Do, 24. Mai 2018

Böser Goliath

29.09.2011 16:39

Geländewagen und SUVs sind ein Risiko für Pkw-Fahrer

SUVs und Geländewagen sind nicht häufiger in schwere Unfälle verwickelt als andere Pkw. Allerdings haben Pkw-Insassen bei einem Unfall mit einem SUV ein deutlich höheres Risiko, verletzt oder getötet zu werden. Das gilt insbesondere, wenn das Fahrzeug groß ist oder einen Leiterrahmen hat.

Das ist ein Ergebnis einer Untersuchung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren jedoch verbessert. Das legt jetzt eine Statistik des amerikanischen Versicherungsverbandes IIHS nahe.

Demnach wurden zwischen 2000 und 2001 bei Kollisionen mit SUVs im Schnitt 44 Autofahrer pro einer Million zugelassener Fahrzeuge getötet. In den Jahren 2008 und 2009 sank diese Zahl auf 16 Personen ab. Die Verkehrssicherheitsexperten führen den Rückgang einerseits auf eine verbesserte Karosseriestruktur von Pkw sowie die steigende Ausstattungsrate mit Seitenairbags zurück. Andererseits seien auch die SUVs stark verbessert worden – vor allem was die Anpassung ihrer Knautschzonen an kleinere Unfallgegner angeht. Zum Vergleich: Bei Unfällen zwischen zwei Pkw starben zuletzt 17 Personen pro eine Million zugelassener Fahrzeuge.

Auch in Deutschland sind SUVs im Unfallgeschehen aktuell nicht besonders auffällig. Der GDV führt das aber weniger auf verbesserte Sicherheitssysteme als auf den speziellen Fahrerkreis zurück. In der Regel handele es sich bei SUV-Haltern um ältere Personen zwischen 46 und 56 Jahre, häufig Selbstständige oder leitende Angestellte, die über große Routine am Steuer verfügen. Diese Gruppe verursacht allgemein weniger Unfälle als der Durchschnittsautofahrer.

GDV-Studie belegt Gefahr durch SUVs
Der GDV hat sich bei der Analyse auf Zahlen der Unfallforschung der Versicherer gestützt. 83 verschiedene Modelle von SUVs wurden dabei berücksichtigt, vom kleinen bis zum großen Geländewagen, vom Fahrzeug mit einem heute weniger gebräuchlichen Leiterrahmen bis zu modernen selbsttragenden Karosserien. Insgesamt wurden so acht SUV-Gruppen unterschieden. Als Definition, was ein SUV sei, legten die Unfallforscher die Fahrzeughöhe auf 1,6 Metern und mehr fest, bei der Bodenfreiheit wurde die Latte auf 17 Zentimeter und darüber gelegt.

Mit drei Crashtests wurden die Daten der Unfallanalyse auf einer Crash-Anlage in Berlin bestätigt. Dabei wurden drei Geländewagen mit einer Masse zwischen 1,3 und knapp 2,2 Tonnen mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h gegen die Fahrertür eines Pkws der Kompaktklasse gelenkt. Auch dabei zeigte sich: Während beim Seitenaufprall mit der Front eines gleichartigen Pkws oder kleinen SUVs nur mittelschwere Verletzungen des Unfallopfers zu erwarten sind, ist das Potenzial eines großen SUVs deutlich schwerer. Der Grad der Einwirkungen auf den Dummy beim 2,2 Tonnen schweren SUV legt nahe, dass es bei einem Fahrer aus Fleisch und Blut zu gravierenden Verletzungen gekommen wäre.

Um die Unfallfolgen zukünftig deutlicher zu mildern, setzt der GDV auf verbesserte Kompatibilität. Mit einer veränderten Karosseriestruktur von SUVs soll die Höhendifferenz zum Pkw ausgeglichen werden. Eine elastische Konstruktion unterhalb der Stoßstange könnte die Aufprallenergie mindern, so die Unfallforscher. Außerdem sollen automatische Notbremssysteme Pflicht werden, damit die Unfallfolgen nicht so gravierend sind.

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