Sa, 18. November 2017

Nach Coup im Pongau

28.10.2011 12:14

Bankräuber-Trio scheiterte wegen mehrerer Pannen

Nach einem nächtlichen Vernehmungsmarathon hat das Landeskriminalamt Salzburg den Bankraub in Dorfgastein (Pongau) von Donnerstag endgültig geklärt. Insgesamt waren nach Polizeiangaben drei Personen in den Überfall auf die Raika-Filiale eingebunden. Der Raub selbst war in weiten Teilen gut vorbereitet, einige Pannen erleichterten es der Polizei aber, dass noch am selben Tag alle Verdächtigen erwischt werden konnten (siehe Infobox).

Bereits vor zwei Wochen hatte ein 43-jähriger Lette seine Ex-Frau in Bad Hofgastein besucht, die dort eine Pension betreibt. Und gemeinsam hätten sie offenbar damals die Bank im Nachbarort ausgekundschaftet, berichtete Major Gerhard Waltl am Freitag. Am vergangenen Wochenende reiste der Balte dann gemeinsam mit einer lettischen Familie erneut ins Gasteinertal - in einem geborgten silbergrauen Renault Trafic.

Sudanese stürmt vollkommen vermummt in Bank
In der Pension wohnte seit rund drei Monaten auch ein 42-jähriger Sudanese, der mit der Betreiberin mehrmals über Geldnot und einen möglichen Bankraub gesprochen haben soll. Am Donnerstag folgte den Worten die Tat: Der Lette chauffierte den wegen seiner Hautfarbe zu auffälligen und deswegen vollkommen vermummten Sudanesen nach Dorfgastein, wo dieser mit einer Spielzeugpistole bewaffnet die Raiffeisenbank überfiel. Kurz darauf beobachtete der Filialleiter den Kastenwagen: Er merkte sich das lettische Kennzeichen "GU 400" und teilte dies der Polizei mit, die im Zuge der Alarmfahndung ganz gezielt nach diesem Fahrzeug Ausschau hielt.

Gesuchtes Auto auf Parkplatz entdeckt
Keine eineinhalb Stunden später entdeckte eine Polizeistreife genau dieses Auto auf dem Parkplatz der Bergrettung in Bad Hofgastein, darin saß der Sudanese, der umgehend festgenommen wurde. Der 42-Jährige bestritt zunächst jeden Zusammenhang mit der Tat, doch während seiner Vernehmung fanden Polizisten in der Garage der Pension die beim Überfall verwendete Jacke, Handschuhe und Sturmhaube sowie wenig später im Zimmer auch den Rucksack, die Spielzeugwaffe und einen Großteil der Beute. Daraufhin legte der Mann ein Geständnis ab und nannte auch seinen Chauffeur.

Fluchtwagen passte nicht in Garagen-Versteck
Wie sich herausstellte, hatte der Lette für den Überfall sogar Überstellungskennzeichen nach Salzburg mitgebracht, allerdings war den Männern die Montage zu kompliziert, weshalb sie mit den Originalkennzeichen zur Bank fuhren. Nach dem Raub stellten sie den Wagen einfach vor der Pension ab. Als aber später ein Polizeihubschrauber über dem Ort kreiste, wurden sie doch nervös. Der Lette versuchte daher, den Wagen in die Garage zu fahren, brachte diesen aber nicht durch das Tor und beschädigte das Fahrzeug auf der linken Seite erheblich. Daraufhin fuhr der Sudanese zur Bergrettung, wo er parken konnte - und festgenommen wurde.

Laut Waltl haben die beiden Männer nach dem Überfall die Beute aus dem Rucksack geleert und in zwei Häufen geteilt, über die Höhe der Beute machte der Kriminalist keine Angaben. Der Lette bestritt bei der Vernehmung zwar jede Beteiligung an der Tat, er wird aber nicht nur vom Afrikaner sondern auch von der Pensionsbetreiberin belastet. Sein Anteil der Beute ist bis dato noch nicht gefunden worden. Der Sudanese hatte zwischen Raub und Festnahme bereits seine 300 Euro hohen Schulden in einer Pizzeria beglichen. Die beiden Männer wurden verhaftet, die Frau wird laut Waltl auf freiem Fuß angezeigt.

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