07:52

Letzte US-Truppen haben den Irak verlassen

Acht Jahre und rund neun Monate nach Beginn des Irak-Kriegs haben die letzten US-Kampftruppen das Land verlassen. Auf Live-Bildern des US-Senders CNN war zu sehen, wie der letzte Truppenkonvoi am Sonntagmorgen die Grenze zum Nachbarland Kuwait überquerte. Schwere gepanzerte Fahrzeuge und Tieflader mit Panzern passierten die Grenzstation in der Wüste. Anschließend wurde das Grenztor geschlossen.

Laut CNN verließen mit dem letzten Konvoi aus 110 Fahrzeugen 500 Soldaten aus Ford Hood in Texas den Irak. Sie seien in der Nähe von Nassirija rund 300 Kilometer südlich von Bagdad stationiert gewesen. Zunächst würden die Soldaten im US-Feldlager Virginia in Kuwait untergebracht, bevor es mit dem Flugzeug in die Heimat gehe, hieß es.

Aus Sorge vor Anschlägen seien die Iraker nicht über den Zeitpunkt informiert worden, berichtete die "New York Times" am Sonntag. Viele US-Soldaten hätten nicht einmal die Möglichkeit gehabt, sich von ihren irakischen Bekannten zu verabschieden.

"Historischen Augenblick für unser Land und unser Militär"
US-Präsident Barack Obama hatte bereits am vergangenen Mittwoch einen symbolischen Schlussstrich unter den Irakkrieg gezogen und den Truppen für ihren Einsatz gedankt (siehe Infobox). In seiner Rede vor Hunderten Soldaten auf dem Heeresstützpunkt Fort Bragg im US-Staat North Carolina bezeichnete er das Kriegsende als "historischen Augenblick für unser Land und unser Militär".

Die USA waren am 20. März 2003 auf Befehl des damaligen Präsidenten George W. Bush in den Irak eingedrungen, um den damaligen Machthaber Saddam Hussein zu stürzen. Die angeblichen Massenvernichtungswaffen, einer der Hauptgründe Washingtons für den Krieg, wurden nie gefunden. Der Kampfeinsatz war auch nie vom UN-Sicherheitsrat legitimiert worden.

Krieg kostete die USA 800 Milliarden Dollar
Laut "Huffington Post" kostete der Einsatz den USA 800 Milliarden Dollar. In Spitzenzeiten standen bis zu 170.000 US-Soldaten in dem Land am Golf. In den vergangenen Monaten wurden 505 Stützpunkte geräumt. Etwa 4.500 Soldaten wurden getötet, mehr als 30.000 verletzt. Einige Schätzungen gehen von mehr als 126.000 getöteten Zivilisten aus, nach Angaben der UNO wurden 1,75 Millionen Iraker während des Konfliktes zu Flüchtlingen.

Obama hatte bereits im Oktober den Abzug fast aller amerikanischen Soldaten bis zum Jahresende angekündigt. Obamas Regierung wollte ursprünglich mehrere Tausend US-Soldaten im Land lassen, um ein Gegengewicht zu den Streitkräften im benachbarten Iran zu bilden. Der Irak war jedoch nicht bereit, den amerikanischen Soldaten die geforderte Immunität vor Strafverfolgung zu gewähren.

"Normale Beziehung" zwischen den USA und dem Irak?
Diese Woche hatten der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki und US-Präsident Obama darüber beraten, wie das Verhältnis der beiden Staaten nach dem Ende des Militäreinsatzes aussehen soll. Ab dem 1. Jänner würden die USA und der Irak eine "normale Beziehung" zwischen souveränen Staaten führen, hatte Obama gesagt. Der Irak darf sich aber auch künftig weiter der Aufmerksamkeit der einstigen Besatzungsmacht sicher sein. So ist die US-Botschaft ist mit 16.000 Mitarbeitern die größte diplomatische Vertretung Washingtons auf der Welt.

Auch aus finanzieller Sicht haben die USA vorgesorgt: Alleine für das Jahr 2012 lassen sie sechs Milliarden US-Dollar in den Irak fließen. Der "New York Times" zufolge plane die Regierung nun auch eine Verstärkung ihrer militärischen Präsenz in anderen Ländern der Golfregion, um für einen Sicherheitskollaps im Irak oder eine mögliche militärischen Konfrontation mit dem Iran gewappnet zu sein.

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