Fr, 24. November 2017

Musik und Theater

18.10.2011 23:32

Schock-Rocker Alice Cooper mit „Best of“-Show in Wien

Zwei Wochen vor Halloween war am Dienstagabend der "König des Schock-Rock", Alice Cooper, zu Gast im Wiener Gasometer. Der inzwischen 63-jährige Rock-Altmeister, der erst Mitte September sein inzwischen 26. Studio-Album veröffentlicht hat, zeigte seine obligate Bühnenshow (inklusive Schlange und Guillotine) und schaffte es, bis zum Ende des Konzerts kein einziges Mal ein Wort an seine zahlreich erschienenen Fans jeden Alters zu richten.

Der Mann mit der obligatorisch schwarz geschminkten Augenpartie, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Vincent Furnier heißt, und seine fünfköpfige - gegenüber dem bis dato letzten Wien-Gig personell stark veränderten - Band starteten mit dem Song "Black Widow", dem der einstige Eltern-Schreck, der - so scheint's - partout nicht erwachsen werden will, "Brutal Planet" und den 70er-Jahre-Klassiker "I'm Eighteen" folgen ließ, den Cooper ironischerweise auf eine Krücke gestützt, sang.

Jede Menge Klassiker aus den 1970ern
Ein weiterer Block mit Songs aus den frühen Siebzigern, darunter das zynisch-böse "Billion Dollar Babies", "No More Mr. Nice Guy", "It's My Body" (das Herr Cooper mit einer Boa um den Hals sang) und "Halo Of Flies" (samt sinnloser Schwerter-Herumfuchtlerei und Schlagzeug-Solo) folgten.

Vom aktuellen Album "Welcome 2 My Nightmare" gab es nur das recht ansprechenden "I'll Bite Your Face Off" zu hören, das wie die Ballade "Only Women Bleed" zu den musikalisch stärksten Momenten des Abends gehörte - nicht zuletzt deshalb, weil die beiden Nummern zu den wenigen Songs gehörten, die nicht im Gitarren-Soundbrei unterzugehen drohten.

Wie schon weiland beim Wien-Konzert anno 2004 schleppte der Pfarrerssohn aus Detroit auch dieses Mal wieder eine bekleidete Dame aus Plastik auf die Bühne, die er zuerst abküsste, um sie wenig später, während er "Cold Ethyl" sang, an den Haaren über die Bühne zu schleifen und auch mehrfach durch die Gegend zu schleudern. Prädikat: einfach nur peinlich.

Bewährte Show-Elemente
Natürlich gab's auf der Bühne auch wieder die üblichen Einlagen, die Herrn Furnier dereinst zum bösen Buben des Genres gemacht haben: Bei "Feed My Frankenstein" (einem Titel aus Coopers Heavy-Metal-Phase) etwa marschierte ein rund vier Meter hohes Frankenstein-Monster auf und ein lästiger "Fotograf" wurde während des Songs "Wicked Young Man" von der Schock-Rock-Legende mit einer Metallstange "durchbohrt". Und der geistige Vater von Marilyn Manson oder den Song-Contest-Gewinnern Lordi selbst wurde mithilfe einer riesigen Guillotine geköpft.

Alice Coopers allerersten Nummer-1-Hit, "School's Out", gab es erst nach knapp eineinhalb Stunden - und verbrämt mit einer Strophe des Pink-Floyd-Klassikers "Another Brick In The Wall" - am Ende des Sets zu hören. Für die einzige Zugabe erschien der Schock-Rocker schließlich mit einer rot-weiß-roten Fahne auf der Bühne und stimmte noch den Titel "Elected" an, dann war nach 95 Minuten endgültig Schluss.

Fazit: Auch wenn's dem Publikum, das stellenweise brav die Refrains der Klassiker mitgesungen hat, gefallen haben dürfte: Was einst als gesellschaftskritisch und Skandal galt, ist heute bestenfalls eine unterhaltsame, stellenweise sogar ins Peinliche abgleitende "Best of"-Revue.

Fotos: Andreas Graf

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