Mo, 20. November 2017

Von Fluch keine Spur

19.11.2011 17:00

Der Schatz der Karibik: Die Kleinen und Großen Antillen

Von Fluch keine Spur: Im "Goldenen Zeitalter der Piraten" um 1700 dienten sie berüchtigten Seeräubern als Unterschlupf. Heute sind die paradiesischen Inseln der Kleinen und Großen Antillen ein wahrer Segen für jeden Segler, Schnorchler und Sandstranderoberer.

Aufgefädelt wie an einer Perlenkette, reihen sich die Trauminseln der Kleinen Antillen aneinander – von Trinidad und Tobago nahe Südamerika über Dominica und Guadeloupe bis in den Norden zu den Virgin Islands vor Puerto Rico. Jede für sich eine Kostbarkeit. Wir "heuerten" im vormals britischen St. George's, Grenada, an. Nach langem Flug mit Zwischenstopp auf Martinique, einem kolonialen Erbe Frankreichs, war die Ankunft in der sonnigen Marina wie Balsam auf der fröstelnden Seele, die aus der winterlichen Heimat erst nachreisen musste.

"Hello, crazy Pirats of the Caribbean", begrüßten uns am nächsten Morgen die Hafenarbeiter voll Freude und fielen uns um den Hals, als ob sie die zwei "verrückten Piraten" aus Österreich schon ewig kannten. Vermutlich empfanden die amüsierten Einheimischen das auch so, hatten wir uns doch in der Nacht zuvor mit Rum Punch zugeprostet.

Mit dem sicheren Gefühl, dass auch die Seele längst im tropischen Paradies eingetroffen ist, stachen wir bei strahlend-blauem Himmel in die türkisfarbene See. Zügig nahm unsere Yacht "Bavaria 46 Cruiser", 14 Meter lang, Fahrt auf. Skipper Christoph aus Wien, das Steuer fest im Griff, schickte uns alsbald zum Kurbeln an die Winsch (Seilwinde), um das Segel zu straffen. Ein freundschaftliches Kommando, das zum ständigen Begleiter wurde. "Wie müssen wohl einst Matrosen geschuftet haben, ohne diese Errungenschaft der Technik?", so ein flüchtiger Gedanke. Anders als auf mittelalterlichen Schiffen durften wir in mehr oder weniger langen Pausen zwischen den kurzen Kraftanstrengungen in Ruhe ein Sonnenbad genießen. Entspannung pur, mit dem schönsten Ausblick der Welt.

Stress ist hier ein Fremdwort
Die erste Etappe sollte zugleich die längste sein. "Weil wir aufkreuzen mussten", wie Christoph im Fachjargon erklärte. Sprich, der Wind kam ausgerechnet aus der Richtung, in die wir wollten. So landete unser Segelboot nach 45 Meilen und neuneinhalb Stunden erst spätabends auf Carriacou. Geschützt in einer stillen Bucht vor Anker, schaukelte uns eine sanfte Brise in den Schlaf.

Die ganze Schönheit dieser kleineren Schwesterinsel Grenadas offenbarte sich bei Sonnenaufgang. Umsäumt von Korallenriffen, schwangen sich gemächliche Wellen aus dem Tiefblau des Wassers scheinbar nahtlos zu malerisch geformten Hügeln aus Vulkangestein auf. Überzogen von abwechslungsreicher Vegetation, unterbrochen lediglich durch glitzernde Strände. Stress ist hier ein Fremdwort. Sogar im Hauptort Hillsborough an der Westküste nimmt das Leben bedächtig seinen Lauf.

"Tahiti der Karibik"
Hart am Wind ging es weiter. Inmitten einer atemberaubenden Kulisse erwarten Segler auch immer wieder Überraschungen, die auf keiner Karte zu finden sind. Etwa eine einsame Sandbank im Meer, gerade mal so groß wie 30 ausgebreitete Badetücher. Den simplen Sonnenschirm aus trockenen Palmenblättern ließen die Vorgänger freundlicherweise zurück. Nicht minder ausgefallen wirkt die Bar von James, die auf einem Riff thront und nur mit kleinen Booten (oder kraulend) zu erreichen ist. Zum "Sundowner", bevor die Sonne glühend-rot am Horizont versinkt, treffen dort der Reihe nach die Gäste von Union Island – wegen seiner idyllischen Berglandschaft "Tahiti der Karibik" genannt – ein.

