Mi, 23. Mai 2018

Wahl-Chef behauptet:

11.12.2011 13:07

"Das russische System ist das beste der Welt"

Er ist das Gesicht zu Russlands umstrittenen Wahlergebnissen: Wladimir Tschurow, Chef der russischen Wahlkommission. 2007 vom Kreml eingesetzt, ist er bekennender Putin-Unterstützer und lieferte sich bereits mehrfach hitzige Wortgefechte mit Menschenrechtsaktivisten und Wahlbeobachtern. "Das russische Wahlsystem ist das beste der ganzen Welt", betonte er mehrfach. Doch richtet sich der Zorn der Straße gegen Tschurow, Zehntausende werfen ihm Manipulation vor und fordern Neuwahlen.

Bei der Opposition steht er als "oberster Wahlfälscher" in der Kritik, bei den russischen Wahlbeobachtern ist er Persona non grata. Wladimir Tschurow betonte bereits 2007 im Interview mit der russischen Zeitung "Kommersat", es sei für ihn Gesetz, "dass Putin immer recht habe". Auch nach den jüngsten Wahlergebnissen muss er sich dem Vorwurf der Wahlmanipulation stellen.

Viele Russen tragen das Foto von Putins treuem Gefolgsmann auf Plakaten. Sie werfen ihm vor, Fälschungsvorwürfen bei der Wahl nicht nachzugehen, und machen Tschurow für massive Wahlfälschungen bei der Abstimmung am 4. Dezember verantwortlich. Die Demonstranten fordern seinen Rücktritt sowie Neuwahlen.

Abwahl von Tschurow abgelehnt
Doch das Zentrale Wahlkomitee lehnte es unterdessen ab, über eine Abwahl des umstrittenen Wahlleiters zu diskutieren. Lediglich zwei Komiteemitglieder der Kommunisten hätten dafür gestimmt, meldete die Agentur Interfax am Sonntag. Tschurow selbst hat sich noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Auch Wladimir Putin reagierte ungewohnt zurückhaltend auf die Massenproteste. Jeder habe das Recht, seine Meinung kundzutun, solange er sich friedlich verhalte und die Gesetze beachte, teilte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Sonntag mit. "Wir respektieren die Ansichten der Demonstranten, wir hören, was gesagt wird, und wir werden ihnen weiterhin zuhören."

Medwedew über Tschurow: "Ein Zauberer"
Gegner halten Tschurow vor, "leicht manipulierbar" zu sein, und ganz unrecht dürften sie damit nicht haben. Tschurow gehört wie Kremlchef Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin zum sogenannten St. Petersburger Clan der russischen Politik. Medwedew bezeichnete den 58-Jährigen angesichts des Sieges der Regierungspartei Geeintes Russland bei der Parlamentswahl als "Zauberer".

Doch Kritik prallt an dem Hobbyfotografen mit einer Leidenschaft für Panzeraufnahmen ab. "Ich und kein Wahlexperte - das kann doch nicht wahr sein!", tönte der Mann mit dem grauen Bart und der Brille nach seiner Ernennung. Immer wieder gab es Zweifel an der Eignung des früheren Duma-Abgeordneten, der zu Sowjetzeiten in Leningrad Physik und Journalistik studierte.

Auf kritische Fragen von Journalisten antwortet der meist mit dicken Akten bewaffnete Tschurow am liebsten schon, bevor diese zu Ende formuliert sind. Sobald er in Rente gehe, kündigte der Familienvater an, wolle er wieder schreiben - ein russisches Wahlmärchen für Kinder.

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