Mi, 13. Dezember 2017

Insel der Tempel

21.10.2011 17:28

Harmonie in der Götterdämmerung auf Bali

Bali und Religion – das gehört zusammen. Hier leben die Menschen mit Göttern, Dämonen und einem Lächeln. Eine Symbiose, die die indonesische Insel zu einem beschaulichen Stückchen Erde gemacht hat. Die Farbenpracht Balis bietet Abenteuer für alle Sinne.

Betörend süß dringt der Duft der Frangipani-Blüten in die Nase. Selamat Datang – Herzlich willkommen! Der traditionelle Blumenkranz, den der Gast um den Hals gelegt bekommt, stimmt uns ein aufs kleine Eiland Bali. Von der Metropole, dem Schmelztiegel Bangkok kommend, erreicht man die indonesische Insel nach knapp 4,5 Stunden Flugzeit.

Die "Insel der Götter", wie es so oft heißt, begrüßt uns mit einem feuchtwarmen Regen. Die Einheimischen haben sich auf ihren Motorrädern – das beliebteste Verkehrsmittel – in Ponchos gehüllt, aber schnell ist Indra, der Regengott, wieder besänftigt und lässt dann doch die Sonne durchblitzen. Selbst in der Regenzeit von November bis Februar öffnet der Himmel nur kurz seine Schleusen. Das Wetter kennt nur zwei Jahreszeiten, und in der Regenzeit, dem "Winter" Balis, zeigt sich die Insel in besonders üppigem Grün.

Vom Hinduismus geprägt
Im Gegensatz zum restlichen muslimischen Indonesien ist Bali vom Hinduismus geprägt. Es zeigen sich aber im Gegensatz zu Indien Unterschiede. Der Glaube an die Kräfte der Natur, an die Beseeltheit der Umwelt und die Verehrung der Ahnen hat sich zusammen mit den hinduistischen Einflüssen zu einer eigenen, harmonischen hindu-balinesischen Religion entwickelt. Die sichtbare und unsichtbare Welt werden gleichermaßen respektiert, fern von jeglicher Aggressivität.

Nicht einen Tunnel findet man auf der Insel – nichts soll zwischen einem selbst und den Göttern liegen. Diese besondere Spiritualität der Insel begleitet die Gäste - selbst diejenigen, die mit der Götterwelt vorher nicht allzu viel in Berührung gekommen sind, lassen sich in den Bann ziehen. "Die Wege sind unterschiedlich, aber das Ziel ist doch das gleiche", bringt es Madi, unser Reisebegleiter für die nächsten Tage, auf den Punkt, wenn er über unterschiedliche Religionen und Toleranz spricht. Und erzählt uns von Dämonen, die im Meer hausen, und den Göttern, welche die Vulkane bewohnen. Von denen hat Bali einige, zählt doch Indonesien zu den vulkanreichsten Ländern der Erde.

Insel der Tempel
Die Götter und Dämonen gilt es zu besänftigen, und das tun die Balinesen in ihrem Alltagsleben mit unglaublicher Freude. Über 10.000 Tempel soll es hier geben. Durchquert man die Insel, hat man durchaus das Gefühl, es müssten mehr sein. Jede Familie hat ihren eigenen kleinen oder gerne auch größeren Haustempel, von Wächtergöttern bewacht und von Moos überwachsen. Nicht zu vergessen die Ahnenschreine für die Verstorbenen.

Pittoresk und oft überraschend aufwendig gestaltet zieren sie die Dörfer, immer geschmückt mit Opfergaben. Steht ein Tempelfest bevor, dann werden die großen Tempelanlagen mit leuchtend orange-goldfarbenen Fahnen geschmückt, die Wächterstatuen bekommen einen Sarong umgebunden. Und der Besucher kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mittlerweile haben wir uns auch an die typische Gamelan-Musik gewöhnt. Für europäische Ohren ist der Rhythmus anfangs fremd, die Töne der verschiedenen Blechinstrumente versetzen den Zuhörer bald in eine sanfte Stimmung. Und eines ist sicher: Folgt man den Klängen der Gamelan-Musik, dann "entdecken" nicht nur die Ohren Neues. Denn jede farbenprächtige Tempelzeremonie oder Familienfeier wird mit ihr untermalt.

Route durch die Gärten der Götter
Aber welchen der wichtigsten und größten Tempel soll man auf seiner Route durch Bali nicht auslassen? Da wäre zum Beispiel Pura Taman Ayuun in Mengwi – der Tempel des schwimmenden Gartens – er wurde parkähnlich im Jahre 1634 angelegt, Lotusblumen zieren die Wassergräben und die Balinesen glauben, dass die Götter diesen Ort gerne als Badeplatz aufsuchen. Für den Anfang des "Tempelhüpfens" nicht schlecht. Doch schnell beschleicht einen die sichere Gewissheit: Da kommt noch viel mehr!