Nicht zu verfehlen ist die Salt Whistle Bay auf der nächsten, kaum besiedelten Insel Mayreau. Hinter der beliebten Bilderbuchbucht, lediglich durch einen wenige Meter breiten Grad aus Dünen getrennt, wogt der Atlantik und lockt begeisterte Kite-Surfer. Eine "Perle", die den Charme der Karibik in vielen Facetten widerspiegelt: Canouan.

Piraten-Abenteuer
Die abgelegene exklusive Nachbarinsel Mustique, wo früher Prinzessin Diana mit ihren Söhnen häufig zu Gast war, ließen wir "rechts liegen" und nahmen direkt Kurs auf St. Vincent. Ihrem verheißungsvollen Beinamen wird die "Smaragdinsel" sichtlich gerecht. Üppig grüne Natur erfreut jeden Wanderer auf unberührten Pfaden.

Kein Weg führte an Wallilabou vorbei: Hätten sich Segler im Frühjahr 2005 ohne Vorwarnung in diese romantische kleine Bucht verirrt, wären sie wohl vor Schreck erstarrt. Als ob die Zeit zurückgedreht worden wäre, bäumten sich im Wasser mächtige Schiffe wie aus dem 18. Jahrhundert auf. Vor den Büros der East India Trading Company herrschte reges Treiben, Soldaten mit Musketen stolzierten am Pier auf und ab, Piraten huschten durchs Bild. So wie zuvor für Teil eins bevölkerte damals eine 300-köpfige Crew im Windschatten von Johnny Depp alias Captain Sparrow die Filmstadt Port Royal und drehte aufwendige Szenen zu "Fluch der Karibik 2". Der Hollywood-Trubel ist verschwunden, einzelne Aufbauten der Kulisse erinnern noch an das Seeräuber-Abenteuer.

"Schlauchboot-Service"
Nach diesem cineastisch angehauchten Abstecher zog es uns unweit davon in eine Traumwelt, die real ist. In einer Nische der dicht bewachsenen Küstenlinie mit ihren Palmen, Bananen-Plantagen, wolkenverhangenen Bergen und bunt bemalten Häuschen versteckt sich die Cumberland-Bucht. Ein Refugium fernab jeglicher Hektik. Die Einzigen, die sich blicken lassen, sind Kellner, die per "Schlauchboot-Service" vom Strand aus Snacks und Cocktails an die Reling liefern.

Apropos: In jedem Hafen rudern gesprächige Händler zu den Yachten und bieten – von Obst über Meeresfrüchte bis zu Souvenirs – ihre Schätze an. Als schwimmender Untersatz auf dem Weg zum erhofften Geschäft dient alles, was nicht untergeht. Sogar ein altes Surfbrett, das fast auseinanderbricht, muss mitunter dafür herhalten. Unser Topschnäppchen: ein geangelter Tunfisch um etwas mehr als zehn Euro, der frisch nach dem Fang auf dem Holzofengrill an Bord röstete und vier Personen vorzüglich satt machte. So günstig kamen wir jedoch nur dieses Mal davon.

Karibik, wir kommen wieder!
Zwei markante, zuckerhutähnliche Bergkegel, die Wahrzeichen des Inselstaates St. Lucia, wiesen auf den 35 Meilen der vorletzten Überfahrt von Weitem den Weg – der Grand Piton und der Petit Piton nahe der früheren Hauptstadt Soufrière samt ihrer restaurierten historischen Bauten, einer reizvollen Uferpromenade und dem belebten Markt. Auch ein Vulkankrater mit dampfenden Schwefelquellen, natürliche Mineralbäder und die stetig plätschernden Diamond Falls lassen sich von hier aus besichtigen. Ein Fort aus der Kolonialzeit und ein Vogelpark (ohne Gitter), in dem emsige Kolibris keck vor ihren Lieblingsblüten umhertanzen, sind Anziehungspunkte der viel besuchten Rodney Bay an der Nordwestspitze St. Lucias. 

Als nach zwei Wochen maritimer Glückseligkeit die Silhouette von Fort-de-France auf Martinique, unserem finalen Anlegeplatz, auftauchte und wir schließlich abreisen mussten, fiel der Abschied schwer. Ein Stückchen Seele blieb aber dort. Karibik – wir kommen wieder!

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