Mi, 23. Mai 2018

Ägypten-Wahl

01.12.2011 19:36

Streng islamische Salafisten überraschend stark

Die Salafisten haben bei der ersten Teilrunde der Parlamentswahlen in Ägypten offenbar überraschend stark abgeschnitten. Ihre Partei Al-Nur ("Partei des Lichts"), die für eine besonderes strenge Auslegung des Islam eintritt, lag laut Medienberichten gleichauf mit dem liberalen Ägyptischen Block bei rund 20 Prozent der Stimmen. In einigen Wahlkreisen soll sie sogar besser abgeschnitten haben als die dominierende Partei der Muslimbrüder.

"Al-Nur - die Überraschung des Augenblicks", titelte die Zeitung Al-Shoruk. Bei den ersten freien Wahlen seit sechs Jahrzehnten, die am Montag und Dienstag in rund einem Drittel der Wahlkreise abgehalten worden waren, stimmten Schätzungen zufolge mehr als 20 Prozent für die Salafisten. Die Zeitung "Al-Ahram" schrieb, Al-Nur liege in mehreren Wahlkreisen sogar vor der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit. Die Partei der Muslimbrüder erhielt eigenen Angaben zufolge mindestens 40 Prozent der Stimmen. Die liberale Parteienkoalition Ägyptischer Block erreichte nach eigenen Angaben ein Fünftel der Stimmen.

Kopten fürchten islamistisch dominiertes Parlament
Die Salafisten, die eine strenge Anwendung der islamischen Gesetze und eine soziale Ordnung nach dem Vorbild der Gefährten des Propheten Mohammed propagieren, gehörten zunächst der Demokratischen Allianz der Muslimbrüder an, bildeten dann jedoch ihr eigenes Wahlbündnis. Insbesondere die christliche Minderheit der Kopten fürchtet ein von den Islamisten dominiertes Parlament.

Der Sprecher von Al-Nur, Mohammed Nur (Bild links), bemühte sich am Donnerstag, Vorbehalte gegenüber den Salafisten zu zerstreuen. "Ein Haar auf dem Kopf eines Kopten zu krümmen, widerspricht unserem Programm", sagte Nur. Ägypten kenne "das islamische Gesetz seit 1.300 Jahren", dennoch hätten die Kopten dort immer "glücklich leben" können.

Mohammeds Staat als Vorbild für "neues Ägypten"
Die Muslimbruderschaft, die sich selbst als "moderat islamisch" bezeichnet, präsentierte indessen nach ihrem guten Abschneiden im ersten Wahlgang die erste islamische Gemeinschaft unter dem Propheten Mohammed als Vorbild für das "neue Ägypten". Das Oberhaupt der Muslimbrüder, Mohammed Badia, erklärte in einer Botschaft, es sei die Stärke der islamischen Zivilisation, "dass sie mit Gott verbunden ist". In einer islamischen Gesellschaft müsse niemand Hunger leiden. Alle könnten in Frieden und Sicherheit leben.

Neuer Präsident wird Ende Juni gewählt
Die Abstimmung am Montag und Dienstag in Kairo, Alexandria und anderen Landesteilen war die erste von drei Runden für das Unterhaus. Der Rest des Landes wählt im Dezember und Jänner. Anschließend wird in drei weiteren Runden das Oberhaus gewählt. Das neue Parlament wird die Aufgabe haben, eine neue Verfassung zu formulieren. Ende Juni wird dann ein neuer Präsident gewählt. Danach soll sich der Oberste Militärrat, der seit dem Abgang von Ex-Machthaber Hosni Mubarak die Zügel in der Hand hält, wieder aus der Politik zurückziehen.

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