Mi, 22. November 2017

Rammstein in Wien

24.11.2011 07:58

Mega-Pyrotechnik, „Onanie“ und der immer gleiche Beat

Wahnsinn, welch ausgeklügelten Mix aus gigantomanischem Pyro-Spektakel und perverser Provokation Rammstein am Mittwoch im Zuge ihrer "Made in Germany"-Tour in die ausverkaufte Wiener Stadthalle zauberte. Gut so. Denn man kann Rammstein auch nach 17 Jahren Bandbestehen vieles vorwerfen, aber überbordenden musikalischen Einfallsreichtum sicher nicht. Andererseits: 15.000 Fans mit dem immer gleichen "Um-ta-um-ta"-Rhythmus zwei Stunden lang in Dauerekstase zu hämmern, ist fraglos auch eine Leistung. (Nur) Rammstein darf das.

Schon das Intro zum eigentlichen Konzert, das der Bezeichnung im klassischen Sinne nur ansatzweise gerecht wird, wird als schwülstiges Pathos inszeniert. Ein Steg wird vom Stadthallendach heruntergelassen. Darauf stolzieren die Bandmitglieder strammen Schrittes – mit Fackeln und einer Österreich-Fahne adjustiert – durch das Publikum auf die Bühne, wo sie schon beim Opener "Sonne" mit ihrem druckvollen Sound die komplette Stadthalle wegzublasen drohen.

Sänger Till, generell nicht gerade für seine Leichtfüßigkeit bekannt, steht beim zweiten Song "Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?" derart stoisch vor seinem Mikro-Ständer, dass man meinen könnte, er wartet auf die Straßenbahn. Doch plötzlich explodiert er, und zwar beinahe auch buchstäblich. Mitten im Lied sprühen unverhofft Hunderte Feuerfunken aus fast all seinen Körperteilen.

Die Liebe zum Feuer erlischt nicht
Feuer ist auch beim Konzert in der Wiener Stadthalle wieder einmal das zentrale Rammstein-Element. Riesige Feuerzungen schießen aus immer anderen Winkeln der mit überdimensionalen Ventilatoren bestückten Bühne, beinahe im Minutentakt knallt's aus einer anderen Ecke, Till geht mit einem Flammenwerfer auf Keyboarder "Flake" los, die Mikroständer der beiden Gitarristen beginnen plötzlich zu brennen.

Till täuscht Ejakulation vor
Frontman Till erfindet sich indes permanent neu. Nicht gesanglich – bis auf den dezenten Ansatz einer Melodie bei "Mutter" begnügt er sich mit seiner tiefen Stimmlage und dem rollenden "R" –, sondern schauspielerisch. Gibt er sich bei "Mein Teil" im blutrünstigen Fleischhacker-Outfit und einem Mikrophon in Schlachtmesser-Form, so verwandelt er sich bei "Engel" ein einen ebensolchen und schleudert mal wieder Feuer aus seinen Flügeln. Und bei "Bück dich" lässt er dann seinem offenbar genetisch verankerten Faible für das Perverse freien Lauf, spritzt aus einem männlichen Geschlechtsteil aus Plastik meterweit ins Publikum.

Den Gipfel der Provokation erklimmt er allerdings beim allerletzten Song: Auf einer als Riesen-Penis getarnten Konfetti-Kanone reitet Till über die Bühne und täuscht eine Ejakulation vor, indem er kiloweise Schaum in die Masse schießt.

Und sonst? Erreicht die Stimmung bei "Links" ihren ersten, bei "Du riechst so gut" ihren zweiten Höhepunkt. Beweist Keyboarder "Flake" bei "Du hast" mit einem kurzen Solo, dass er tatsächlich zu mehr imstande ist, als den patscherten Klassenkasperl zu mimen. Schafft es Drummer "Doom", den an sich recht stupiden, wenn auch musikalisch perfekt dargebotenen Rammstein-Beat mit gefinkelten Fills abwechslungsreich zu gestalten.

Nach zwei Zugaben-Sets und einer Brutto-Spielzeit von ziemlich genau zwei Stunden lässt's Rammstein dann gut sein.

Foto: Andreas Graf

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