Fr, 15. Dezember 2017

Entführungsprozess

17.11.2011 19:00

Opfer: "Ich hab' gedacht, jetzt kann ich nicht mehr aus"

In der Fortsetzung des Linzer Prozesses nach der versuchten Entführung einer Bankiersfrau ist am Donnerstagnachmittag das Opfer befragt worden. "Der (einer der Täter, Anm.) darf nicht reinkommen, weil dann ist es vorbei", erinnerte sich die Frau daran, was ihr am 8. September 2010 durch den Kopf gegangen ist. Den Ausführungen der beiden Beschuldigten widersprach sie in mehreren Punkten. Ein Urteil wird für 9. Dezember erwartet.

Die Bankiersfrau schilderte detailliert, wie sie den Vorfall erlebt hatte. Nachdem am 7. September ein Unbekannter bei ihr zu Hause angerufen hatte, läutete es am darauffolgenden Tag an der Tür. Die Frau öffnete, vor ihr stand ein Mann, der sich mit demselben Namen wie am Telefon vorstellte und ihr einen Zettel mit ihrem Nachnamen und einer falschen Hausnummer zeigte. Der Bankiersfrau kam das eigenartig vor, sie wollte ihn abwimmeln.

Plötzlich hielt ihr der Fremde die Hand auf den Mund, doch sie wehrte sich, stieß ihn weg und schrie mehrmals um Hilfe. "Ich hab' gedacht, jetzt kann ich nicht mehr aus", sagte die Frau vor Gericht. Sie habe sich an der Klinke festgehalten und die Tür mit dem Fuß verstellt. "Wenn er sie aufgerissen hätte, hätte ich keine Chance gehabt, das wäre mein Verderben gewesen."

Nicht ganz geöffnete Tür war die Rettung
Die Tür sei nur maximal 30 Zentimeter geöffnet gewesen, daher habe der Mann kaum hineinfassen können - der deutsche Hauptangeklagte (links im Bild) hatte dagegen erklärt, dass sie deutlich weiter offen gewesen sei. Der Täter rannte schließlich weg, das Opfer folgte ihm ein Stück und sah noch einen weiteren Mann davonlaufen. Genau beschreiben konnte die Frau den Komplizen nicht, die Haare des Haupttäters beschrieb sie "unnatürlich" dicht, kurz und hell. Es könnte sein, dass er eine Perücke getragen hat, sagte sie. Sie habe sich bis zum Vorfall an ihrem Wohnort sehr geborgen gefühlt, "nachher war das anders".

Hauptangeklagter bleibt bei Verteidigungslinie
Der 56-jährige Hauptangeklagte hielt nach der Aussage der Frau allerdings daran fest, dass er die Entführung letztendlich verhindern wollte, und erklärte erneut, dass der Vater seines mutmaßlichen Komplizen Mitglied in einem Drogenkartell sei. Die Tat bezeichnete der Beschuldigte als "nicht professionell geplant und ausgeführt". Er berichtete zudem von Racheakten der angeblichen Hintermänner nach dem Scheitern: Sein Auto sei in die Luft gejagt worden, zudem hätten immer wieder Unbekannte bei seiner in Deutschland lebenden Tochter und bei ihm angerufen. Auch bei seiner Lebensgefährtin in Tschechien habe jemand wiederholt an der Tür geläutet.

Mitangeklagter: "Ich habe Angst vor ihm"
Der mitangeklagte Spanier (rechts im Bild) bekannte sich auch am zweiten Prozesstag nicht schuldig. "Ich habe Angst vor ihm", so der 32-Jährige über den Hauptangeklagten. Deshalb habe er zunächst erklärt, dass er den Deutschen nicht kenne. Außerdem soll ein Polizist zu ihm gesagt haben, dass man für eine Entführung zehn bis 20 Jahre hinter Gitter wandere, so der Mann.

Auf die Frage, wie sein Fingerabdruck auf eine sichergestellte Sporttasche kommen konnte, antwortete der 32-Jährige, dass er nur kurz hineingeschaut habe. In der Tasche hatten sich u.a. eine Handgranate inklusive Zünder, aber ohne Sprenginhalt sowie Perücken, Handschuhe und ein falscher Bart befunden.

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