Do, 24. Mai 2018

Wogen & Walküren

28.09.2011 16:24

Vifzack zeigt wieder Mut: "Wickie auf großer Fahrt"

Im September 2009 setzte Wickie unter der Regie von Bully Herbig auf der großen Kinoleinwand die Segel, jetzt kommt die furiose Fortsetzung "Wickie auf großer Fahrt" mit viel Action, Witz und herausragenden 3D-Effekten ins Kino. Regie führte diesmal Christian Ditter ("Vorstadtkrokodile").

Ihr Name stand für Raub, Mord, Plünderungen und Versklavung. Die wichtigsten Verkehrswege der Wikinger führten über das Wasser, unterhielten sie doch Handelsbeziehungen bis in den Orient, nach China und Amerika. Sie exportierten Bernstein, Rentierhorn, Walrosselfenbein und Felle und importierten im Gegenzug Wollstoffe, Seide und Edelmetalle, aber auch Weißwein, den sie wie Met und Bier aus Trinkhörnern genossen. Ein Behältnis, das sich nicht abstellen ließ und deshalb recht schnell geleert werden musste.

Sie manövrierten ihre bauchigen, an der Bugspitze mit einem Drachenkopf verzierten Schiffe mit Ruderkraft und einem einzigen rechteckigen Segel, das sie mit Pferdefett einrieben, bevor sie auf große Fahrt gingen, damit es sich bei anbrandenden Wogen nicht mit Wasser vollsog. Sie kannten Brett- und Würfelspiele – und verehrten heidnische Götter, kamen aber auf ihren Reisen verstärkt mit dem Christentum in Kontakt. Und es waren ihr Mut und ihr Kampfeswille, aber auch ihre Schläue, die sie besonders im Verband siegreich machten.

Das Bild vom Wikingerleben übte seit jeher seine Faszination aus – besonders auf aufgeweckte kleine Knirpse, deren Fantasie so auf spannende Weise möbliert wurde. Kein Wunder, dass die 1963 lancierte Kinderbuchreihe "Vicke Viking" des schwedischen Autors Runer Jonsson (1916–2006) ein Welterfolg wurde. Ab dem Jahr 1964 gab es die Abenteuer des cleveren Wikinger-Buben unter dem Titel "Wickie und die starken Männer" auch im deutschsprachigen Raum. Und ab Februar 1974 strahlte der ORF die beliebte Zeichentrickserie aus. Wickie wurde damals vom nur acht Jahre alten Münchner Florian Halm gesprochen, der dem Synchrongeschäft treu blieb und heute etwa die deutsche Stimme von Hollywoodstar Jude Law ist.

Nicht nur Grips, sondern auch Mumm
"Wickie auf großer Fahrt", die gelungene Fortsetzung des großen Wikingerabenteuers, punktet mit Witz, furioser Action und herausragenden 3D-Effekten. Und Rotschopf Wickie – erneut Jonas Hämmerle – muss diesmal nicht nur Grips, sondern auch Mumm beweisen, wird doch Halvar, Häuptling von Flake – Günther Kaufmann –, vom Schrecklichen Sven entführt.

So führt der kleine Vifzack alsbald die starken Nordmänner an, um schließlich in See zu stechen auf der Suche nach seinem Vater und einem sagenumwobenen Schatz der Götter. Sturmgepeitschte Ozeane, Eiswüsten, in denen das Schiff im Packeis festfriert, und eine paradiesische Insel, auf der sich leicht bekleidete Walküren tummeln, lassen den Wikinger-Spross viel vom Leben kapieren.

Gedreht wurde unter anderem in oberbayerischen Gefilden, am Walchensee, dem tiefsten Alpensee Deutschlands, dessen blaugrüne Gestade perfektes Double für die skandinavische Fjordlandschaft waren. Doch auch die Mittelmeerinsel Malta war einmal mehr pittoreske Kulisse für die aufwendigen Dreharbeiten. In den "Mediterranean Film Studios" nahe der maltesischen Hauptstadt Valletta drehte das Team mit zwei Schiffen in einem riesigen Wasserbecken, das auch schon für Hollywood-Produktionen wie "Gladiator" oder "Troja" genutzt worden war.

Der Lübecker Weltumsegler und Wikinger-Experte Burkhard Pieske, der wie kein Zweiter die Schiffsbaukunst der Wikinger kennt und selbst schon in einem nachgebauten Wikingerschiff den Atlantik überquerte, stand Regisseur Ditter mit Rat und Tat zur Seite. Der Vorteil: In dem künstlichen Wassertank lässt sich der Wellengang wunschgemäß steuern, ohne dass der Crew gleich die Planken um die Ohren fliegen. Für die perfekte visuelle Illusion der Gezeiten sorgte dann eine ausgeklügelte 3D-Technologie!

Wasser marsch, nicht nur im Film
Doch auch mit echten Wetterkapriolen hatten die meisten Darsteller zu kämpfen. So schien Poseidon persönlich die Windmaschine auf Malta angeworfen zu haben just an dem Tag, als Supermodel Eva Padberg als Anführerin der Walküren – und damit das pure Gegenteil des grobschlächtig wagnerischen Schönheitsideals – mit nicht sehr viel mehr als einem Lendenschurz auf einer Klippe in tosendem Sturm, die blonde Lockenpracht kess zerzaust, ausharren musste. Ein Balanceakt, der zudem ob der kühlen Temperaturen von schrecklichem Zähneklappern begleitet war.

In Valeria Eisenbart, die die toughe Svenja spielt und die schon in dem Kinothriller "Die Tür" als Mads Mikkelsens Filmtochter überzeugte, fand Regisseur Ditter eine bezaubernde Jungdarstellerin, in die sich Wickie ein bisschen verknallen darf. Letztlich sind Wickies Abenteuer ja auch Lektionen für die Bewältigung der eigenen rauen Lebenssee. Wer das Kap der Angst glorreich umschifft, ganz gleich in welchen Gewässern es liegt, hat viel von den nautischen Erfordernissen alltäglicher Bewährungsproben begriffen.

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