Mi, 23. Mai 2018

Verheerende Lüge

11.12.2011 13:19

Italien: Mob zündet Roma-Lager nach 'Vergewaltigung' an

Nach einer vermeintlichen Vergewaltigung hat eine aufgebrachte Menschenmenge in Turin ein Lager der Roma-Minderheit angegriffen und in Brand gesetzt. Eine 16-jährige Italienerin hatte behauptet, von zwei Bewohnern der Siedlung missbraucht worden zu sein. Ein zunächst friedlicher Protestmarsch schlug dann am Samstagabend in eine Gewaltorgie um. Erst später gab das Mädchen zu, dass es die Vergewaltigung nur erfunden hatte.

Wie italienische Medien berichteten, waren nach dem Protestmarsch rund 100 mit Knüppeln, Steinen und Brandsätzen bewaffnete Menschen zu dem Roma-Lager gezogen. Dort attackierten sie die Bewohner und zündeten anschließend Autos und Hütten an. Den Berichten zufolge wurde aber niemand ernsthaft verletzt - auch deswegen, weil die "Nomadi" (Nomaden), wie Roma und Sinti in Italien genannt werden, das Lager schon vorher verlassen hatten. Sie waren durch Protestplakate aufgeschreckt worden, wie die Behörden berichteten.

Die Gewaltorgie stoppte erst, als die Polizei einschritt. Die Beamten nahmen zwei Rädelsführer im Alter von 20 und 59 Jahren fest. Turins Bürgermeister Piero Fassino entschuldigte sich bereits und sagte, dass Selbstjustiz nicht hinnehmbar sei.

16-Jährige entblößt in Park aufgegriffen
Die 16-Jährige hatte ursprünglich vorgegeben, von "zwei Zigeunern" vergewaltigt worden zu sein. Zuvor hatte ihr Bruder sie entblößt in einem Park aufgegriffen. Dort hatte sich das Mädchen jedoch mit einem Italiener getroffen, mit dem es eine Liebesbeziehung unterhielt. Gegenüber ihrer Familie hatte die 16-Jährige die Vergewaltigungs-Geschichte erfunden, um den Verlust ihrer Jungfräulichkeit zu rechtfertigen. Die Familie schickte das Mädchen bislang zu regelmäßigen Kontrollen bei einem Frauenarzt.

Die in Italien lebenden Roma und Sinti standen schon mehrfach im Mittelpunkt politischer Diskussionen. Erst im vergangenen Jahr hatte der UNO-Menschenrechtsrat in Genf Italien kritisiert - unter anderem wegen Gewaltakten gegen Einwanderer und Minderheiten wie Roma und Sinti.

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