Di, 17. Oktober 2017

Frequenz-Neuvergabe

18.11.2011 10:49

„3“ fürchtet, bei Auktion unter die Räder zu kommen

Vor der Neuvergabe der Mobilfunkfrequenzen in Österreich im Herbst 2012 kämpft Hutchison 3G um eine gute Startposition und macht Druck auf den Telekomregulator. Das aktuelle Vergabeverfahren würde dazu führen, "dass der, der die tiefsten Taschen hat, das meiste bekommt", befürchtet "3"-Chef Jan Trionow. "Dieses Biest kann man durch entsprechende Rahmenbedingungen zähmen, etwa durch die Zuteilung entsprechender Frequenz-Mindestausstattungen für alle Bewerber", sagte Trionow am Donnerstag vor österreichischen Journalisten in Hongkong.

Der Hintergrund: Die in den 1990er-Jahren vergebenen Funklizenzen laufen demnächst aus - die für 900 MHz im Jahr 2015, die meisten 1.800er-Frequenzen 2017. Weil sich die neue Mobilfunkgeneration LTE weltweit als Standard durchsetzt, geht man jetzt dazu über, diese bisher für GSM reservierten Frequenzen für LTE umzuwidmen.

Dabei könnte "3" unter die Räder kommen, befürchtet Trionow einen massiven Wettbewerbsnachteil für sein Unternehmen und teilweise auch für den Mitbewerber Orange. Ein Rückzug von Hutchison vom österreichischen Markt "wäre die extremste Konsequenz", sagte Trionow. Das sei aber derzeit keine konkrete Gefahr. Zu Überlegungen bezüglich einer Übernahme des Konkurrenten Orange hält man sich bei Hutchison bedeckt, aber dass im Mobilfunk Größe helfe, sei unbestritten.

"3" befürchtet Wettbewerbsverzerrungen"
Eine von "3" in Auftrag gegebene und vom früheren Telekomregulator Heinrich Otruba durchgeführte Untersuchung lasse Wettbewerbsverzerrungen im österreichischen Mobilfunk im Ausmaß von zwei Milliarden Euro in den nächsten zwei Jahrzehnten befürchten, für die gerade die Weichen gestellt würden.

Wenn die Konkurrenten - vor allem A1 und T-Mobile - ihre 900er-Frequenz künftig auch für UMTS und LTE nutzen dürften, würde ihnen das einen enormen Kostenvorteil bringen, denn sie würden bereits über die dafür nötige Infrastruktur verfügen, die "3" erst aufbauen müsste. "Die Masse der Kosten liegt ja in Beton, Stahl, Antennen und Kabeln" so Trionow.

"Startvorteil für die Konkurrenz"
Dazu komme ein Startvorteil für die Konkurrenten bei der Erschließung des ländlichen Raumes. "3" habe für Standorte im 2.100-MHz-Bereich viel Geld ausgegeben, die alten Anbieter könnten dafür ihre GSM-Standorte verwenden. Und schließlich käme noch ein Nachfragenachteil dazu, denn niedrigere Frequenzen hätten bessere physikalische Ausbreitungseigenschaften. Das gelte auch für die Frequenzen im 800-MHz-Band, die durch die Digitalisierung von Rundfunk und Fernsehen – der sogenannten "Digitalen Dividende" - frei werden.

Forderung nach Frequenz-Mindestaustattung
Im Gegensatz zu den Mobilfunkern könne der Rundfunk die Frequenzen aber gratis nutzen, ärgert sich Trionow. Deshalb dürfe die Entscheidung, wie die Mega-Auktion im kommenden Jahr gestaltet werden muss, nicht leichtfertig getroffen werden. Trionow fordert eine gemeinsame Vergabe der Frequenzen 900 und 800 MHz sowie eine Frequenz-Mindestausstattung für jeden Betreiber. Auch von der Auswahl des Auktionsverfahrens werde viel abhängen. Der Regulator will die Bedingungen im März oder April veröffentlichen, die Auktion soll dann voraussichtlich im September durchgeführt werden.

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