Und ja, im Dschungel im Südwesten von Bedugul am Fuße des Gunung Batukaru, dem zweithöchsten Vulkan Balis, liegt der gleichnamige Tempel. Mystisch umhüllt vom Dschungelgrün, dem – dank der üppigen Vegetation – zahlreiche Blüten Farbtupfer verleihen. Wir betreten die Anlage durch das Bali-typische gespaltene Tor, das so genannte Candi Bentar. Es ist Symbol für den zerfallenen Berg Mahameru, den Sitz aller hinduistischen Götter. In Batukaru wird die Gottheit Mahadewa, der Behüter des Gunung Batukaru, verehrt. Deswegen ist der Tempel, anders als alle anderen Tempel Balis, räumlich betrachtet nicht auf den Gunung Agung, sondern den Batukaru ausgerichtet.

Angemessene Kleidung im Tempel
Für den Besuch der Tempelanlagen auf Bali empfiehlt sich angebrachte, also lange, Kleidung, oft bekommt man auch den Sarong mit der traditionellen Schärpe, dem Selendang, umgebunden. So auch bei den Quellen von Tirta Empul in Tampaksising, denen magische Kräfte nachgesagt werden und die zu den wichtigsten Heiligtümern der Insel zählen. In großen steinernen "Schwimmbecken" nehmen die Gläubigen ein Bad. Unbeeindruckt von den Touristen stellen sie sich mit den Kindern auf dem Arm geduldig in einer Reihe an.

Die Frauen tragen reichlich geschmückte und bestückte Opferkörbe auf dem Kopf. Mit Früchten, die unsereins nur aus der Dose kennt oder eher selten zu Gesicht bekommt: Litschi, Mango, Rosenapfel, Mangostane, Maracuja, Papaya oder auch Schlangenhautfrucht. Wunderbar saftige Geschmackserlebnisse und Durstlöscher, so manch ein Mitreisender kann gar nicht genug von ihnen bekommen, und an den an Straßenrändern aufgebauten Ständen mit den akkurat zu einem Turm aufgestapelten Schätzen der Insel wird nicht nur zwecks Fotostopp gehalten. 

Ein Fest für alle Sinne
Überall in den Tempelanlagen sitzen Frauen beisammen und zaubern aus Blumen und Blüten zierliche Gebilde. Ob Opferung, andere religiöse Handlungen, ob Trauung, Begräbnis oder ganz einfach als Schmuck. Behutsam werden sie in Schälchen aus Blättern drapiert, in denen findet sich auch durchaus mal ein Keks oder Zuckerl. Die Männer sind für die Essensgaben zuständig. Die werden aber dann nachher unter den Gläubigen verteilt. Und immer liegt das feine Aroma von Räucherstäbchen in der Luft. Mit dem Rauch werden die Bitten und Wünsche gen Himmel geschickt. Gemischt mit dem Blütenduft ein Fest für den Geruchsinn.

Die meisten Balinesen leben vom Tourismus und von der Landwirtschaft. Sind Holzschnitzer, Korbflechter oder Steinmetze. Die Werke werden nicht selten in die ganze Welt verschifft. Der Reisanbau prägt das Leben und die Landschaft. Auf der Fahrt Richtung Norden durchstreifen wir die terrassenförmig angelegten Felder. Es wird angenehm kühler, und natürlich dürfen in den Reisanlagen auch all die kleinen Schreine für die Götter, damit sie gnädig über die Ernte wachen, nicht fehlen. Darüber lassen Kinder bunte Drachen steigen, ein Spiel, das auch die Vögel abhalten soll.

Reges Markt-Treiben in Ubud
Wer Souvenirs erstehen möchte, findet in Ubud sicher etwas Passendes. Feucht-dampfend nach einem Regenguss, tummeln sich die Touristen auf dem traditionellen Markt. Die alte Handwerksstadt, die einst Hippies aus aller Welt anzog, hat mit allem aufzuwarten. Wer ein gutes Händchen im Handeln hat, kann durchaus ein Mitbringsel günstig erstehen. Wem das zu anstrengend ist, der setzt sich einfach in ein Straßencafé und schaut dem Treiben aus sicherer Entfernung zu. Oder kostet vom gegrillten Spanferkel, Babi Guling genannt, ein Festessen auf der Insel. Natürlich serviert mit Reis, ebenso wie die Fische, die oft im Bananenblatt gegrillt werden.

Irgendwann ist dann das ewige Lächeln der Einheimischen auch auf dem eigenen Gesicht angekommen. Während man beim Sonnenuntergang den Nationaltempel Tanah Lot im Blickfeld hat. Er wurde auf einem Felsen erbaut, der bei Flut gänzlich vom Meer umspült wird. Überirdisch schön und, ach ja, irgendwo im Hintergrund ertönen wieder die Gamelan-Klänge. Alles im Einklang, alles in Harmonie.

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