Sa, 26. Mai 2018

Peter Scholl-Latour:

15.12.2011 14:31

"Gadafi wurde mit einer Eisenstange gepfählt"

Am 20. Oktober ist Libyens Ex-Machthaber Muammar al-Gadafi in seiner Heimatstadt Sirte den Rebellen in die Hände gefallen und dabei getötet worden. Seit damals hält sich hartnäckig das Gerücht, Gadafi sei nicht - wie offiziell behauptet - durch Schüsse ums Leben gekommen, sondern zu Tode gefoltert worden. Beweise dafür gibt es nicht - umso mehr lässt jetzt eine Aussage des angesehenen deutsch-französischen Publizisten und Arabien-Experten Peter Scholl-Latour aufhorchen, der behauptet: "Gadafi wurde mit einer Eisenstange gepfählt."

Scholl-Latour berief sich dabei im Gespräch mit "Welt Online" auf "französische Informationen", ohne genauere Angaben über die Quelle zu machen. Demnach sei Gadafi jedenfalls nicht durch Schüsse in den Kopf und in den Bauch getötet worden, wie es nach der Obduktion seiner Leiche von offizieller Seite in Libyen hieß. Wörtlich meinte Scholl-Latour in dem Interview am Mittwoch: "Gadafi ist mit einer Eisenstange gepfählt worden."

"Gepfählt im Zeichen der Demokratie!"
Damit wiederholte der Journalist, was er bereits tags zuvor in der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger" angesprochen hatte. Dort sagte er unter anderem: "Ich hätte Gadafi eine Kugel in den Kopf gegönnt und nicht, dass er gepfählt worden ist mit einer Eisenstange. Das ist eine Sauerei gewesen. Stellen Sie sich mal vor: Er ist gepfählt worden, im Zeichen der Demokratie!"

Scholl-Latours Aussagen über Gadafis Todesumstände decken sich in etwa mit Gerüchten, die seit dem Ableben des Ex-Diktators vor allem im Internet die Runde machen. Auch dort wird vielerorts behauptet, die Rebellen hätten den verhassten Despoten gefoltert bzw. geschändet. Die von dem immerhin international geachteten Orient-Experten Scholl-Latour nunmehr ins Spiel gebrachte Pfählung, eine besonders grausame Todesart, dürfte den wilden Spekulationen weitere Nahrung geben.

Arzt: "Schüsse aus nächster Nähe in Kopf und Bauch"
Nach offizieller Lesart war Gadafis lebloser Körper am 20. Oktober zur Obduktion in ein Krankenhaus in die libysche Stadt Misrata gebracht worden. Laut dem Mediziner, der die Leiche untersuchte, sei der Ex-Machthaber durch "Schüsse aus nächster Nähe in Kopf und Bauch" getötet worden. Zwar könnte auch diese Feststellung auf eine Hinrichtung nach der Gefangennahme hindeuten, von Folterspuren oder gar einer Pfählung war jedoch nie die Rede. Auch auf den veröffentlichten Fotos und Videos, die den Leichnam zeigen, finden sich keine Hinweise auf entsprechende Behauptungen.

Zweifler weisen zudem auf den Umstand hin, dass eine etwaige Schändung Gadafis unweigerlich zumindest von einem der dabei Anwesenden etwa mit einer Handy-Kamera aufgenommen und ins Internet gestellt worden wäre. Zumal auch drastische Szenen unmittelbar nach der Festnahme des Despoten, die einen offensichtlich schwer verletzten, blutverschmierten und völlig orientierungslos wirkenden Gadafi zeigen, sofort ihren Weg ins Netz fanden.

Aisha Gadafi: "Gegen alle Regeln des Islams geschändet"
Doch auch Gadafis Tochter will den offiziellen libyschen Angaben offenbar keinen Glauben schenken. So forderte Aisha al-Gadafi den Internationalen Strafgerichtshof am Mittwoch auf, die Umstände des Todes ihres Vaters zu untersuchen. Anfang des Jahres hatte der IStGH Haftbefehle gegen Muammar al-Gadafi, dessen Sohn Saif al-Islam und Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi wegen des Vorwurfs der Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen.

In dem nunmehrigen Schreiben von Aishas Anwalt Nick Kaufman an den IStGH, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, heißt es, Gadafi und sein Sohn Motassim seien auf "grausamste Weise ermordet" und ihre Leichen "gegen alle Regeln des Islams geschändet und zur Schau gestellt" worden. Bisher seien weder seine Mandantin noch ihre Familie offiziell darüber informiert worden, wie Vater und Sohn Gadafi tatsächlich getötet worden seien, erklärte darin der Jurist. Aisha al-Gadafi, ebenfalls ausgebildete Juristin, und andere Familienangehörige waren im August ins benachbarte Algerien geflohen.

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