Do, 23. November 2017

Experten uneinig

06.10.2011 16:36

Zukunft von Apple nach Tod von Steve Jobs ungewiss

Nach dem Tod von Apple-Gründer Steve Jobs fragen sich Fans und Experten, wie es ohne ihn weitergehen soll. Während viele Branchenbeobachter glauben, dass mit Jobs auch der treibende Motor des kalifornischen Unternehmens verstummt ist, zeigen sich andere zuversichtlich, dass Apple auch ohne die einstige schillernde Figur an der Spitze seine starke Markenposition nicht verliert. Sicher ist: Die Verantwortung liegt nun mehr denn je bei Neo-Konzernchef Tim Cook, dem bislang jedoch fehlendes Charisma attestiert wird.

Für Reinhard Mittermaier von der Wiener Markenforschungsagentur marketmind ist das allerdings zweitrangig. Letztlich würden die Kunden nicht Jobs - oder eben Cook -, sondern die Apple-Produkte mit ihren Innovationen und ihrer Verwendbarkeit im Alltagsleben kaufen, meint er. Bei Apple sei das Marketing alles, darin sei der Konzern auch über die Maßen erfolgreich. "Bei Apple hat alles einen starken Namen, das beginnt beim iPod und geht bis zum iPad."

Durch sein geniales Marketing sei es dem Konzern gelungen, so Mittermaier weiter, mit den "i"-Produkten Kultstatus zu erlangen und "ganzen Produktkategorien sein Branding aufzudrücken". Viele junge Menschen würden bereits iPod sagen, wenn sie einen MP3-Player meinen. Laut Mittermaier habe Apple daher beste Chancen, seinen starken Markenwert zu erhalten. Schließlich seien neue Produkte von langer Hand geplante Innovationen eines Technologiekonzerns mit hohem Know-How.

Mysteriöser Innovator von Apple
Nicht leugnen kann Mittermaier allerdings, dass mit Jobs so etwas wie der mysteriöse Innovator des Unternehmens verloren geht. Dass man trotz allen Medienrummels so wenig über die Person Jobs wusste, habe viel zum Mythos Apple beigetragen, meint der Markenforscher. Eine Wirkung, um die Jobs offenbar wusste: Geflissentlich pflegte er seinen Personenkult, trat stets in Jeans und mit schwarzem Rollkragenpullover auf und wandte sich nach seinen Reden stets zunächst vom Publikum ab, nur um dann mit den Worten "There is one more thing" noch einmal zurückzukehren und der Fangemeinde das neueste Technikspielzeug aus seinem Haus zu präsentieren.

Öffentliche Auftritte mit seiner Familie oder Homestorys galten als Tabu. Den Konzern schottete Jobs nach außen weitgehend ab und umgab ihn mit der Aura des Mystischen: Branchenmessen bleibt Apple fern, die Medienabteilung gibt über die Betriebsanleitungen der Geräte hinaus praktisch keine Auskunft. Ihre Zulieferer verdonnern die Amerikaner zu eisernem Schweigen. Wer dagegen verstößt, fliegt schon mal aus dem Vertrag. Experten müssen die Geräte jeder iPhone- und iPad-Generation eigens zerlegen, wenn sie wissen wollen, woher die Komponenten stammen.

Apple sehr stark an "die Marke Steve Jobs" gekoppelt
Gerit Götzenbrucker, Assistenz-Professorin am Wiener Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, bezweifelt, dass der vor wenigen Wochen als neuer CEO präsentierte Cook diese "großen Fußstapfen" füllen kann. Apple-Produkte seien sehr stark an "die Marke Steve Jobs" gekoppelt, so die Kommunikationswissenschaftlerin. "Er war quasi der letzte Held des Silicon-Valley, ein richtiger Robin Hood am Anfang." Mit ihm sterbe "ein total wichtiger Motor in dieser Entwicklung".

"Jobs war die einzige Autorität bei Apple"
Ähnlich bewertet der deutsche Kommunikations- und Designberater Peter Zec die Rolle von Jobs für das Unternehmen Apple. "Das kann gar nicht überbewertet werden", so der Präsident des internationalen Dachverbandes der Industriedesigner. "Bei Design geht es immer um Entscheidungen, und in der Regel werden diese nicht von den Designern, sondern vom Vorstand getroffen. Daher spielt es eine große Rolle, wenn der Chef ein entsprechendes Designverständnis und Vorstellungen hat."

Jobs war seiner Ansicht nach bei Apple "die einzige Autorität, deshalb gab es keine Kompromisse". Er würde dem US-Unternehmen raten, die von Jobs entwickelten Prinzipien weiterzuführen, ohne ihn zu imitieren. "Die Keynote von Cook beispielsweise erinnerte zu sehr an Jobs, aber er ist natürlich weit davon entfernt, er zu sein."

Apple-Design "prägend für diese Dekade"
Die Produktsprache von Apple bezeichnete auch Thomas Geisler, Kustos für Design am Wiener MAK, als "prägend für diese Dekade". Viele hätten bereits versucht, diese formal nachzuvollziehen. Aber letztlich brechen Apple und dessen Erfolg "nicht völlig in sich zusammen, wenn die Figur Jobs fehlt", glaubt Geisler.

Cook: "Apple wird sich nicht verändern"
Cook, der seit dem krankheitsbedingten Rückzug des nun verstorbenen Firmengründers neue Mann an der Spitze von Apple, hatte bereits Mitte August versichert, dass er der Linie von Jobs treu bleiben werde. "Ich möchte, dass ihr sicher seid, dass sich Apple nicht verändern wird", hatte Cook damals in einer E-Mail an die Mitarbeiter geschrieben. "Wir werden weiterhin die besten Produkte der Welt bauen, die unsere Kunden begeistern."

Allerdings muss Cook nun beweisen, dass er auch ein ähnlich gutes Händchen für neue Produkte hat wie Jobs, der mit dem iPod die Musikindustrie revolutionierte, mit dem iPhone den Handymarkt aufrollte und mit dem iPad der Computerindustrie das Fürchten lehrte.

Anleger noch skeptisch
An der Börse scheint man ihm diese Rolle noch nicht ganz zuzutrauen. Bereits nach der Präsentation des neuen iPhone 4S am Dienstagabend hatte die Aktie deutlich nachgegeben. Richard Muller von Reuters rechnet damit, dass der Aktienwert nach Jobs' Tod auf 350 Dollar sinken wird. So tief war die Apple-Aktie während der letzten drei Monate nicht gestanden. An der Frankfurter Börse fiel Apple am Donnerstag um rund 3,4 Prozent, während der DAX zeitweise um zwei Prozent zulegte.

Konkurrenz rückt auf
Profitieren dürften vom Ableben des Apple-Gründers vor allem Konkurrenten wie der taiwanesische Smartphone-Hersteller HTC oder Samsung. Die Südkoreaner gelten mit ihrem "Galaxy S2" und dem "Galaxy Tab" als derzeit stärkster Rivale des kalifornischen Konzerns. Mit dem "Kindle Fire" von Amazon steht zudem bereits eine preisgünstige Alternative zu Apples iPad in den Startlöchern.

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