Mo, 21. Mai 2018

Von Lüge eingeholt

21.09.2011 16:50

Mirren als Mossad-Agentin in "Eine offene Rechnung"

Agententhriller funktionieren oft nach dem gleichen Schema: Die Kämpfer für das Gute gehen an ihre Grenzen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und ihre eigene Unschuld zu beweisen. Bei "Fair Game" zum Beispiel wird dies angewendet, bei John Maddens "Eine offene Rechnung" nicht. Die "Guten" verstricken sich in Lug und Trug. Sie werden zu Schuldigen, da sie die Wahrheit vertuschen. Nur eine Lüge lässt sie zu Helden werden. Madden trumpft mit einer Star-Besetzung auf, allen voran Oscar-Preisträgerin Helen Mirren.

Erzählt wird die Geschichte der drei Mossad-Agenten Rachel (Jessica Chastain, "The Tree of Life"), David (Sam Worthington, "Avatar") und Stefan (Marton Csokas), die in Ost-Berlin einen ehemaligen KZ-Arzt fangen sollen. Ihre Mission missglückt und der Naziverbrecher Dieter Vogel (Jesper Christensen) entflieht. Die drei Agenten erzählen der Welt, sie hätten ihn getötet - und werden in Israel als Nationalhelden gefeiert. Doch 30 Jahre später drohen sie aufzufliegen, da Vogel in einer Zeitung erwähnt wird. Die Lüge muss in die Tat umgesetzt werden.

In Rückblenden wird immer wieder ins graue Berlin von 1966 zurückgespult. Die jungen Agenten bereiten ihre Mission vor und es entwickelt sich zaghaft eine Dreiecks-Liebesgeschichte. Dann wird wieder das Jahr 1997 eingeblendet: Rachel (Helen Mirren), Stefan (Tom Wilkinson) und David (Ciaran Hinds) sind in die Jahre gekommen. Rachel sonnt sich in ihrem erfundenen Erfolg. Sie ist die eigentliche Protagonistin. Während die junge Rachel zart und sentimental ist, ist die ältere Rachel verhärtet und ernst. Helen Mirren füllt diese Rolle wunderbar aus, ihr Lachen ist erstarrt, ihr Blick versteinert. Sie fühlt sich schuldig für Vogels gelungene Flucht.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film:
Regisseur John Madden ("Shakespeare in Love") entrollt hier stilsicher das spannende Remake des israelischen Spionagethrillers "Der Preis der Vergeltung" (2007), in dem drei Ex-Agenten gegen ihren Willen reaktiviert werden, zerrieben zwischen moralischem Dilemma und der Staatsräson.

Tom Wilkinson brilliert als undurchsichtiger Meisterspion in einer vor langer Zeit aus dem Ruder gelaufenen Operation, Sam Worthington komplettiert das Trio. Ein überaus fesselndes Geflecht aus Lüge und Vertuschung, hochkarätig besetzt, das jedoch das Selbstbild und Rechtsempfinden Israels zugunsten des Suspense in den Hintergrund rücken lässt.

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