Do, 23. November 2017

„Beinharte Realität“

14.10.2011 22:49

Rückkehr ins Ungewisse: Arzt zurück in Dubai

Der in Dubai wegen Mordes angeklagte Intensivmediziner Eugen Adelsmayr ist am Freitag - wie angekündigt - in die Vereinigten Arabischen Emirate zurückgekehrt. Adelsmayr, dem die Todesstrafe droht, hatte stets beteuert, um seine Ehre kämpfen und seine Unschuld beweisen zu wollen. Am Sonntag wird im Wüstenstaat der Prozess gegen den 52-jährigen Oberösterreicher fortgesetzt.

Trotz des psychischen Drucks, der auf dem Oberösterreicher lastet, wirkte er gelassen, als er am späten Freitagvormittag am Salzburger Airport einen großen Koffer hinter sich herzog und dabei lächelnd erklärte, dass der Trolley leer sei. Warum? "Ich habe ja wenig Sachen in Bad Ischl. Beim nächsten Flug bringe ich wieder etwas mit nach Hause." Nach der Verhandlung werde er noch zwei Tage in Dubai bleiben und am Dienstag oder Mittwoch wieder nach Hause zu seiner krebskranken Frau fliegen.

Die Begeisterung und das Verständnis seiner Familie über seine Abreise habe sich in Grenzen gehalten, schilderte der Mediziner. Die Tage in seiner Heimat habe er "unspektakulär" verbracht. "Gestern verbrachte ich einen ruhigen Abend mit meiner Frau. Ihr geht es jetzt ein bisschen besser. Ich habe zu ihr gesagt, dass ich wiederkomme." Es sei schon ein komisches Gefühl: "Wenn man daheim in Sicherheit ist, und Dubai weit weg ist, ist es wie ein Albtraum. Da unten ist die beinharte Realität."

Außenministerium verspricht Kontrolle
Begleitet wird der Bad Ischler von der Chefin der Rechtsabteilung im Außenministerium, Elisabeth Ellison-Kramer. Sie hatte Adelsmayr bereits zweimal in Dubai beigestanden und für seine Ausreise gekämpft. Der Mediziner soll bis zum Ende des Gerichtsverfahrens vom Außenministerium unterstützt werden. Der österreichische Botschafter in den Emiraten werde den Prozess weiterhin beobachten und auf die Einhaltung der internationalen Standards achten, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal.

Umfangreiche diplomatische Verhandlungen hatten Ende September zu einer überraschenden Wende geführt: Adelsmayr, dem bereits im Februar 2009 der Tod eines Patienten im Rashid Hospital zur Last gelegt wurde und der seither nicht mehr nach Österreich ausreisen durfte, erhielt seinen Reisepass zurück. Am 28. September 2011 kehrte der 52-Jährige erstmals wieder in die Heimat zurück. Die vorübergehende Ausreise aus den Emiraten war ihm aus humanitären Gründen erlaubt worden - wegen der Krankheit seiner Frau.

Neuerliche Heimreise bereits vereinbart
Laut dem Mediziner sollen bei der Verhandlung am kommenden Sonntag die letzten beiden Zeugen der Anklage einvernommen werden, beim nächsten Prozesstermin ist dann die Verteidigung am Zug. Die erneute Rückreise nach Österreich sei "bereits mit den Entscheidungsträgern in den Vereinigten Arabischen Emiraten vereinbart", so der Sprecher des Außenministeriums.

Die Anklage beschuldigt den Oberösterreicher sowie einen indischen Kollegen, einen querschnittgelähmten Patienten im Februar 2009 durch Unterlassung von Hilfeleistung und eine hohe Dosis Opiate getötet zu haben. Der damals 50-Jährige soll eine Order ausgegeben haben, dass der Kranke im Falle eines Herzstillstands nicht wiederbelebt werden darf. Adelsmayr und die Mehrheit der Prozessbeobachter hatten die Vorwürfe des Öfteren als absurd bezeichnet.

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