Do, 23. November 2017

„Nicht adäquat“

12.10.2011 15:31

Kollegin umarmt - Geldstrafe für Salzburger Lehrer

Gegen jenen Lehrer aus Salzburg, der Ende Mai eine 24-jährige Kollegin an einer Pflichtschule sexuell belästigt haben soll, ist das Urteil im außergerichtlichen Disziplinarverfahren gefällt worden. Die Umarmung durch den Pädagogen sei als "nicht adäquates Verhalten" gewertet worden. Der Personalvertreter der "Grünen und Unabhängigen LehrerInnen" dürfe seine schulfeste Stelle behalten, müsse aber als Strafe ein eineinhalbfaches Monatsgehalt zahlen, wie am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Grünen erläutert wurde. Der Mann akzeptierte die Strafe.

Der Vorwurf einer sexuellen Belästigung stehe nicht in dem Urteil, er sei davon freigesprochen, sagte der Lehrer. "Es geht um eine normale Umarmung. Die kann man nicht bagatellisieren, sie kann man als unerwünscht empfinden - mehr war nicht." Er habe damals der Aushilfslehrerin seine Wertschätzung für ihre Arbeit ausdrücken wollen, aber damit das Gegenteil bewirkt. "Ich habe mich sofort entschuldigt, als ich erfahren habe, dass ein Missverständnis vorliegt." Der Pädagoge bestritt zudem, die Frau geküsst zu haben.

Warum er gegen das Urteil keine Berufung einlegte, begründete der Pädagoge so: "Dann müsste ich weiter schweigen, und andere reden weiter. Bis die Sache zu einem unabhängigen Gericht kommt, dauert es vier Jahre." Da nehme er einen Teil auf sich, er habe das Urteil akzeptiert und sich entschuldigt. Nur das Maß stimme nicht - Konflikte sollten innerhalb der Schule gelöst werden.

"Meiner Tochter geht es extrem schlecht"
Der Vater der betroffenen Lehrerin zeigte sich über das Urteil empört. "Es ist unglaublich, dass es hier nicht um den Tatbestand geht. Die junge Dame ist von dem Mann sexuell belästigt worden." Bei dem Vorwurf gehe es darum, dass der Lehrer seine Tochter in eine Turnlehrerkammer gelockt, umarmt und zu küssen angefangen habe.

"Meiner Tochter geht es extrem schlecht. Ich stelle mir die Frage, wie es möglich ist, dass ein Lehrer, der eine Kollegin sexuell belästigt hat, weiterhin unterrichten darf und auch in Zukunft mit jungen Kolleginnen und vor allem auch Schülerinnen engen Kontakt hat."

Er würde als Elternteil einer Schülerin diese sofort von der Schule abmelden bzw. eine Zusicherung der Behörden verlangen, dass sie vor Übergriffen sicher sei, sagte der Vater. Das Ergebnis der Gleichbehandlungskommission in dieser Causa wolle man noch abwarten, dann werde eine gerichtliche Anzeige wegen sexueller Belästigung überlegt.

Schwaighofer ortet politische Intrige
Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Cyriak Schwaighofer, ortete bei der Pressekonferenz eine politische Intrige - so habe der oberste Personalvertreter der Pflichtschullehrer die Verschwiegenheitspflicht gebrochen und die Sache an die Öffentlichkeit gebracht. Dieser jedoch bestritt die Vorwürfe Schwaighofers vehement. Die Gleichbehandlungskommission werde sich mit diesem Fall noch beschäftigen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Für den Newsletter anmelden